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Kevin Warsh: Trumps Fed-Kandidat setzt auf Überzeugung statt Daten

Der designierte Fed-Chef will Geldpolitik grundlegend ändern und von Powells datengetriebenem Ansatz abrücken.

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Kevin Warsh: Trumps Fed-Kandidat setzt auf Überzeugung statt Daten

Donald Trump hat Kevin Warsh als neuen Vorsitzenden der US-Notenbank Federal Reserve nominiert. Der 55-jährige ehemalige Fed-Gouverneur soll Jerome Powell ablösen und könnte damit eine grundlegende Wende in der amerikanischen Geldpolitik einleiten. Die Finanzmärkte reagierten zunächst positiv: Der US-Dollar erholte sich am Freitag von seinen jüngsten Verlusten, während Gold- und Silberpreise deutlich nachgaben.

Die Nominierung erfolgte nach monatelangem Hin und Her. Bereits 2017 war Warsh im Rennen um den Fed-Vorsitz, doch Trump hielt ihn damals für zu jung und gutaussehend. Acht Jahre später hat sich das Blatt gewendet. Warsh hat sich in den vergangenen Jahren zunehmend kritisch über die Zentralbank geäußert – ein Standpunkt, den er mit dem US-Präsidenten teilt.

Abkehr vom Powell-Kurs

Die größte Veränderung unter Warsh dürfte eine Abkehr vom datenabhängigen Entscheidungsansatz sein, der Jay Powells Amtszeit prägte. Stattdessen will der designierte Fed-Chef auf eine überzeugungsgeleitete Wirtschaftspolitik setzen. Warsh vertritt seit langem die Ansicht, dass Zentralbanken süchtig nach Gelddrucken wurden und rücksichtslos hohe Staatsdefizite förderten.

Nach seiner Überzeugung sollte sich die Fed auf ihre Kernaufgabe konzentrieren: die Inflationsbekämpfung. Themen wie Umweltbelange oder Einkommensverteilung hält er für Ablenkungen. Warsh befürchtet, dass die Ausweitung des Aufgabenbereichs die Unabhängigkeit der Zentralbank untergräbt und letztlich ihre Glaubwürdigkeit in der Demokratie schwächt.

Optimistische Prognose durch KI

In den vergangenen Monaten hat Warsh seine Position allerdings angepasst. Ursprünglich galt er in Wirtschaftskreisen als orthodox restriktiv. Nun vertritt er deutlich nachgiebigere Ansichten. Er ist überzeugt, dass die Fed ihre Prognosen für moderates Wachstum und überhöhte Inflation durch optimistischere ersetzen sollte.

Der Grund: Warsh erwartet ein Produktivitätswunder durch künstliche Intelligenz. Diese technologische Revolution stelle "eine signifikante disinflationäre Kraft" dar, schrieb er im Wall Street Journal. Daher fordert er drastische Zinssenkungen, um der breiten Bevölkerung Entlastung zu verschaffen – eine Position, die Trump gefällt.

Kritik an Staatsausgaben bleibt

Trotz seiner Annäherung an Trumps Positionen in der Zinspolitik bleibt Warsh bei seiner Kritik an verschwenderischen Regierungen. Er sieht in hohen öffentlichen Defiziten einen wesentlichen Inflationstreiber – neben der schnellen wirtschaftlichen Expansion. Diese Überzeugung könnte zu Spannungen mit der Trump-Administration führen, die expansive Fiskalpolitik betreibt.

Für deutsche Anleger bedeutet die Nominierung Warshs potenziell niedrigere US-Zinsen, was den Dollar schwächen und europäische Exporte begünstigen könnte. Gleichzeitig birgt der überzeugungsgeleitete Ansatz Unsicherheiten, da er weniger vorhersehbar ist als Powells datenbasierte Methode. Die Märkte werden genau beobachten, wie Warsh seine teilweise widersprüchlichen Positionen in der Praxis umsetzt.

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