Jugendbanden im Drogenhandel prägen schwedische Wahlentscheidung
Offener Drogenhandel durch Minderjährige erschüttert Stockholmer Vorort und beeinflusst Wähler.

Salim Ali sah jahrelang zu, wie junge Bandenmitglieder offen Drogen auf dem Platz vor seinem Blumenstand im Stockholmer Vorort Hässelby Gård verkauften. Die Kriminalität ist für viele Anwohner längst Alltag geworden. Nun entscheidet sie mit über den Ausgang der schwedischen Wahl.
Der Fall von Hässelby Gård steht exemplarisch für ein wachsendes Problem in Schweden. Jugendbanden kontrollieren den Drogenhandel in zahlreichen Vororten der Großstädte. Die Polizei zeigt sich oft überfordert, die Justiz überlastet.
Ein erschreckender Vorfall
Einmal ließ Ali zwei Jungen unter der Markise seines Blumenstands vor Regen Schutz suchen. Kurz darauf erschien die Polizei und durchsuchte die beiden. Einer von ihnen verbarg eine Schusswaffe. „Ich schätze, der Junge war etwa 12 Jahre alt“, erinnerte sich Ali. „Es war furchtbar. Es musste etwas getan werden.“
Der Vorfall verdeutlicht das Ausmaß der Bandenkriminalität in Schweden. Immer jüngere Täter werden in den Drogenhandel und bewaffnete Auseinandersetzungen verwickelt. Die Gesellschaft steht vor der Frage, wie sie dieser Entwicklung begegnen kann.
Wahlkampf im Zeichen der Sicherheit
Die schwedische Innenpolitik hat das Thema Sicherheit ganz oben auf die Agenda gesetzt. In Stadtteilen wie Hässelby Gård bestimmt die Kriminalitätsfrage das Wahlverhalten vieler Bürger. Die etablierten Parteien versprechen härtere Strafen und mehr Polizeipräsenz.
Gleichzeitig fordern Sozialverbände mehr Prävention und Jugendarbeit. Die Debatte ist polarisiert. Für die Anwohner zählt vor allem eines: dass sie wieder ohne Angst auf den Platz vor ihrer Haustür gehen können.
Salim Ali hofft auf eine politische Wende. „Es musste etwas getan werden“, wiederholt er. Ob die Politik die richtigen Antworten findet, wird sich am Wahltag zeigen. Die Wahl in diesem Stadtteil könnte richtungsweisend für ganz Schweden sein.
