Ukraine-Konflikt: Massive russische Luftangriffe nach US-Diplomatie in Kiew
Nach dem Besuch der US-Unterhändler trifft Russland Kiew mit Drohnen und Raketen – die Diplomatie steht vor einer Zerreißprobe.

Unmittelbar nach dem Abzug der US-Friedensunterhändler Jared Kushner und Steve Witkoff aus Kiew hat Russland die ukrainische Hauptstadt mit einer massiven Welle von Drohnen- und Raketenangriffen überzogen. Bei den Attacken kamen zwei Menschen ums Leben, mindestens zehn weitere wurden verletzt. Die Angriffe folgten direkt auf die Gespräche der US-Delegation mit Präsident Wolodymyr Selenskyj und dem russischen Präsidenten Wladimir Putin.
Der ukrainische Außenminister Andrii Sybiha wertete die ballistischen Raketen Moskaus als deutlichen Beleg für die Diskrepanz zwischen diplomatischen Worten und militärischer Realität. Er forderte die Verbündeten eindringlich auf, die Luftverteidigung Kiews zu verstärken – die Bestände an Abfangraketen seien kritisch niedrig. Die Angriffe richteten schwere Schäden an der zivilen Infrastruktur an: 14 Hochhäuser, ein Wohnheim, eine Schule, eine Klinik und Lagerhallen wurden getroffen.
Diplomatie und Eskalation im Widerspruch
Während das russische Verteidigungsministerium erklärte, militärische und logistische Ziele in Kiew, der Region sowie im Schwarzmeerhafen Tschornomorsk getroffen zu haben, reagierte das benachbarte Polen mit präventiven Sicherheitsmaßnahmen. Am Flughafen Lublin wurde der Flugbetrieb vorübergehend eingestellt. Parallel dazu meldete Russland ukrainische Drohnenangriffe auf zivile Infrastruktur in der Region Saratow, wo sich unter anderem eine große Ölraffinerie von Rosneft befindet.
Trotz der militärischen Eskalation bewertete Präsident Selenskyj die Gespräche mit den US-Gesandten als konstruktiv. Die von Kushner und Witkoff präsentierten Vorschläge bezeichnete er als „anständige und lohnende Ideen", ohne Details zu nennen – man habe vereinbart, zunächst intern an den Konzepten zu arbeiten. Ein Durchbruch zur Beendigung des seit viereinhalb Jahren andauernden Krieges blieb jedoch aus. Die Positionen beider Seiten, insbesondere hinsichtlich des Status der besetzten Gebiete im Donbas, liegen weiterhin weit auseinander.
Selenskyj kündigt Beratungen mit Trump an
Selenskyj betonte seine Dankbarkeit für die US-Bemühungen und kündigte an, im weiteren Verlauf des Septembers mit US-Präsident Donald Trump über ein Unterstützungspaket für die Luftverteidigung im Winter beraten zu wollen. Zudem seien weitere Treffen mit Vertretern der USA und Europas geplant, um eine trilaterale Verhandlungsrunde vorzubereiten. Als mögliche Austragungsorte nannte er die Türkei, die Vereinigten Arabischen Emirate oder die Schweiz.
Im Fokus der Verhandlungen sollen Getreideexporte, die Energieinfrastruktur und der Austausch von Kriegsgefangenen stehen. Selenskyj bekräftigte die ukrainische Bereitschaft zu Kompromissen, betonte jedoch, dass es nun vor allem auf konkrete Ergebnisse ankomme. Die kommenden Wochen dürften damit zeigen, ob der diplomatische Vorstoß der USA – trotz der erneuten Eskalation – den Grundstein für ernsthafte Gespräche legen kann.
