Jefferies: Aker BP Top-Öl-Pick 2026, Energean abgestuft
Analysten setzen auf norwegischen Produzenten wegen Produktionswachstum, während israelisches Unternehmen enttäuscht

Das US-Analysehaus Jefferies hat seine Einschätzungen für europäische Öl- und Gasproduzenten für 2026 deutlich angepasst. Während der norwegische Konzern Aker BP zur Top-Empfehlung gekürt wurde, musste Energean eine Herabstufung auf "Underperform" hinnehmen. Die Analysten erwarten für das kommende Jahr eine stark auseinanderlaufende Aktienperformance, die vor allem von unternehmensspezifischen Faktoren abhängen wird.
Jefferies stellte in seiner am Mittwoch veröffentlichten Studie fest, dass europäische Explorations- und Produktionsaktien derzeit bei durchschnittlich 92 Prozent des gesamten Nettoinventarwerts gehandelt werden. Dies entspricht einem Abschlag von 8 Prozent, wobei die Bewertungsunterschiede innerhalb des Sektors erheblich bleiben. Die Analysten gehen davon aus, dass nicht allgemeine Rohstofftrends, sondern die operative Leistung einzelner Unternehmen über Erfolg oder Misserfolg entscheiden wird.
Aker BP mit starkem Produktionswachstum
Für Aker BP bekräftigte Jefferies die "Kaufen"-Einstufung und erhöhte das Kursziel von 315 auf 330 norwegische Kronen. Der norwegische Produzent bleibt laut Analysten der Top-Pick im Sektor, gestützt durch organisches Produktionswachstum und verlässliche Dividendenausschüttungen. "Qualitätsnamen nutzen Aufwärtspotenzial und bieten Schutz vor Abwärtsrisiken", begründeten die Analysten ihre positive Einschätzung.
Auch der Konkurrent Vår Energi erhielt eine "Kaufen"-Einstufung mit unverändertem Kursziel von 40 norwegischen Kronen. Das Unternehmen bietet mit einer Dividendenrendite von etwa 14 Prozent attraktive Ausschüttungen. Allerdings bevorzugt Jefferies Aker BP aufgrund der stärkeren Produktionskatalysatoren. Die Fähigkeit von Vår Energi, das Produktionsziel von rund 400.000 Barrel Öläquivalent pro Tag im Jahr 2026 zu erreichen, hänge weiterhin von der Leistung des Balder-Feldes ab.
Energean mit Wachstumsproblemen
Eine deutliche Herabstufung traf Energean, das von "Halten" auf "Underperform" zurückgestuft wurde. Gleichzeitig senkte Jefferies das Kursziel von 930 auf 680 Pence. Als Gründe nannten die Analysten begrenztes Produktionswachstum und einen steigenden Verschuldungsgrad. Das Karish-Gasfeld habe zwar drei volle Produktionsjahre geliefert, doch die Prognose für 2026 von 5,2 bis 5,4 Milliarden Kubikmetern pro Jahr liege deutlich unter der erwarteten inländischen Gasnachfrage von mehr als 7 Milliarden Kubikmetern.
Besonders problematisch: Die Nettoverschuldung wird voraussichtlich von 2,5 Milliarden Dollar Ende 2022 auf 3,2 bis 3,3 Milliarden Dollar bis Ende 2026 ansteigen. "Eine Stagnation ist für die Produktionsaussichten nicht ausreichend", erklärte Jefferies. Dividendenzusagen und die Notwendigkeit des Schuldenabbaus könnten künftige Akquisitionen einschränken und damit das Wachstum weiter bremsen.
Britische Nordsee-Produzenten profitieren von Konsolidierung
Im Gegensatz dazu stufte Jefferies Tullow Oil von "Underperform" auf "Halten" hoch und erhöhte das Kursziel von 6 auf 7 Pence. Die Aktie hatte Anfang 2026 eine starke Erholung verzeichnet, nachdem sie 2025 deutlich underperformt hatte. Die jüngste Stärke des Ölpreises habe die Stimmung verbessert. Der Ausblick wird allerdings weiterhin von der Refinanzierung vorrangiger besicherter Anleihen in Höhe von rund 1,3 Milliarden Dollar dominiert, die im Mai 2026 fällig werden.
Für mehrere in Großbritannien notierte Produzenten bekräftigte Jefferies die "Kaufen"-Einstufungen, darunter Harbour Energy, Ithaca Energy, Serica Energy, EnQuest und Genel Energy. Das Kursziel für Harbour Energy wurde von 290 auf 295 Pence angehoben, während das Ziel für Serica von 230 auf 250 Pence stieg. Das Ziel für Ithaca Energy wurde zwar von 220 auf 210 Pence gesenkt, die "Kaufen"-Einstufung blieb jedoch unverändert.
Jefferies erklärte, dass die Konsolidierungsaktivitäten in der britischen Nordsee weiterhin Unternehmen mit klaren Akquisitionsstrategien zugutekommen. Die internationale Präsenz bleibe ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal. Das Analystenhaus hob auch die anhaltenden Kaufempfehlungen für International Petroleum Corp. und Kosmos Energy hervor und verwies auf die wachsende internationale LNG-Exposition dieser Unternehmen.
