Iran-Krieg belastet britische Wirtschaft: OECD senkt Wachstumsprognose
Großbritannien trifft es besonders hart: Die OECD korrigiert die Wachstumserwartungen stärker als bei jeder anderen großen Volkswirtschaft.

Die britische Wirtschaft spürt die ersten konkreten Folgen des Iran-Krieges. Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) senkte am Donnerstag die Wachstumsprognose für Großbritannien für 2026 stärker als für jede andere große Volkswirtschaft – ein deutliches Warnsignal für Regierung und Zentralbank.
Gleichzeitig hob die OECD die britische Inflationsprognose unter allen betrachteten Ländern am stärksten an. Damit geraten die politischen Entscheidungsträger in London in eine schwierige Lage: Steigende Preise einerseits, schwächeres Wachstum andererseits – eine klassische Stagflationsgefahr.
Sowohl die britische Regierung als auch die Bank of England erklärten bislang, es sei noch zu früh, um die wirtschaftlichen Auswirkungen des Konflikts umfassend zu beurteilen. Dennoch zeigen die ersten Daten, dass die Belastungen real sind und sich bereits in den makroökonomischen Prognosen niederschlagen.
Handlungsspielraum der Politik ist begrenzt
Die Situation ist besonders heikel, weil die Reaktionsmöglichkeiten der britischen Entscheidungsträger im Vergleich zu früheren Krisen eingeschränkt sind. Nach der Corona-Pandemie und der Energiepreiskrise der Jahre 2021 bis 2023 verfügt Großbritannien über weniger fiskalpolitischen Puffer als zuvor.
Die Bank of England steht vor einem klassischen Dilemma: Eine Zinssenkung zur Konjunkturstützung würde die ohnehin erhöhte Inflation weiter anheizen. Eine restriktive Geldpolitik hingegen könnte das Wachstum zusätzlich bremsen. Für deutsche Anleger und Beobachter ist die Entwicklung relevant, da Großbritannien trotz des Brexits ein wichtiger Handelspartner Deutschlands bleibt.
Die Analysten von Reuters – William Schomberg, Andy Bruce und James Davey – betonen, dass der düstere Ausblick der OECD die wirtschaftspolitischen Ziele der Londoner Regierung ernsthaft gefährdet. Wie schnell und entschlossen die Verantwortlichen reagieren, dürfte in den kommenden Wochen zu einem zentralen Thema auf den Finanzmärkten werden.
