EZB-Umfrage: Eurozone-Verbraucher senkten Inflationserwartungen vor Iran-Krieg
Vor Ausbruch des Konflikts sanken die Inflationserwartungen der Eurozone-Verbraucher auf 2,5 Prozent.

Die Verbraucher in der Eurozone haben ihre Inflationserwartungen kurz vor dem Ausbruch des US-israelischen Krieges gegen den Iran nach unten korrigiert. Dies zeigt eine am Freitag veröffentlichte Umfrage der Europäischen Zentralbank (EZB). Die Daten liefern damit einen letzten Blick auf die Stimmung vor einer tiefgreifenden Veränderung des wirtschaftlichen Umfelds.
Die Medianerwartungen für die Inflation in den kommenden zwölf Monaten sanken von 2,6 auf 2,5 Prozent. Für den Drei-Jahres-Horizont zeigte sich dieselbe Bewegung – ebenfalls ein Rückgang von 2,6 auf 2,5 Prozent. Die Fünf-Jahres-Erwartungen blieben unverändert bei 2,3 Prozent, wie aus der EZB-Umfrage zu den Konsumentenerwartungen hervorgeht.
Ein entscheidender Vorbehalt schränkt die Aussagekraft der Daten jedoch erheblich ein: Laut EZB wurden 97 Prozent der Umfrageantworten noch vor dem Ausbruch des Krieges am 28. Februar erhoben. Die erhobenen Werte spiegeln damit die Erwartungslage vor dem geopolitischen Schock wider – nicht die aktuelle Realität.
Drastisch veränderte Inflationsaussichten
Seit Kriegsausbruch hat die EZB ihre eigenen Inflationsprognosen deutlich nach oben angepasst. Steigende Energiepreise sind der Haupttreiber dieser Revision. Mehrere aktuelle Umfragen deuten zudem auf eine spürbare Verschlechterung der Verbrauchererwartungen hin.
In ihrem günstigsten Szenario rechnet die EZB nun damit, dass die Inflation ihren Höchststand bei über 3 Prozent erreichen wird. Die ungünstigen und schwerwiegenden Szenarien der Notenbank sehen deutlich höhere und länger anhaltende Preissteigerungen vor. Für deutsche Verbraucher, die ohnehin sensibel auf Inflation reagieren, dürften diese Aussichten besondere Relevanz haben.
Die EZB steht damit vor einer schwierigen geldpolitischen Abwägung: Einerseits gilt es, die Preisstabilität zu wahren, andererseits droht ein zu straffer geldpolitischer Kurs die ohnehin unter Druck stehende Konjunktur der Eurozone weiter zu belasten. Die kommenden Monate werden zeigen, wie sich Energiepreise und Verbrauchererwartungen tatsächlich entwickeln.
