Intel-Aktie nach 500%-Rally: Das nächste Nvidia?
Intels Aktie stieg in einem Jahr um fast 500% – doch rechtfertigen die Fundamentaldaten einen Vergleich mit dem KI-Giganten Nvidia?

Die Intel-Aktie (INTC) hat in den vergangenen zwölf Monaten eine spektakuläre Kursrally von fast 500% hingelegt. Ein Großteil dieser Gewinne entstand erst in den letzten Wochen, nachdem Intel starke Quartalszahlen vorlegte und Berichten zufolge eine vorläufige Vereinbarung zur Chipherstellung mit Apple getroffen hat. Die Aktie erreichte dabei ein neues 52-Wochen-Hoch bei knapp 130 US-Dollar.
Angesichts dieser Entwicklung stellt sich für viele Anleger eine naheliegende Frage: Könnte Intel das nächste Nvidia werden? Beide Unternehmen sind KI-verbundene Halbleitergiganten, beide werden in das Narrativ der generativen KI-Infrastruktur eingeordnet, und beide CEOs sprechen von mehrjährigen Plattformverschiebungen. Doch bei näherer Betrachtung zeigen sich erhebliche Unterschiede – sowohl im Geschäftsmodell als auch in der Bewertung.
Das optimistische Szenario hat durchaus Substanz
Hinter der Intel-Rally steckt mehr als bloßer Hype. Im ersten Quartal 2026 stieg der Umsatz des Chipherstellers im Jahresvergleich um 7% auf 13,6 Milliarden US-Dollar. Damit übertraf Intel den Mittelwert der eigenen Prognose um mehr als eine Milliarde Dollar – und das bereits zum sechsten Quartal in Folge. Der bereinigte Non-GAAP-Gewinn je Aktie lag bei 0,29 US-Dollar und übertraf damit deutlich die Managementprognose, die lediglich eine schwarze Null in Aussicht gestellt hatte.
Besonders stark entwickelte sich das Segment Datenzentren und KI. Der Segmentumsatz kletterte im ersten Quartal um 22% auf 5,1 Milliarden US-Dollar – eine deutliche Beschleunigung gegenüber dem Wachstum von 9% im vierten Quartal 2025. Auch die bereinigte Bruttomarge verbesserte sich von 39,2% auf 41%. Finanzvorstand David Zinsner sprach in der Ergebnispressemitteilung von der „wachsenden und wesentlichen Rolle der CPU in der KI-Ära und der beispiellosen Nachfrage nach Silizium".
Diese Einschätzung ist nicht ohne Grundlage. Da sich KI-Workloads zunehmend von trainingsintensiven Anwendungen hin zu Inferenz- und Agentensystemen verlagern, könnte das Verhältnis von GPUs zu CPUs in Rechenzentren sinken – was Intels Xeon-Prozessoren eine wichtigere Rolle verschaffen würde. Hinzu kommen strategische Signale: Nvidia vereinbarte im vergangenen Jahr, 5 Milliarden US-Dollar in Intel zu investieren und das Unternehmen für maßgeschneiderte Datenzentrum-CPUs zu nutzen. Intel ist zudem strategischer Partner in Elon Musks Terafab-Projekt neben SpaceX, xAI und Tesla. Die US-Regierung hält außerdem einen Anteil von rund 10% an Intel.
Aber Intel ist nicht Nvidia – die Zahlen sprechen eine klare Sprache
Ein direkter Vergleich mit Nvidia bleibt dennoch weit hergeholt. Im jüngsten Quartal von Nvidia sprang der Umsatz im Jahresvergleich um 73% auf 68,1 Milliarden US-Dollar. Allein der Datenzentrumsbereich erzielte dabei 62,3 Milliarden Dollar – fast das Fünffache des gesamten Quartalsumsatzes von Intel. Die Bruttomarge von Nvidia lag bei 75%, etwa doppelt so hoch wie die von Intel. Im Geschäftsjahr 2026 wuchs Nvidias Umsatz um 65% auf 215,9 Milliarden US-Dollar.
Intels Jahrsumsatz 2025 betrug dagegen rund 52,9 Milliarden US-Dollar – im Jahresvergleich im Wesentlichen unverändert. Noch deutlicher werden die Unterschiede bei der Rentabilität: Das Foundry-Segment von Intel verzeichnete im ersten Quartal einen operativen Verlust von 2,4 Milliarden US-Dollar, der bereinigte freie Cashflow lag bei etwa minus 2 Milliarden Dollar. Nvidia hingegen erzielte allein im jüngsten Quartal einen Nettogewinn von tatsächlich 43 Milliarden US-Dollar.
Auch die Bewertung gibt Anlass zur Vorsicht. Die Intel-Aktie notiert bei rund 125 US-Dollar – etwa sechsmal so hoch wie noch vor einem Jahr – bei einer Marktkapitalisierung von über 600 Milliarden US-Dollar. Das erwartete Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) liegt bei rund 140. Für ein Unternehmen, das weiterhin massiv in den Kapazitätsausbau investiert und im Foundry-Bereich tiefrote Zahlen schreibt, ist das eine ambitionierte Bewertung.
Für deutsche Privatanleger bleibt die Lage damit zweischneidig: Die operativen Fortschritte von Intel sind real und die strategischen Partnerschaften vielversprechend. Doch die aktuelle Bewertung preist bereits ein sehr optimistisches Szenario ein – und der Abstand zu Nvidia in puncto Wachstum, Marge und Profitabilität ist nach wie vor enorm.
