Inflation in der Türkei sinkt weiter
Zinsentscheidungen und Mindestlohnanpassung beeinflussen wirtschaftliche Entwicklungen und Kaufkraft

Die Inflationsrate in der Türkei ist im Dezember 2024 den siebten Monat in Folge gesunken. Nach Angaben des türkischen Statistikamts betrug die Teuerungsrate im Vergleich zum Vorjahresmonat 44,3 Prozent, während sie im November noch bei 47,1 Prozent lag. Seit Mai 2024 wird ein schrittweiser Rückgang der Verbraucherpreise verzeichnet. Dennoch fällt der Rückgang langsamer aus als prognostiziert.
Die Türkei kämpft seit Jahren mit einer außergewöhnlich hohen Inflation, die seit fast fünf Jahren kontinuierlich im zweistelligen Bereich liegt. Im Jahr 2023 erreichte die Inflation zwischenzeitlich 85 Prozent, fiel jedoch bis Juni desselben Jahres auf 38 Prozent. In der zweiten Jahreshälfte 2023 stieg sie erneut an und überschritt 75 Prozent. Seit Mai 2024 zeigt die Teuerungsrate nun eine allmähliche Abnahme.
Die Zentralbank der Türkei reagierte auf die langanhaltend hohe Inflation mit einer strikten Geldpolitik, die drastische Zinserhöhungen beinhaltete. Über Monate hinweg wurde der Leitzins bei 50 Prozent gehalten. Erst in der vergangenen Woche senkte die Zentralbank den Zinssatz leicht auf 47,5 Prozent. Gleichzeitig ließ sie offen, welche weiteren Maßnahmen künftig ergriffen werden könnten. Entscheidungen sollen von Sitzung zu Sitzung getroffen werden, um die Entwicklungen zu berücksichtigen.
Zur Stärkung der Kaufkraft wurde der Mindestlohn zu Jahresbeginn deutlich erhöht. Ab dem 1. Januar 2025 stieg er von 17.000 Lira auf 22.104 Lira, was einem Anstieg von 30 Prozent entspricht. Dieser Schritt soll die Belastungen durch die hohe Inflation für die Bevölkerung abmildern. Analysten weisen jedoch darauf hin, dass diese Maßnahme das Risiko birgt, die Inflation erneut anzutreiben.
Die türkische Wirtschaft befindet sich trotz der wirtschaftlichen Herausforderungen auf einem Wachstumskurs. Die Inlandsnachfrage wird als treibende Kraft für das Wirtschaftswachstum angesehen, welches im Jahr 2024 eine Rate von 2,4 Prozent erreichte. Die Zukunftsperspektiven bleiben jedoch von den weiteren geldpolitischen Entscheidungen der Zentralbank und der Inflationsentwicklung abhängig.
Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan hatte lange Zeit eine lockere Geldpolitik bevorzugt, trotz der extremen Inflationsraten. Die nun beobachtete leichte Entspannung bei der Inflation könnte der Zentralbank mehr Spielraum für weitere Zinssenkungen bieten, wobei der Fokus weiterhin auf einer umsichtigen und situationsangepassten Vorgehensweise liegt.
