Handel mit USA vor neuen Herausforderungen
Protektionismus, Zölle und digitale Souveränität als zentrale Themen der deutschen Wirtschaft

Die deutsche Wirtschaft steht vor Herausforderungen, da Donald Trump in wenigen Wochen seine zweite Amtszeit als Präsident der Vereinigten Staaten antritt. Die Deutsche Industrie- und Handelskammer (DIHK) rechnet mit verstärktem Protektionismus und höheren Handelshürden, die den transatlantischen Handel erheblich erschweren könnten. Laut DIHK-Präsident Peter Adrian sind die USA der wichtigste Exportmarkt für Deutschland, mit einem Handelsvolumen von fast 136 Milliarden Euro allein von Januar bis Oktober 2024. Das entspricht mehr als zehn Prozent der gesamten deutschen Exporte. Die Aussicht auf neue Importzölle, insbesondere auf Waren aus der Europäischen Union und China, wird als potenziell schwerer Rückschlag für die deutsche Wirtschaft bewertet.
Auch der Digitalverband Bitkom äußerte Besorgnis über die Auswirkungen von Trumps Wahlsieg. Eine Umfrage unter 329 Unternehmen der Digitalbranche zeigt, dass 79 Prozent der Befragten das Vertrauen in die USA geschwächt oder zerstört sehen. Zudem gehen 78 Prozent davon aus, dass die neue Präsidentschaft deutschen Unternehmen schaden wird. Bitkom-Präsident Ralf Wintergerst betonte die Notwendigkeit, Deutschland technologisch und wirtschaftlich unabhängiger aufzustellen, um die digitale Souveränität zu stärken und international wettbewerbsfähig zu bleiben.
Der Bundesverband Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen (BGA) versucht hingegen, Panik zu vermeiden. Präsident Dirk Jandura sieht in Trump einen Verhandler, der mit drastischen Ankündigungen oft Verhandlungsmasse schafft. Dennoch betont er die Risiken von Strafzöllen und einem möglichen Handelskrieg zwischen den USA und China, die die exportorientierte deutsche Wirtschaft hart treffen könnten. Jandura fordert eine geeinte EU, die auf Freihandel und die Erschließung neuer Märkte setzt, um Abhängigkeiten zu reduzieren.
Auch der Verband der Familienunternehmer plädiert für eine Diversifikation der Handelsbeziehungen und die Stärkung der transatlantischen Partnerschaft. Verbandspräsidentin Marie-Christine Ostermann schlägt vor, gemeinsame Interessen Europas und der USA, insbesondere im Hinblick auf China, zu identifizieren und zu nutzen. Zugleich ruft sie zu engerer Zusammenarbeit innerhalb der EU auf, um eine strategische Positionierung in einer zunehmend fragmentierten globalen Handelslandschaft zu ermöglichen.
