Indien und Russland verhandeln Abkommen über kritische Mineralien
Beide Länder sind in fortgeschrittenen Gesprächen – ein Vorabkommen zu Lithium und Seltenen Erden könnte in zwei Monaten unterzeichnet werden.

Indien und Russland stehen kurz vor dem Abschluss eines Vorabkommens über kritische Mineralien. Wie zwei mit der Angelegenheit vertraute Quellen berichten, umfassen die Gespräche die Bereiche Exploration, Verarbeitung und technologische Zusammenarbeit. Die Vereinbarung könnte bereits innerhalb von zwei Monaten unterzeichnet werden.
Im Mittelpunkt des geplanten Abkommens stehen Lithium und Seltene Erden – Rohstoffe, die für die Energiewende und den Infrastrukturausbau als unverzichtbar gelten. Beide Regierungen wollen zudem Unternehmensinvestitionen erleichtern, so die Quellen, die anonym bleiben wollten, da die Beratungen nicht öffentlich sind. „Wir haben unseren russischen Partnern einen Entwurf des vorgeschlagenen Abkommens übermittelt", sagte eine der Quellen.
Das indische Bergbauministerium, das die Gespräche mit Russland leitet, reagierte nicht auf eine Anfrage von Reuters. Auch das russische Ministerium für Industrie und Handel sowie das Büro des ersten stellvertretenden Ministerpräsidenten Denis Manturow ließen entsprechende Anfragen unbeantwortet.
Indiens Strategie zur Rohstoffsicherung
Hinter den Verhandlungen steckt eine klare strategische Absicht: Indien will seine starke Abhängigkeit von China reduzieren, das die weltweite Versorgung mit mehreren Schlüsselmineralien dominiert und über fortschrittliche Bergbau- und Verarbeitungstechnologien verfügt. Gleichzeitig sucht Neu-Delhi aktiv nach neuen Lieferquellen im Ausland, um die eigene Energiewende und den Infrastrukturausbau zu unterstützen.
Indien hat in den vergangenen Jahren bereits Abkommen über kritische Mineralien mit Argentinien, Australien und Japan unterzeichnet. Zudem laufen Gespräche mit Peru und Chile über umfassendere bilaterale Vereinbarungen, die ebenfalls kritische Mineralien einschließen. In diesem Jahr wurden darüber hinaus Abkommen mit Deutschland, Brasilien und Kanada geschlossen, um den Zugang zu Technologien und Partnerschaften zu stärken.
Der bisherige Erfolg bei der Sicherung konkreter Rohstoffvorkommen im Ausland ist jedoch begrenzt. Bislang hat Indien lediglich eine einzige Vereinbarung für ein Lithium-Explorations- und Bergbauprojekt unterzeichnet – dieses umfasst fünf Blöcke in Argentinien und wurde im Jahr 2024 abgeschlossen.
Mali-Projekt bleibt im Blick
Ein weiteres potenzielles Projekt könnte ebenfalls wieder auf den Tisch kommen: Indien prüft möglicherweise erneut das Lithium-Explorationsprojekt des russischen Staatskonzerns Rosatom in Mali. Voraussetzung dafür ist laut einer der Quellen eine Stabilisierung der politischen Lage in dem westafrikanischen Land. Anfang dieses Jahres hatte Reuters berichtet, dass Indien sich aufgrund von Sicherheitsbedenken aus dem Projekt in Mali zurückgezogen hatte.
Im Jahr 2023 hatte die indische Regierung mehr als 20 Mineralien, darunter Lithium, offiziell als kritisch eingestuft. Diese Rohstoffe gelten als essenziell für die Energiewende sowie für die steigende Nachfrage in Industrie und Infrastruktur. Das geplante Abkommen mit Russland wäre damit ein weiterer Baustein in Indiens wachsender Rohstoffdiplomatie – und ein Signal, dass Neu-Delhi seine Versorgungssicherheit mit Nachdruck vorantreibt.
