EU im Wettlauf um kritische Rohstoffe: Rückstand gegenüber China wächst
Eine Antimon-Mine in der Slowakei wird zum Lackmustest für Europas Unabhängigkeit von chinesischen Rohstofflieferungen.

Die Europäische Union steht vor einer wachsenden Herausforderung: Bei kritischen Mineralien wie Antimon gelingt es den EU-Staaten offenbar nicht, das notwendige Kapital aufzubringen, um sich aus der Abhängigkeit von China zu lösen. Ein konkretes Beispiel dafür liefert ein Bergbauprojekt in der Slowakei, das die Dringlichkeit dieser Situation verdeutlicht.
Das sogenannte Trojarova-Projekt liegt in den Kleinen Karpaten, einem bewaldeten Hügelzug nahe der slowakischen Hauptstadt Bratislava. Sowjetische Ingenieure entdeckten dort in den 1980er Jahren erstmals ein reiches Antimon-Vorkommen. Die Lagerstätte stammt damit noch aus der Ära des Kalten Krieges und rückt nun wieder in den Fokus – diesmal als strategische Ressource für Europa.
Kanadisches Unternehmen sieht Chance für Europa
Eigentümer des Projekts ist die in Kanada ansässige Military Metals Corp. Das Unternehmen präsentiert die Anlage als seltene Gelegenheit für Europa, sich den Zugang zu einem Metall zu sichern, das in militärischer Ausrüstung Verwendung findet. Antimon gilt als kritischer Rohstoff, da er in verschiedenen Rüstungsanwendungen eingesetzt wird und gleichzeitig nur in wenigen Regionen der Welt in nennenswerten Mengen vorkommt.
Antimon ist vielen deutschen Privatanlegern und Verbrauchern weniger geläufig als etwa Lithium oder Kobalt. Dabei ist das Metall für die Verteidigungsindustrie von erheblicher Bedeutung. China dominiert die globale Produktion und Verarbeitung dieses Rohstoffs – eine Abhängigkeit, die angesichts geopolitischer Spannungen zunehmend als Risiko wahrgenommen wird.
EU-Staaten scheitern am nötigen Kapital
Genau hier liegt das zentrale Problem: Laut dem Bericht von Mining Weekly sind die EU-Staaten bei entscheidenden Ressourcen wie Antimon nicht in der Lage, das erforderliche Kapital aufzubringen. Das Trojarova-Projekt in der Slowakei wird damit zum Lackmustest – also zur entscheidenden Bewährungsprobe – für die europäischen Ambitionen, die eigene Rohstoffversorgung zu sichern und die Abhängigkeit von China zu reduzieren.
Die EU hat in den vergangenen Jahren mit dem Critical Raw Materials Act (Gesetz über kritische Rohstoffe) regulatorische Weichen gestellt, um die heimische Förderung und Verarbeitung strategisch wichtiger Mineralien zu stärken. Doch zwischen politischen Zielvorgaben und der tatsächlichen Finanzierung von Projekten klafft offenbar eine erhebliche Lücke.
Das Beispiel der Kleinen Karpaten zeigt exemplarisch, wie Europa trotz vorhandener Rohstoffvorkommen im eigenen Hinterhof Schwierigkeiten hat, diese zu erschließen. Während China seine Rohstoffstrategie seit Jahrzehnten konsequent verfolgt und global Bergbauprojekte finanziert, ringt Europa noch um die passenden Instrumente und Mittel, um im Wettlauf um kritische Mineralien mithalten zu können.
