Indien-EU-Handelspakt vor Durchbruch – Chancen für Investoren
Indien und die EU stehen kurz vor dem Abschluss eines umfassenden Handelsabkommens. Das Abkommen könnte den Zugang zu Indiens 1,4 Milliarden Verbrauchern öffnen und die globalen Handelsströme neu gestalten.

Indien und die Europäische Union stehen unmittelbar vor dem Abschluss eines seit Jahren verhandelten Handelsabkommens. Nach Angaben des indischen Handelsministeriums könnten die Verhandlungen noch vor dem Gipfeltreffen der Staats- und Regierungschefs Ende Januar in Neu-Delhi abgeschlossen werden.
Der bilaterale Handel zwischen Indien und der EU belief sich 2024 auf 120 Milliarden Euro, womit die EU Indiens größter Handelspartner ist. Das geplante Abkommen würde Indiens stark geschützten Verbrauchermarkt von über 1,4 Milliarden Menschen für europäische Waren öffnen und könnte die globalen Handelsströme erheblich verändern.
Geopolitischer Kontext und Timing
Das Abkommen wird als strategische Chance gesehen, die wirtschaftliche Abhängigkeit beider Seiten von China und Russland zu verringern. Die Verhandlungen gewannen zusätzliche Dynamik, nachdem US-Präsident Donald Trump Zollerhöhungen gegen verschiedene Handelspartner, einschließlich Indien, verhängt hatte.
Der Präsident des Europäischen Rates, Antonio Costa, und EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen werden Indien vom 25. bis 27. Januar besuchen. Am 27. Januar ist ein gemeinsamer Indien-EU-Gipfel geplant, bei dem möglicherweise das Abkommen unterzeichnet werden könnte.
Kernpunkte der Verhandlungen
Die EU drängt auf drastische Zollsenkungen bei Automobilen, medizinischen Geräten, Wein, Spirituosen und Fleisch. Zudem fordert Brüssel strengere Regeln für geistiges Eigentum. Indien hingegen strebt zollfreien Zugang für arbeitsintensive Güter und eine schnellere Anerkennung seiner Automobil- und Elektroniksektoren an.
Sensible landwirtschaftliche Produkte wurden von den Verhandlungen ausgeschlossen. Indien hat klargestellt, dass es seine Agrar- und Milchwirtschaftssektoren in keinem Handelsabkommen öffnen wird, um Millionen von Kleinbauern zu schützen.
Über Warenhandel hinaus
Das geplante Abkommen soll weit über den reinen Warenhandel hinausgehen. Es umfasst den Dienstleistungshandel, Investitionen und die Zusammenarbeit in den Bereichen digitaler Handel, geistiges Eigentum und grüne Technologien. Besonders europäische Investitionen in die indische Fertigungsindustrie, erneuerbare Energien und Infrastruktur sollen gefördert werden.
Verbleibende Herausforderungen
Trotz der Fortschritte bestehen weiterhin Herausforderungen. Die CO2-Grenzausgleichsabgabe der EU, die Importeure verpflichtet, Emissionen bei Stahl, Zement und anderen kohlenstoffintensiven Produkten zu berücksichtigen, belastet bereits einige indische Exporte und ist ein zentrales Anliegen Neu-Delhis.
Die regulatorische Angleichung und der Schutz sensibler Sektoren bleiben weitere Knackpunkte in den Verhandlungen. Dennoch sind beide Seiten optimistisch, nach der Wiederaufnahme der Gespräche 2022 nun einen Durchbruch zu erzielen.
US-Handelsgespräche weiterhin stockend
Während die EU-Verhandlungen vor dem Abschluss stehen, gestalten sich die Handelsgespräche zwischen Indien und den USA weiterhin schwierig. Die Verhandlungen waren im vergangenen Jahr nach einer Kommunikationsstörung zwischen beiden Regierungen gescheitert. Laut indischem Handelsministerium werden die Gespräche fortgesetzt, ein Abschluss sei jedoch erst möglich, wenn beide Seiten bereit seien.
Das potenzielle EU-Indien-Abkommen könnte ein wichtiges Signal setzen und zeigen, dass multilaterale Handelsabkommen auch in Zeiten zunehmenden Protektionismus möglich sind.
