Indien vor Durchbruch: EU-Handelsabkommen könnte noch im Januar stehen
Indien und die EU stehen kurz vor dem Abschluss eines historischen Handelsabkommens. Das größte Abkommen in Indiens Geschichte könnte bereits beim Gipfeltreffen Ende Januar besiegelt werden.

Indien steht unmittelbar vor dem Abschluss eines umfassenden Handelsabkommens mit der Europäischen Union. Handelssekretär Rajesh Agrawal erklärte am Donnerstag, die Verhandlungen könnten noch im Januar finalisiert werden – möglicherweise rechtzeitig vor dem geplanten Indien-EU-Gipfel Ende des Monats. Für Neu-Delhi wäre dies das größte Handelsabkommen überhaupt.
Das Timing ist kein Zufall: Angesichts zunehmender Zolldrohungen aus den USA sucht Indien aktiv nach neuen Absatzmärkten. Die EU bietet sich als idealer Partner an – der bilaterale Handel zwischen beiden Wirtschaftsräumen belief sich 2024 bereits auf beeindruckende 120 Milliarden Euro. Damit ist die Europäische Union Indiens größter Handelspartner.
Gipfeltreffen als Zieldatum
Die zeitliche Planung ist ambitioniert: Vom 25. bis 27. Januar werden EU-Ratspräsident Antonio Costa und Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen nach Neu-Delhi reisen. Am 27. Januar ist ein gemeinsamer Gipfel mit Premierminister Narendra Modi geplant. Agrawal bestätigte, dass man prüfe, ob das Abkommen bereits zu diesem Termin unterzeichnet werden könne.
Die Verhandlungen laufen bereits seit Jahren, doch beide Seiten haben zuletzt deutlich Tempo aufgenommen. Von der Leyen und Modi hatten sich darauf verständigt, die Gespräche zu beschleunigen – mit sichtbarem Erfolg.
Riesiger Markt für europäische Unternehmen
Für europäische Exporteure würde das Abkommen eine enorme Chance bedeuten: Indiens Verbrauchermarkt umfasst mehr als 1,4 Milliarden Menschen und ist bislang stark geschützt. Ein umfassendes Handelsabkommen könnte hohe Zölle senken und deutschen sowie europäischen Unternehmen deutlich besseren Zugang verschaffen.
Die geopolitische Dimension ist nicht zu unterschätzen: Beide Seiten wollen ihre wirtschaftliche Abhängigkeit von China und Russland reduzieren. In Zeiten zunehmenden Protektionismus und unsicherer transatlantischer Handelsbeziehungen suchen EU und Indien nach verlässlichen Partnerschaften.
US-Gespräche weiter auf Eis
Weniger rosig sieht es bei den Handelsgesprächen mit den USA aus. Diese waren 2024 nach einer "Kommunikationsstörung" zwischen beiden Regierungen ins Stocken geraten. Agrawal erklärte lediglich, die Verhandlungen würden fortgesetzt und ein Abschluss angestrebt, "sobald beide Seiten bereit seien" – eine diplomatische Formulierung, die auf anhaltende Schwierigkeiten hindeutet.
Die unterschiedliche Dynamik in den Verhandlungen zeigt: Während die EU-Indien-Gespräche kurz vor dem Ziel stehen, bleibt ein US-indisches Abkommen vorerst Zukunftsmusik. Für die globalen Handelsströme könnte das EU-Indien-Abkommen dennoch zu einem Wendepunkt werden – insbesondere wenn der Protektionismus weiter zunimmt.
