IDB-Chef treibt 2,5-Milliarden-Kredit für Venezuela voran
IDB-Präsident Goldfajn treibt 2,5-Milliarden-Kredit für Venezuela voran – Verwaltungsrat zeigt sich skeptisch.

Die Interamerikanische Entwicklungsbank (IDB) steht vor einer richtungsweisenden Entscheidung: Bankchef Ilan Goldfajn treibt einen Kredit in Höhe von 2,5 Milliarden US-Dollar für Venezuela voran, stößt dabei jedoch auf erheblichen Widerstand im eigenen Verwaltungsrat. Das berichten zwei mit der Angelegenheit vertraute Quellen gegenüber Reuters.
Der Vorstoß des IDB-Präsidenten kommt zu einem Zeitpunkt, an dem sich die Beziehungen zwischen dem multilateralen Kreditgeber und dem südamerikanischen Land langsam wieder normalisieren. Die IDB hatte im Mai 2018 sämtliche Neukredite an Venezuela eingestellt, nachdem das Land mit seinen Zahlungen in Verzug geraten war. Seither floss kein neues Geld mehr aus Washington nach Caracas.
Hintergrund des Kreditvorhabens
Laut einer der Reuters-Quellen hat Goldfajn im Verwaltungsrat Bedenken geäußert, dass das geplante Kreditgeschäft ohne die übliche parallele Arbeit anderer multilateraler Geldgeber vorangetrieben wird. Dies ist insofern bemerkenswert, als der Rat grundsätzlich die Vorteile einer Wiederannäherung an Venezuela anerkennt. Der Konflikt entzündet sich offenbar weniger am Ob, sondern vielmehr am Wie der finanziellen Unterstützung.
Die IDB mit Hauptsitz in Washington ist eine der wichtigsten Entwicklungsbanken Lateinamerikas. Sie vergibt Kredite für Projekte in den Bereichen Infrastruktur, Bildung und Gesundheit. Für Venezuela, das seit Jahren unter einer schweren Wirtschaftskrise leidet, wäre ein neuer Kredit ein wichtiges Signal der internationalen Gemeinschaft.
Widerstand im Verwaltungsrat
Die genauen Gründe für den Widerstand einzelner Verwaltungsratsmitglieder sind nicht im Detail bekannt. Klar ist jedoch, dass die fehlende Beteiligung anderer multilateraler Geber wie der Weltbank oder des Internationalen Währungsfonds (IWF) als problematisch angesehen wird. Üblicherweise arbeiten die großen Entwicklungsbanken bei der Kreditvergabe an Krisenländer eng zusammen, um Risiken zu teilen und die Wirksamkeit der Maßnahmen zu erhöhen.
Der Fall Venezuela ist politisch besonders sensibel. Das Land steht seit Jahren im Fokus internationaler Kontroversen, und jede finanzielle Unterstützung wird genau beobachtet. Die IDB muss daher nicht nur wirtschaftliche, sondern auch politische Risiken abwägen.
Ausblick
Ob sich IDB-Präsident Goldfajn mit seinem Vorhaben durchsetzen kann, ist derzeit offen. Die Diskussionen im Verwaltungsrat dürften in den kommenden Wochen an Intensität zunehmen. Für Venezuela geht es um dringend benötigte Finanzmittel, für die IDB um die Frage, wie sie sich künftig gegenüber dem Land positionieren will.
Die Entscheidung könnte Signalwirkung für andere internationale Finanzinstitutionen haben. Sollte die IDB den Kredit gegen den Widerstand von Verwaltungsratsmitgliedern durchsetzen, wäre dies ein Präzedenzfall für die künftige Zusammenarbeit mit Venezuela.
