IBD 50 wird grundlegend überarbeitet: Fokus auf zwei Kernratings
Investor's Business Daily stellt seine IBD-50-Liste um und rückt Composite Rating und Relative Strength Rating in den Mittelpunkt.
Investor's Business Daily (IBD) hat eine Reihe umfassender Überarbeitungen an seiner IBD-50-Liste vorgenommen. Die Umstellung trat am Mittwoch in Kraft. Nach Angaben des amerikanischen Finanzmediums soll die neu strukturierte Liste Anlegern einen Screen an die Hand geben, der das Potenzial für eine deutlich verbesserte Performance im Bereich der Wachstumswerte bietet.
Im Zentrum der Neustrukturierung stehen zwei Bewertungsmaßstäbe: das Composite Rating und das Relative Strength Rating. Beide gehören zu den festen Bestandteilen des IBD-Bewertungssystems. Der Fokus der IBD-50-Liste verlagert sich damit vor allem auf diese beiden Kennzahlen, die bislang nur Teil eines breiteren Kriterienkatalogs waren.
Damit reagiert das Haus auf eine Entwicklung, die sich in den vergangenen Monaten bereits abgezeichnet hatte: IBD hatte sein Bewertungssystem mehrfach nachgeschärft und dabei sowohl die Aktienratings selbst als auch die Branchengruppierung überarbeitet. Die IBD-50-Liste ist eines der bekanntesten Screening-Instrumente der Publikation und wird von wachstumsorientierten Anlegern weltweit verfolgt.
Die Details
Die Änderungen betreffen ausschließlich die Zusammensetzung und Gewichtung innerhalb der IBD-50-Liste. Konkret rücken das Composite Rating und das Relative Strength Rating in den Vordergrund – zwei Kennzahlen, die IBD selbst als feste Bestandteile seines Bewertungssystems beschreibt. Welche Titel im Einzelnen von der Umstellung betroffen sind und wie viele Positionen die Liste künftig umfasst, geht aus der Mitteilung nicht hervor.
Klar ist der Zeitpunkt: Die Umstellung ist bereits wirksam, sie trat am Mittwoch in Kraft. Die Mitteilung von Investor's Business Daily wurde am 23. Oktober 2026 veröffentlicht. Einzelne Zahlen zur erwarteten Performance-Verbesserung nennt das Unternehmen nicht – die Rede ist lediglich von dem „Potenzial für deutlich verbesserte Performance“ bei Wachstumswerten.
Bemerkenswert ist der systematische Ansatz, den IBD verfolgt. Die Ratings des Hauses gelten in der Investmentbranche als wichtige Orientierungshilfe für private und institutionelle Anleger gleichermaßen. Sie basieren auf einer Kombination aus fundamentalen und technischen Kriterien und fließen in die bekannte CAN-SLIM-Methode ein, die IBD-Gründer William O'Neil entwickelt hat.
Hintergrund: Was bisher geschah
Die aktuelle Überarbeitung ist kein Einzelfall, sondern Teil einer längeren Reihe von Anpassungen. Bereits am 26.04.2026 berichtete aktien.news, dass Investor's Business Daily angekündigt habe, seine viel genutzten Aktienratings zu überarbeiten und zu verbessern. Schon damals galt: Die Bewertungssysteme von IBD sind in der Investmentbranche eine wichtige Orientierungshilfe für private und institutionelle Anleger.
Am selben Tag, dem 26.04.2026, meldete aktien.news eine zweite grundlegende Änderung: IBD überarbeitete sein System zur Gruppierung von Aktien und schuf 145 klar definierte Branchengruppen. Diese sollten Anlegern helfen, Kapitalflüsse im Markt schneller und präziser zu identifizieren. Das Unternehmen wurde von William J. O'Neil gegründet und ist vor allem für seine datengetriebene Analyse des Aktienmarkts bekannt.
Am 03.06.2026 berichtete aktien.news, dass Morgan Stanley einen bemerkenswerten Dreifacherfolg erzielt habe und zu den Highlights der damaligen Aktualisierung der IBD-Listen zählte. Insgesamt 17 vielversprechende Kandidaten wurden damals neu in die begehrten Screens aufgenommen – ein Zeichen dafür, dass der Markt selektive Stärke zeigte.
Am 13.06.2026 folgte die nächste Aktualisierung: IBD nahm insgesamt 15 neue Wachstumsaktien in seine wichtigsten Watchlists auf, angeführt von einem Elektronikhersteller. Betroffen waren die Listen IBD 50, IBD Big Cap 20, Sector Leaders, Stock Spotlight sowie IPO Leaders. In all diesen Listen werden nach IBD-Kriterien ausschließlich erstklassig bewertete Wachstumsaktien geführt – Unternehmen, die sowohl fundamental als auch charttechnisch überzeugen.
Was das für Anleger bedeutet
Für deutsche Privatanleger ist die Umstellung vor allem deshalb relevant, weil die IBD-Listen seit Jahren als Filter für wachstumsstarke US-Titel dienen. Wer sich bei der Auswahl amerikanischer Aktien an diesen Screens orientiert, arbeitet künftig mit einer Liste, die stärker auf zwei Kennzahlen ausgerichtet ist: das Composite Rating und das Relative Strength Rating.
Das kann die Trefferquote erhöhen, aber auch die Streuung verringern. Denn eine Konzentration auf wenige Kernkriterien bedeutet zugleich, dass andere Faktoren an Gewicht verlieren. Anleger sollten die IBD-50-Liste daher weiterhin als Ausgangspunkt für eigene Recherchen verstehen und nicht als fertige Kaufempfehlung. Eine solche Empfehlung spricht IBD in der Mitteilung auch nicht aus.
Hinzu kommt: Die IBD-Listen werden regelmäßig aktualisiert. Allein im Juni 2026 wurden 15 neue Wachstumsaktien aufgenommen, im Juni zuvor waren es 17 neue Kandidaten. Wer die Screens nutzt, muss also laufend nachprüfen, welche Titel aktuell enthalten sind und welche nicht.
Ausblick
Konkrete Termine für weitere Anpassungen nennt Investor's Business Daily in der Mitteilung nicht. Offen bleibt auch, ob die Umstellung der IBD-50-Liste Auswirkungen auf die übrigen Screens des Hauses hat – etwa auf IBD Big Cap 20, Sector Leaders, Stock Spotlight oder IPO Leaders. Diese Listen waren in der Vergangenheit mehrfach parallel aktualisiert worden.
Beobachten sollten Anleger, ob IBD in den kommenden Wochen Details zur neuen Zusammensetzung der IBD-50-Liste nachliefert. Bis dahin gilt: Die Umstellung ist in Kraft, die genauen Auswirkungen auf die Titelauswahl sind aber noch nicht im Einzelnen dokumentiert.
Kurz erklärt
- Composite Rating: Eine Gesamtbewertung, in der IBD mehrere fundamentale und technische Einzelkriterien zu einer Kennzahl zusammenfasst.
- Relative Strength Rating: Eine Kennzahl, die die Kursentwicklung einer Aktie ins Verhältnis zum Gesamtmarkt setzt.
- CAN SLIM: Eine von IBD-Gründer William O'Neil entwickelte Anlagemethode, die fundamentale und technische Kriterien kombiniert.
- Wachstumsaktien: Aktien von Unternehmen, deren Umsatz und Gewinn überdurchschnittlich stark wachsen und die deshalb höher bewertet werden.
