Hedgefonds mit gemischten Ergebnissen im September trotz KI-Schwankungen
Globale Hedgefonds verzeichneten im September ein gemischtes Bild: Fundamentale Fonds verloren, systematische Strategien legten deutlich zu.

Globale Hedgefonds verzeichneten im September ein gemischtes Ergebnis. Steigende Anleiherenditen, höhere Ölpreise und Kursschwankungen bei KI-Aktiven sorgten für Verkaufsdruck. Einige Strategien fuhren dennoch Gewinne ein, wie aus Notizen der Prime-Brokerage-Dienstleister und Investorenangaben hervorgeht. Die Nachrichtenagentur Reuters berichtete am 2. Oktober aus Hongkong und New York über die Zahlen.
Wie das Team für Prime Services von Goldman Sachs in einer Studie mitteilte, verloren globale fundamentale Equity-Long-Short-Fonds im vergangenen Monat durchschnittlich 0.55%. Dennoch übertrafen sie den MSCI World Index, der im September um 1.3% fiel. Der Vergleich zeigt, dass die aktiv gemanagten Fonds trotz eigener Verluste weniger stark abgaben als der breite Weltaktienmarkt.
Deutlich besser erging es computergesteuerten systematischen Equity-Long-Short-Fonds. Sie legten im vergangenen Monat um 3.46% zu und erreichten damit laut Goldman Sachs ihre beste monatliche Performance in diesem Jahr. Damit entwickelten sich die beiden großen Long-Short-Lager innerhalb eines Monats in entgegengesetzte Richtungen.
Die Details
Die Schlagzeilen der Zentralbanken dominierten den September. Die US-Notenbank Federal Reserve hob die Zinsen zum ersten Mal seit 2023 an und signalisierte weitere Zinserhöhungen in den kommenden Monaten. Der US-israelische Konflikt mit dem Iran trieb die Ölpreise in die Höhe und ließ die Renditen US-amerikanischer Staatsanleihen auf ein Zwei-Jahreszehnt-Hoch klettern.
Erwartungen eines Verlangsamungsprozesses bei den KI-Investitionen lösten zusätzlich Schwankungen in stark besetzten Technologiestellungen aus, die sich von den USA bis nach Südkorea zogen. Dies erschwerte kurzfristige Handelsaktivitäten erheblich. In den USA verkauften Hedgefonds im September die meisten Sektoren, doch innerhalb des Technologiesektors zeichnete sich eine Divergenz ab: Während elektronische Geräte und Hardware verkauft wurden, verzeichneten Halbleiterausrüstung und Software starke Zuflüsse, so Goldman Sachs.
In Asien begrenzte die wirtschaftliche Unsicherheit laut Morgan Stanley die Performance der Hedgefonds im September. Die Bank schätzte, dass asiatische Hedgefonds über verschiedene Strategien hinweg bis zum 25. September um 0.6% fielen, verglichen mit einem globalen Rückgang von 0.2%. Die asiatischen Fonds schnitten damit schwächer ab als der weltweite Durchschnitt.
Einige Strategien profitierten von den starken Bewegungen bei Rohstoffen und Zinssätzen. Der Pure Alpha-Makrofund von Bridgewater Associates erzielte in den ersten neun Monaten des Jahres eine Rendite von 18.4%, berichtete Reuters. Trendfolgende Hedgefonds gehörten im September zu den größten Gewinnern, wobei der Trendindex der Société Générale um mehr als 4% stieg. Laut Winton Group trieben vor allem Short-Positionen in festverzinslichen Wertpapieren und Long-Positionen im Energiesektor diesen Gewinn an.
Zu den im Quelltext genannten Einzelergebnissen zählt der Fonds Polymer Asia Multi-st, der im September 0.8% und im laufenden Jahr bis dato 11.3% erzielte.
Analysten sagten voraus, dass die Phase der Zinserhöhungen zu einer größeren Divergenz innerhalb der Hedgefonds-Branche führen könnte. „Einige profitieren direkt von den höheren kurzfristigen Zinsen, während andere mit höheren Finanzierungskosten konfrontiert sind, die die Renditen erheblich mindern können“, sagte Don Steinbrugge, CEO bei Agecroft Partners.
Hintergrund: Was bisher geschah
Bereits am 25.05.2026 berichtete aktien.news, dass Hedgefonds massiv in Technologieaktien investiert hatten. Laut einer Mitteilung von Goldman Sachs an Kunden griffen Spekulanten im Tech-Sektor so stark zu wie seit fast drei Monaten nicht mehr, wobei vor allem Halbleiter- und Chiphersteller im Fokus standen.
Am 05.06.2026 meldete aktien.news, dass Hedgefonds im Mai 2026 globale Benchmarks übertrafen. Stock-Picking-Hedgefonds erzielten laut einer Goldman-Sachs-Mitteilung eine Rendite von 5,35%, während der MSCI Total Return Index im gleichen Zeitraum ein Plus von 4,55% verzeichnete. Der S&P 500 beendete den Mai mit dem neunten Wochengewinn in Folge.
Am 10.07.2026 berichtete aktien.news über eine KI-Handelswende: Seit dem 22. Juni hatten Hedgefonds erhebliche Verluste bei Long-Short-Strategien verbucht. Besonders hart traf es systematische Manager, die einen Rückgang von 3,6% verzeichneten – den schlimmsten Drawdown seit dem Sommer 2025. Diese Verluste machten rund ein Viertel der diesjährigen Gewinne dieser Fondsgruppe zunichte.
Am 23.09.2026 beschrieb aktien.news die globalen Märkte im Spannungsfeld von Geopolitik, KI-Boom und US-Druck. Ein komplexes Zusammenspiel aus geopolitischen Spannungen im Nahen Osten, einer sich abkühlenden Euphorie im KI-Sektor und innenpolitischem Druck in den USA prägte das Geschehen. Am Rande der UN-Generalversammlung in New York sorgten indirekte Gespräche zwischen den USA und dem Iran für vorsichtigen Optimismus; US-Präsident Donald Trump berichtete von „produktiven Treffen“ durch katarische Vermittler, während der Iran im Gegenzug ein Ende der US-Sanktionen forderte.
Was das für Anleger bedeutet
Für deutsche Privatanleger zeigt der September, dass Hedgefonds keine homogene Anlageklasse sind. Während fundamentale Long-Short-Fonds mit 0.55% im Minus lagen, verbuchten systematische Strategien ein Plus von 3.46%. Wer in Fonds mit unterschiedlichen Ansätzen investiert ist, konnte also sehr unterschiedliche Ergebnisse erleben.
Bemerkenswert ist der Vergleich zum breiten Markt: Der MSCI World Index fiel um 1.3%, während die fundamentalen Long-Short-Fonds mit 0.55% weniger stark verloren. Gleichzeitig belasteten höhere Ölpreise und ein Zwei-Jahreszehnt-Hoch bei US-Staatsanleiherenditen die Rahmenbedingungen. Die zuletzt beobachtete KI-Euphorie, über die aktien.news im Mai und Juni berichtet hatte, ist im September einer Phase der Schwankungen gewichen.
Ausblick
Die US-Notenbank hat weitere Zinserhöhungen in den kommenden Monaten signalisiert. Analysten erwarten, dass die Phase der Zinserhöhungen zu einer größeren Divergenz innerhalb der Hedgefonds-Branche führen könnte. Laut Don Steinbrugge von Agecroft Partners werden einige Fonds direkt von höheren kurzfristigen Zinsen profitieren, während andere mit höheren Finanzierungskosten konfrontiert sind, die die Renditen erheblich mindern können.
Kurz erklärt
- Long-Short-Strategie: Ein Ansatz, bei dem Fonds gleichzeitig auf steigende und fallende Kurse von Wertpapieren setzen.
- Prime Brokerage: Dienstleistungsbereich von Großbanken, der Hedgefonds mit Handelsabwicklung, Finanzierung und Daten versorgt.
- Systematische Fonds: Fonds, die regelbasierte und computergestützte Handelsstrategien einsetzen, statt auf diskretionäre Einzelentscheidungen zu setzen.
- Anleiherendite: Die Rendite, die Anleger mit dem Halten einer Anleihe erzielen; steigende Renditen bedeuten fallende Anleihekurse.
