Goldpreise steigen nach mehrmonatigem Tiefpunkt deutlich an
Fed-Signale, US-Daten und geopolitische Risiken bewegen die Edelmetallmärkte

Die Goldpreise sind am Donnerstag um mehr als ein Prozent gestiegen und haben sich damit von einem Ein-Monats-Tief erholt. Dies geschah, nachdem die US-Notenbank Federal Reserve Signale für eine schrittweise Lockerung der Geldpolitik im nächsten Jahr gegeben hatte. Gleichzeitig warten Anleger auf weitere Daten, um den Zustand der Wirtschaft genauer einzuschätzen. Um 9:45 Uhr GMT verzeichnete Spotgold einen Anstieg von 1,3 Prozent auf 2.620,08 US-Dollar pro Unze, nachdem es zuvor den niedrigsten Stand seit dem 18. November erreicht hatte. Die US-Gold-Futures gaben hingegen um 0,8 Prozent auf 2.633,20 US-Dollar nach.
Die Märkte reagierten zunächst negativ auf die Ankündigung von Fed-Chef Jerome Powell, dass im nächsten Jahr weniger Zinssenkungen geplant seien. Diese Entwicklung wurde jedoch bald als im Einklang mit den jüngsten Erwartungen erkannt, wie die Analystin Rhona O'Connell von StoneX erklärte. Der am Mittwoch veröffentlichte „Dot Plot“ der Fed prognostiziert zwei Zinssenkungen um je 0,25 Prozentpunkte im kommenden Jahr, was den aktuellen Trends an den Terminmärkten entspricht. Powell betonte außerdem, dass eine Zinserhöhung derzeit unwahrscheinlich sei, da die Notenbank weiterhin auf ihr Inflationsziel von zwei Prozent hinarbeite.
Im Fokus stehen nun die bevorstehenden Veröffentlichungen wichtiger US-Daten. Dazu gehören unter anderem das Bruttoinlandsprodukt und die Anträge auf Arbeitslosenunterstützung, die noch am selben Tag erwartet werden. Am Freitag folgt zudem der Kernindex der persönlichen Konsumausgaben (PCE), der als bevorzugter Inflationsindikator der Fed gilt.
Carsten Menke, Analyst bei Julius Baer, wies darauf hin, dass der jüngste Kursverlust von Gold erneut zeige, dass das Edelmetall nicht unbedingt als Inflationsschutz fungiert. Dennoch habe es durch die drohende Abschaltung der US-Regierung wieder an Boden gewonnen. Die Bemühungen des gewählten US-Präsidenten Donald Trump, den Kongress vor seiner Amtseinführung zu beeinflussen, könnten Bemühungen zur Vermeidung eines Regierungsstillstands erschweren. Ein solcher Stillstand könnte unter anderem den Flugverkehr und die Strafverfolgung kurz vor den Weihnachtsferien beeinträchtigen.
Während Gold als sichere Anlageoption in wirtschaftlichen und geopolitischen Krisenzeiten gilt, sind die Aussichten für das Edelmetall mittelfristig durch mögliche Gegenwinde geprägt, so Menke. Anderswo blieb der Leitzins der Bank of Japan unverändert, doch eine abweichende Stimme für höhere Kreditkosten deutet auf eine potenzielle Straffung der Geldpolitik im kommenden Jahr hin.
Auch andere Edelmetalle legten zu. Der Preis für Silber stieg um 0,8 Prozent auf 29,58 US-Dollar pro Unze, Platin gewann 0,9 Prozent auf 927,40 US-Dollar und Palladium verzeichnete einen Anstieg von 1,8 Prozent auf 918,74 US-Dollar.
