Goldpreis 2027: Fed-Zinserhöhungen bremsen Aufwärtstrend nur laut Goldman
Goldman Sachs sieht Gold bei 5.400 Dollar trotz Fed-Zinserhöhungen – Zentralbankkäufe als Treiber.

Die US-Investmentbank Goldman Sachs bleibt trotz der jüngsten Zinserhöhung der US-Notenbank Federal Reserve (Fed) optimistisch für den Goldpreis. In einer am Freitag veröffentlichten Analyse bekräftigt die Bank ihre Prognose von 5.400 Dollar pro Feinunze bis Ende 2027.
Die Analystin Lina Thomas erwartet, dass die Zinserhöhungen der Fed den Aufwärtstrend bei Gold lediglich verlangsamen, nicht aber stoppen werden. Dies gelte auch vor dem Hintergrund, dass Ökonomen mit einer weiteren Zinsanhebung im Oktober rechnen.
Gold-ETFs unter Druck, aber strukturelle Treiber intakt
Höhere Zinssätze belasten kurzfristig die Nachfrage nach Gold über börsengehandelte Fonds (ETFs). Thomas räumt ein, dass dieser Effekt weiterhin spürbar sei. Allerdings geht Goldman Sachs davon aus, dass die Fed zwischen September 2027 und März 2028 insgesamt drei Zinssenkungen vornehmen wird. Der Endzins bliebe damit unverändert.
„Die Auswirkung der restriktiveren Geldpolitik wird primär über einen langsameren kurzfristigen Aufwertungsverlauf spürbar sein, anstatt zu einem niedrigeren Endpreis für Gold zu führen“, erklärte Thomas.
Die Bank senkte ihre kurzfristige Fair-Value-Schätzung für das Jahresende auf 4.650 Dollar pro Unze, nach zuvor 4.900 Dollar. Dies liegt jedoch weiterhin deutlich über dem aktuellen Spotpreis von rund 4.350 Dollar. Ein Großteil der restriktiven Geldpolitik sei bereits in der ETF-Nachfrage eingepreist.
Zentralbanken als wichtigster Treiber
Der Kauf von Gold durch Zentralbanken bleibt laut Goldman Sachs der wichtigste strukturelle Treiber für den Edelmetallpreis. Die Käufe tragen nahezu vollständig zur erwarteten Aufwertung von 23 Prozent bis Ende 2027 bei. Aktuell liegen die monatlichen Zentralbankkäufe bei etwa 91 Tonnen – ein Vielfaches des Durchschnitts von 17 Tonnen vor 2022.
Thomas erwartet, dass Gold „kurzfristig weiter leicht ansteigt“. Die stärker als erwarteten Käufe durch Zentralbanken würden den verbleibenden negativen Effekt höherer Zinsen ausgleichen.
Risiken bleiben nach oben gerichtet
Die Risiken für den Goldpreis sind laut Goldman Sachs weiterhin zugunsten eines höheren Kurses verzerrt. Die Nachfrage nach Call-Optionen auf Gold als Absicherung gegen makropolitische Risiken bleibe robust. Allerdings warnte Thomas vor einer erhöhten beidseitigen Volatilität.
„Umgekehrt könnte ein deutlich restriktiverer Kurs der Fed zu einer schärferen als üblichen Korrektur führen“, so die Analystin. Anleger sollten daher die geldpolitischen Entscheidungen der Fed genau im Blick behalten.
Für deutsche Privatanleger bleibt Gold damit ein wichtiger Baustein zur Diversifikation, auch wenn kurzfristige Kursschwankungen nicht ausgeschlossen werden können. Die langfristige Perspektive der Goldman-Analysten fällt mit Blick auf das Jahresende 2027 jedoch klar positiv aus.
