Goldminen: Sprott sieht deutliche Bewertungslücke trotz stark steigender Gewinne
Der NYSE Arca Gold Miners Index notierte am 30. September mit dem 5,7-fachen der erwarteten operativen Ergebnisse – rund 22 Prozent unter dem Durchschnitt.

Goldproduzenten erhalten von den Anlegern derzeit nicht die volle Anerkennung für ihre gestiegenen Gewinne und die strengere Disziplin bei den Ausgaben. Diese Einschätzung vertritt der auf Rohstoffe spezialisierte Vermögensverwalter Sprott Asset Management. Die Zurückhaltung des Marktes lässt sich an der Bewertung des NYSE Arca Gold Miners Index ablesen, dem Referenzindex für die größten börsennotierten Goldförderunternehmen.
Der Index notierte zum 30. September mit dem 5,7-fachen der erwarteten operativen Ergebnisse. Nach der Berechnung von Sprott liegt dieses Niveau rund 22 Prozent unter seinem Durchschnitt. Aus Sicht des Vermögensverwalters klafft damit eine sichtbare Lücke zwischen der operativen Entwicklung der Unternehmen und dem, was die Börse dafür derzeit zu zahlen bereit ist.
Im Kern geht es um zwei Entwicklungen, die nach Darstellung von Sprott bislang nicht vollständig im Kursbild auftauchen: zum einen höhere Gewinne, zum anderen eine strengere Ausgabendisziplin. Beides zusammen sollte eigentlich für steigende Bewertungen sprechen. Genau diese Anerkennung fehlt dem Sektor nach Einschätzung von Sprott jedoch bislang.
Die Details
Die zentrale Kennzahl der Meldung ist die Bewertung auf Basis der erwarteten operativen Ergebnisse. Der NYSE Arca Gold Miners Index stand zum Stichtag 30. September beim 5,7-fachen dieses Werts. Das Bewertungsmaß bezieht sich damit nicht auf die Vergangenheit, sondern auf die vom Markt erwarteten operativen Ergebnisse der im Index enthaltenen Unternehmen.
Sprott beziffert den Abstand zum Durchschnitt mit rund 22 Prozent. Damit notiert der Sektor nach Einschätzung des Vermögensverwalters unterhalb des Niveaus, das seiner durchschnittlichen Bewertung entspricht. Als zweites Element nennt die Quelle die Ausgabendisziplin der Produzenten, die sich in der Bewertung nach Sprotts Auffassung ebenfalls nicht niederschlägt.
Der NYSE Arca Gold Miners Index bündelt die Aktien großer Gold- und Silberproduzenten und gilt als wichtiger Gradmesser für die Stimmung im Edelmetallbergbau. Wer in diesen Sektor investiert, kauft nicht das Metall selbst, sondern die operativen Unternehmen, die es fördern. Deren Ergebnisse hängen stark vom Goldpreis, aber auch von den Förderkosten und der Kapitaldisziplin ab.
Hintergrund: Was bisher geschah
Bereits am 26.09.2026 berichtete aktien.news über unterbewertete Goldaktien. Damals stellte Jeff Clark von Paydirt Prospector beim September Metals Investor Forum in Vancouver seine Analyse vor. Sein Befund: Goldförderer präsentierten sich mit außergewöhnlich starken Fundamentaldaten, während die breite Anlegerschaft den Sektor bislang kaum beachtete. Clark verwies darauf, dass die Förderunternehmen einige der weitesten Gewinnmargen am gesamten Aktienmarkt verzeichneten und gleichzeitig zu Bewertungen handelten, die seit Jahrzehnten zu den niedrigsten gehörten. Der Kontrast zum breiteren Markt sei frappierend gewesen: Der S&P 500 (INDEXSP: .INX) notierte nahe historischer Höchststände, während Goldproduzenten starke Cashflows erwirtschafteten.
Am 21.07.2026 berichtete aktien.news, dass Sprott Asset Management im damaligen Ausverkauf bei Uranminenaktien eine attraktive Kaufgelegenheit sah. Der Vermögensverwalter argumentierte, steigende langfristige Preise, eine stärkere Kernenergiepolitik und ein begrenztes Angebot würden von den Anlegern weitgehend ignoriert – ein Umstand, den Sprott als Fehlbewertung des Marktes wertete. Damals erreichte der langfristige Uranpreis Ende Juni 94 US-Dollar (rund 132,34 kanadische Dollar) pro Pfund, den höchsten Stand seit 18 Jahren. Der Spotpreis legte im ersten Halbjahr um 4,3 Prozent zu. Das Muster ähnelt dem aktuellen Befund bei Goldminen: Sprott sieht einen Sektor, dessen fundamentale Signale vom Markt nicht vollständig aufgenommen werden.
Ein dritter früherer Bericht relativiert das Bild. Am 05.10.2026 meldete aktien.news, dass die 50 wertvollsten Bergbauaktien der Welt zum Schlusskurs im September zusammen 2,26 Billionen US-Dollar wert waren. Das war der zweithöchste monatliche Rückgang in der Geschichte der Rangliste. Im September wurde drei Viertel des August-Rekordzuwachses von 357 Milliarden Dollar wieder abgebaut. Der Grund war derselbe, der zuvor den Gewinn gebracht hatte: Gold. Die Gold-Futures in New York fielen vom Ende Augusts mit 4.441 Dollar pro Unze bis zum Ende des Septembers auf 4.158 Dollar. Das entspricht einem Rückgang von 6,4 Prozent und drückt das Metall unter das Niveau, auf dem es das Jahr begonnen hatte.
Was das für Anleger bedeutet
Für deutsche Privatanleger ergibt sich daraus ein Spannungsfeld. Auf der einen Seite steht die von Sprott und zuvor von Jeff Clark beschriebene Bewertungslücke: starke Gewinne, niedrige Bewertungen. Auf der anderen Seite steht die Beobachtung aus dem September, dass genau der Rohstoff, von dem diese Gewinne abhängen, im Monatsverlauf deutlich nachgegeben hat. Ein niedriges Bewertungsmaß kann daher auch Ausdruck der Erwartung sein, dass sich die operativen Ergebnisse in einem schwächeren Goldpreisumfeld eintrüben.
Wer die Argumentation von Sprott nachvollziehen will, sollte deshalb zwei Größen getrennt betrachten:
- die Bewertung des Index im Verhältnis zu den erwarteten operativen Ergebnissen,
- die Entwicklung des Goldpreises, von dem diese Ergebnisse abhängen.
Der NYSE Arca Gold Miners Index bildet Förderunternehmen ab, nicht das Metall selbst. Anleger, die ein Engagement in diesem Segment erwägen, sollten sich über die Zusammensetzung des Index und die Währungsstruktur der enthaltenen Titel informieren. Eine Kauf- oder Verkaufsempfehlung lässt sich aus der Meldung nicht ableiten; sie beschreibt eine Bewertungsbeobachtung des Vermögensverwalters.
Ausblick
Die Meldung von Sprott nennt keine konkreten Kursziele, Prognosezeiträume oder Termine für eine Neubewertung des Sektors. Beobachtungsgrößen bleiben die Bewertung des NYSE Arca Gold Miners Index auf Basis der erwarteten operativen Ergebnisse sowie die Ausgabendisziplin der Produzenten. Hinzu kommt der Goldpreis, dessen September-Rückgang von 4.441 auf 4.158 Dollar pro Unze die Bergbauwerte zuletzt belastet hat. Ob sich die von Sprott beschriebene Lücke schließt, hängt damit wesentlich davon ab, wie sich Gewinne und Bewertung künftig zueinander entwickeln.
Kurz erklärt
- NYSE Arca Gold Miners Index: Börsenindex, der die Aktien großer Gold- und Silberförderunternehmen bündelt.
- Operatives Ergebnis: Gewinn eines Unternehmens aus dem laufenden Geschäft vor Zinsen und Steuern.
- Ausgabendisziplin: maßvolle Steuerung von Investitionen und Kosten durch ein Unternehmen.
- Gold-Futures: Terminkontrakte auf den künftigen Preis einer festgelegten Menge Gold.
