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General Motors verdreifacht Kurs trotz schwerer Branchen-Misere

Während viele Autowerte einbrechen, hat sich die GM-Aktie in drei Jahren verdreifacht – dank Heimatmarkt, Rückkäufen und Nasdaq-Wechsel.

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General Motors verdreifacht Kurs trotz schwerer Branchen-Misere

Während die europäische Autoindustrie unter Druck steht, zeigt sich an der Börse ein anderes Bild: Die Aktie von General Motors hat sich innerhalb von drei Jahren verdreifacht. Der US-Konzern profitiert von seinem Heimatmarkt und einer Strategie, die auf große SUVs und Pick-ups setzt. Viele andere Autowerte verzeichnen dagegen deutliche Kursverluste.

Rund 80 Prozent des GM-Umsatzes entfallen auf die USA. Diese Ausrichtung schützt den Konzern weitgehend vor Importzöllen, die andere Hersteller belasten. Gleichzeitig hat GM seine Elektrostrategie zurückgefahren und setzt wieder stärker auf die stark nachgefragten großen Modelle. Ford verfolgt eine ähnliche Strategie, die Aktie entwickelt sich aber deutlich schwächer.

GM wechselt von der NYSE an die Nasdaq

Zum 17. November wechselt GM von der New York Stock Exchange an die Nasdaq. Der Schritt gilt als Signal für Technologieambitionen und als Marketing-Coup. Die Marktkapitalisierung liegt bei rund 73 Milliarden Dollar.

Mit dem Umzug verbindet sich die Chance auf einen Aufstieg in den Nasdaq 100. Dort würde GM auf Rang 60 liegen, mit einem Gewicht von rund 0,3 Prozent. Der Invesco QQQ, der den Index abbildet, kommt auf ein Volumen von rund einer halben Billion Dollar. Ein Indexaufstieg könnte ETF-Kaufvolumen von etwa 1,5 Milliarden Dollar in GM-Aktien auslösen und die Kursdynamik verstärken.

Aktienrückkäufe stützen den Kurs, verdecken aber Schwächen

Ein weiterer Treiber sind Aktienrückkäufe, die GM aus eingesparten Mitteln der E-Auto-Strategie finanziert. Die Zahl der ausstehenden Aktien sank seit 2022 von 1,45 Milliarden auf 872 Millionen. Das stützt den Kurs, verdeckt aber operative Schwächen: Der Umsatz stagniert, und die Wertschöpfung ist teils import- und zuliefererabhängig. Boeing gilt in diesem Zusammenhang als warnendes Beispiel für die Grenzen von Aktienrückkäufen und Financial Engineering.

Audi bricht beim operativen Ergebnis ein

Ganz anders die Lage bei Audi. Das operative Ergebnis im dritten Quartal lag bei 29 Millionen Euro – ein Minus von 94 Prozent. Die Auslieferungen gingen in den ersten neun Monaten in China um 25 Prozent und in den USA um 17,3 Prozent zurück, insgesamt um 11,4 Prozent.

Christian W. Röhl nennt drei Belastungen: "Erstens ein ruinöser Wettbewerb in China, zweitens die Wirkung der US-Zölle und drittens die Schwäche in Europa." Den späten Aufbau der US-Produktion bezeichnet er als "kolossales Managementversagen". Audi-Chef Gernot Döllner kündigte inzwischen ein erstes US-Werk an. Döllner war bei einer Wahlkampfveranstaltung von Donald Trump aufgetreten.

Der Branchendruck zeigt sich auch bei anderen Herstellern: Stellantis verliert seit Jahresbeginn 56 Prozent, Volkswagen rund 28 Prozent seit Januar. Die schlechte Stimmung in der Branche ist Thema im Podcast "Leben mit Aktien" der WirtschaftsWoche.

Anleger sollten Strategie und tatsächliche Ertragskraft getrennt bewerten

Für Privatanleger zeigt der Vergleich, wie stark die Entwicklung einzelner Autowerte auseinanderläuft. GM profitiert von Heimatmarktfokus, Rückkäufen und der Aussicht auf Mittelzuflüsse aus Indexfonds. Diese Faktoren können den Kurs stützen, ersetzen aber kein operatives Wachstum. Wer in Autoaktien investiert, sollte daher sowohl die Strategie als auch die tatsächliche Ertragskraft im Blick behalten.

Ein Blick auf die Kennzahlen hilft dabei, die Mechanismen hinter einem Kursanstieg zu verstehen. Aktienrückkäufe verringern die Zahl der ausstehenden Papiere und erhöhen rechnerisch den Gewinn je Aktie, ohne dass das operative Geschäft wachsen muss. Ein Indexaufstieg wiederum sorgt für zusätzliche Nachfrage, weil Fonds, die den Index abbilden, die Aktie automatisch kaufen müssen. Beide Effekte sind real, aber sie sind keine Garantie für dauerhaft steigende Erträge.

Der Kontrast zu Audi macht deutlich, wie unterschiedlich die Ausgangslagen innerhalb der Branche sind. Während GM auf seinem wichtigsten Markt weitgehend abgeschirmt ist, kämpft Audi gleichzeitig mit Wettbewerb in China, US-Zöllen und einer Schwäche in Europa. Für Anleger lohnt es sich, diese Unterschiede genau zu prüfen, statt Autoaktien pauschal als eine Gruppe zu behandeln.

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