Elon Musk drosselt Cybertruck-Produktion für den Cybercab in Texas
Tesla beendet die Cybertruck-Fertigung in Texas Mitte 2027 und schafft Platz für das Robotaxi Cybercab.

Elon Musk hat am Freitag auf der Plattform X angekündigt, dass Tesla die Produktion des Cybertruck in seinem Werk in Texas um die Mitte des nächsten Jahres drosseln wird. Ziel des Schritts ist es, mehr Platz für den Cybercab zu schaffen, Teslas zweisitziges Robotaxi. Ob der Truck an einem anderen Standort weitergebaut wird, ließ Musk offen.
Der Cybertruck ist nicht das erste Fahrzeug, das in diesem Jahr seinen Platz räumen muss. Bereits im Januar hatte Musk angekündigt, dass Tesla die Produktion des Model S und des Model X einstellen werde. In der Fabrik in Fremont, Kalifornien, hat das Unternehmen diese Linien inzwischen durch die Fertigung seines humanoiden Roboters Optimus ersetzt.
Auf den ersten Blick stellt das eine erhebliche Umstellung der Modellpalette dar. Gemessen am Umsatz ist es das nicht. Fahrzeuge außerhalb der Modelle 3 und Y — überwiegend Model S, Model X und Cybertruck — machten nur etwa 3% der Lieferungen des Elektroautoherstellers von 1,64 Millionen Fahrzeugen im Jahr 2025 aus. Gemessen an der Produktionskapazität fällt die Veränderung dagegen deutlich größer aus.
Die drei Nischenmodelle belegten fast ein Zehntel der Produktionskapazität
Um zu verdeutlichen, wie viel Platz diese drei Fahrzeuge einnahmen, lohnt ein Blick auf Teslas Tabelle zur installierten Kapazität zum Ende des Jahres 2025. Dort ist die Model-S- und Model-X-Linie mit einer Jahreskapazität von 100.000 Fahrzeugen bewertet, die Cybertruck-Linie mit über 125.000. Zusammen könnten sie also mehr als 225.000 Fahrzeuge jährlich bauen — fast 10% der mehr als 2,35 Millionen Fahrzeuge, für die Teslas Autowerke ausgelegt waren.
Tatsächlich produzierte Tesla im gesamten Jahr 2025 nur 53.900 Fahrzeuge außerhalb der Modelle 3 und Y. Das ist weniger als ein Viertel dessen, wofür diese Linien gebaut wurden. Die Lieferungen in dieser Gruppe sanken gegenüber 2024 um 40% auf 50.850 Einheiten.
Der Rückgang setzte sich auch 2026 fort. Die Lieferungen anderer Modelle fielen vom ersten Quartal mit 16.130 Einheiten — wahrscheinlich angereichert durch letzte Bestellungen für Model S und Model X — auf 12.364 im zweiten Quartal und 8.295 im dritten Quartal. Der Gesamtbestand im dritten Quartal ging gegenüber dem Vorjahr um 48% zurück.
Der Cybertruck verfehlte seine Linienkapazität deutlich
Der Cybertruck kam nie in die Nähe einer Auslastung seiner Linie. Tesla gibt keine Verkaufszahlen nach Modell an, doch Cox Automotive schätzte die US-Verkäufe des Cybertruck im Jahr 2025 auf rund 20.000 Fahrzeuge, gegenüber etwa 39.000 im Jahr 2024. Musk hatte einst erklärt, der Truck werde eines Tages 250.000 Stück pro Jahr verkaufen. Selbst wenn der Cybertruck also für immer verschwindet, verzichtet Tesla auf sehr wenig, um diesen Raum freizugeben.
Der Umsatz aus dem Automobilgeschäft von Tesla fiel im dritten Quartal lediglich um 1% gegenüber dem Vorquartal. In seinem Quartalsbericht führte das Unternehmen die leicht niedrigeren Lieferungen hauptsächlich auf geringere Verkäufe des Model S und des Model X zurück. Ungenutzte Linien an neue Produkte zu übergeben, lässt sich daher als vernünftiger Schritt argumentieren.
Optimus und Cybercab übernehmen die frei werdenden Fertigungslinien
In Fremont teilte Tesla in seinem Update zum dritten Quartal mit, dass die Produktion von Optimus auf seinen Hochvolumlinien gestartet sei. Die dort entstehenden Roboter bezeichnete das Unternehmen als seine ersten Roboter in Produktionsqualität. Der im Januar dargelegte Plan sieht vor, dass diese erste Linie eines Tages 1 Million Roboter pro Jahr herstellen wird.
In Texas begann die Cybercab-Produktion früher in diesem Jahr auf einer Linie, die Tesla mit einer Jahreskapazität von über 125.000 Fahrzeugen bewertet — genau jener Kapazität, die auch der Cybertruck-Linie zugeschrieben wird, der sie den Platz streitig macht. Tesla hat begonnen, diese Cybercabs in seiner eigenen Robotaxi-Flotte in Austin einzusetzen. Keines der beiden Produkte hat bisher eine eigene Umsatzlinie in den Ergebnissen des Konzerns.
Tesla erzielte zuletzt rund 104 Milliarden Dollar Umsatz
Tesla erwirtschaftete in den letzten vier berichteten Quartalen rund 104 Milliarden Dollar Umsatz, von denen etwa 72% noch aus dem Autogeschäft stammten. Die Modelle 3 und Y machten 98% der Lieferungen im dritten Quartal aus. Der gesamte Automobilumsatz, der auch regulatorische Gutschriften umfasst, ging in diesem Quartal um 3% gegenüber dem Vorjahr zurück.
Bereits am 06.11.2026 berichtete aktien.news über die Drosselung in Texas
Bereits am 06.11.2026 berichtete aktien.news, dass Tesla die Produktion des Cybertruck in der Gigafactory im US-Bundesstaat Texas rund um die Mitte des kommenden Jahres drosseln will. Konzernchef Elon Musk erklärte damals, das Ende der Fertigung in der massiven Anlage schaffe Platz für die Herstellung des Cybercab-Robotaxis. Der Cybertruck wird ausschließlich im Tesla-Werk in Texas gebaut, gemeinsam mit dem Model Y und dem zweisitzigen Cybercab.
Am 07.11.2026 berichtete aktien.news, dass damit eines der ambitioniertesten Fahrzeugprojekte des Konzerns nach nur wenigen Jahren am Markt endet. Der Cybertruck war 2019 vorgestellt und 2023 auf den Markt gebracht worden. Musk hatte das Fahrzeug als "futuristischen Kampfpanzer" bezeichnet und es als das "hartnäckigste" Pick-up am Markt konzipiert.
Ebenfalls am 07.11.2026 meldete aktien.news, dass Musk den Cybertruck einst als Teslas "bestes Produkt aller Zeiten" bezeichnet hatte und dass Anspruch und Realität weit auseinanderlagen. Musk kommentierte den Schritt mit den knappen Worten "Ende einer Ära". Ob der Cybertruck danach in einer anderen Fabrik weitergebaut wird oder komplett aus dem Programm fällt, ließ Tesla offen. Für Anleger kam die Nachricht an der Börse zunächst gut an.
Die Tesla-Aktie preist den Erfolg der neuen Produkte bereits ein
Die Aktie wird derzeit so bewertet, als würden sowohl Cybercab als auch Optimus erfolgreich sein. Bei einem Aktienkurs von rund 358 Dollar zum Zeitpunkt der Berichterstattung liegt das Kurs-Gewinn-Verhältnis von Tesla auf Basis der Gewinnprognose für 2027 bei über 160. Zum Vergleich: Das erwartete Kurs-Gewinn-Verhältnis des S&P 500 liegt bei etwa 19.
Ein Autogeschäft mit sinkendem Umsatz kann ein solch hohes Kurs-Gewinn-Verhältnis allein nicht rechtfertigen. Es ergibt nur Sinn, wenn Cybercab und Optimus zu großen, profitablen Geschäften heranwachsen. Zwar könnte Tesla dies erreichen — eine Roboterlinie, die auf 1 Million Einheiten pro Jahr abzielt, wäre ein massives Geschäft, falls die Nachfrage eintritt. Doch die Optimus-Produktion hat gerade erst begonnen, und Tesla hat nicht mitgeteilt, wie viel jedes der neuen Produkte erwirtschaftet. Für deutsche Privatanleger bedeutet das: Ein erheblicher Teil der aktuellen Bewertung hängt an Produkten, für die es noch keine Umsatzzahlen gibt.
Der weitere Zeitplan hängt an Cybercab, Optimus und dem Jahr 2027
Der Cybertruck soll nach der Ankündigung bis zur Mitte des Jahres 2027 aus der Fertigung in Texas ausscheiden. Die frei werdenden Kapazitäten sind für den Cybercab vorgesehen, der bereits in der eigenen Robotaxi-Flotte in Austin eingesetzt wird. In Fremont soll die Optimus-Linie nach dem im Januar dargelegten Plan eines Tages 1 Million Roboter pro Jahr produzieren. Konkrete Umsatz- oder Ertragszahlen zu beiden Produkten hat Tesla bislang nicht veröffentlicht.
Diese drei Fachbegriffe helfen beim Verständnis der Tesla-Zahlen
- Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV): Kennzahl, die den Aktienkurs eines Unternehmens ins Verhältnis zum erwarteten Gewinn je Aktie setzt.
- Robotaxi: selbstfahrendes Fahrzeug, das Passagiere ohne menschlichen Fahrer befördert.
- Installierte Kapazität: die Produktionsmenge, für die ein Werk oder eine Fertigungslinie ausgelegt ist.
