Gebrauchte Autoteile verbessern Klimabilanz deutlich
Neue Ersatzteile verursachen durch Stahlherstellung wesentlich höhere CO₂-Emissionen als aufbereitete Komponenten

Neue Ersatzteile bei Autoreparaturen belasten das Klima deutlich stärker als gebrauchte Komponenten. Zu diesem Ergebnis gelangte eine aktuelle Studie der Unfall- und Verkehrsforscher der Allianz aus Großbritannien. Die Analyse wurde gemeinsam von der britischen Vehicle Recyclers’ Association (VRA), der Nachhaltigkeitsberatung Oakdene Hollins sowie dem Recycling-Unternehmen Synetiq erstellt. Untersucht wurde dabei insbesondere, wie sich der Einbau verschiedener Ersatzteile auf die Umwelt auswirkt.
Im Zentrum der Studie stand exemplarisch eine Tür des Elektrofahrzeugs Volkswagen ID.3. Dabei wurde festgestellt, dass die Reparatur der beschädigten Tür die geringsten CO2-Emissionen verursacht. Ist eine Reparatur jedoch nicht mehr möglich, führt der Einsatz einer gebrauchten oder aufbereiteten Tür zu einem Emissionsanstieg zwischen 19 und knapp 44 Prozent im Vergleich zur Reparatur. Entscheidet sich die Werkstatt hingegen für eine komplett neue Tür, steigen die CO2-Emissionen dramatisch an: In diesem Fall erhöht sich der Ausstoß des klimaschädlichen Treibhausgases um 112 bis 157 Prozent gegenüber der Reparatur.
Grundlage der Berechnung war eine detaillierte Analyse von insgesamt 33 Einzelschritten, die bei einer typischen Unfallreparatur anfallen. Dazu zählen unter anderem die Anfahrt des Abschleppwagens zum Unfallort, Transport und Verpackung der Ersatzteile sowie die abschließende Montage in der Werkstatt. Während bei gebrauchten Ersatzteilen die Lackierung einschließlich der energieintensiven Aushärtung den größten Anteil an den Emissionen trägt, zeigt sich bei neuen Teilen insbesondere die Stahlherstellung als problematisch für das Klima. Die Produktion von Stahl gilt aufgrund ihres enormen Energiebedarfs als besonders klimaschädlich.
Die Ergebnisse der Studie untermauern eine seit geraumer Zeit von Versicherern geäußerte Kritik an den hohen Kosten neuer Ersatzteile. Deutsche Kfz-Versicherer beklagen sich seit Jahren darüber, dass insbesondere die Preise für Neuteile stark angestiegen sind und Reparaturen entsprechend teurer machen. Aus diesem Grund erlaubt die Allianz ihren Kundinnen und Kunden seit etwa einem Jahr ausdrücklich den Einbau gebrauchter Ersatzteile, sofern diese keine sicherheitsrelevanten Bereiche wie Achsen oder Lenkungen betreffen.
Während in Deutschland diese Praxis noch vergleichsweise jung ist, gehört sie in Großbritannien längst zum Standard bei Autoreparaturen. Der verstärkte Einsatz gebrauchter Komponenten reduziert nicht nur die finanziellen Belastungen der Versicherungen, sondern wirkt sich laut Studie auch unmittelbar positiv auf die Umweltbilanz von Unfallreparaturen aus.
