FTX-Bitcoin-Mining-Anlagen befeuern jetzt den globalen KI-Boom
Einstige FTX-Infrastruktur wird zur KI-Rechenpower: SWI übernimmt Genesis Digital Assets und sichert sich 800 Millionen Euro frisches Kapital.

Ein Bitcoin-Mining-Unternehmen, das nach dem spektakulären Zusammenbruch des Krypto-Imperiums von Sam Bankman-Fried bereits als erledigt galt, erlebt eine bemerkenswerte Wiedergeburt. Das ehemals unter dem Namen Genesis Digital Assets bekannte Unternehmen war jahrelang tief in das Insolvenzverfahren von FTX verstrickt. Nun wird es zum Baustein eines der heißesten Trends der Technologiebranche: der Versorgung von KI-Unternehmen mit dringend benötigter Rechenleistung.
Hinter der Transformation steckt die SWI Group, ein Unternehmen für digitale Infrastruktur mit Sitz in Singapur, das an der Börse in Amsterdam notiert ist. SWI kauft gezielt Rechenzentren in den USA und Europa auf, um die wachsende Nachfrage von KI-Unternehmen nach Rechenkapazität zu bedienen. Die Übernahme von Genesis Digital Assets erfolgte im Sommer — und mit ihr gingen Rechenzentrumsstandorte in Texas, North Carolina, South Carolina sowie in Schweden an SWI über.
Die Details
Am Montag gab SWI bekannt, dass das Unternehmen 800 Millionen Euro aufgenommen hat, um die Modernisierung und den Ausbau seiner Rechenzentren zu finanzieren. Die Märkte reagierten prompt: Die Aktien des in Amsterdam börsennotierten Unternehmens stiegen nach Bekanntgabe des Deals um 16 Prozent, was SWI eine Marktkapitalisierung von rund 6,9 Milliarden US-Dollar verleiht.
Max-Hervé George, Mitbegründer und Vorstandsvorsitzender von SWI, machte die strategische Ausrichtung des Unternehmens unmissverständlich klar. „Wir benötigen Kapital, um mehr Rechenleistung bereitzustellen", sagte George. Zum Bitcoin-Mining äußerte er sich ebenso deutlich: Er habe „null Interesse" daran. Das Ziel von SWI ist ein anderes — die übernommenen Rechenzentren sollen sogenannten Hyperscalern zur Verfügung gestellt werden.
Hyperscaler sind Cloud-Computing-Anbieter wie Amazon Web Services oder Google Cloud. Sie stellen einen Großteil der Rechenleistung bereit, die hinter KI-Tools wie ChatGPT steckt. Die Nachfrage dieser Konzerne nach zusätzlicher Infrastruktur ist enorm — und genau hier sieht SWI seine Marktchance.
Was die verbliebenen Krypto-Aktivitäten betrifft: Genesis Digital Assets hatte sich ursprünglich auf das Bitcoin-Mining in Kasachstan konzentriert, zog sich jedoch später aus dem zentralasiatischen Land zurück. SWI ist laut George dabei, die letzten verbliebenen Vermögenswerte in Kasachstan zu verkaufen — eine Gruppe von drei kleinen Bitcoin-Mining-Standorten. Damit vollzieht das Unternehmen den endgültigen Bruch mit seiner Krypto-Vergangenheit.
Hintergrund: Was bisher geschah
Die Geschichte von Genesis Digital Assets ist eng mit dem FTX-Skandal verknüpft. Bereits am 17. Juni 2026 berichtete aktien.news, dass ein FTX-Trust seine Klage gegen Genesis Digital Assets Ltd. unwiderruflich zurückgezogen hatte. Damit endeten die Bemühungen, insgesamt 1,15 Milliarden Dollar an Geldern zurückzufordern, die angeblich betrügerisch transferiert worden waren. Der entsprechende Antrag war beim US-Insolvenzgericht für den Distrikt Delaware eingereicht worden. In der ursprünglichen Klage wurde behauptet, dass Genesis Digital sowie dessen verbundene Unternehmen und Mitbegründer zwischen August 2021 und April 2022 vermischte und veruntreute Gelder vom FTX-Mitbegründer Sam Bankman-Fried erhalten hatten.
Der Rückzug der Klage war ein entscheidender Wendepunkt: Er ebnete den Weg für die Übernahme durch SWI und die anschließende Neuausrichtung der Infrastruktur. Ohne die Beilegung der rechtlichen Auseinandersetzungen wäre die Transaktion kaum möglich gewesen.
Ebenfalls am 7. Oktober 2026 berichtete aktien.news über eine kritische Stimme zum KI-Infrastrukturboom: Der ehemalige BitMEX-CEO Arthur Hayes warnte auf der Gamma Prime Investing Conference in Singapur, die Menschheit „verschwende mehrere Billionen Dollar" beim Aufbau von Rechenzentren für künstliche Intelligenz. Diese Einschätzung steht im direkten Widerspruch zur Strategie von SWI — und zeigt, wie kontrovers der aktuelle Investitionszyklus in der Branche diskutiert wird.
Was das für Anleger bedeutet
Für deutsche Privatanleger ist die SWI-Geschichte aus mehreren Gründen interessant. Das Unternehmen ist an der Amsterdamer Börse notiert und damit für europäische Anleger grundsätzlich zugänglich. Die Aktie legte nach der Kapitalmaßnahme um 16 Prozent zu — ein deutliches Signal, dass der Markt die Strategie positiv bewertet.
Die Transaktion verdeutlicht einen breiteren Trend: Bestehende Infrastruktur aus dem Krypto-Bereich — insbesondere Rechenzentren mit leistungsfähiger Stromversorgung und Kühlung — wird zunehmend für KI-Anwendungen umgewidmet. Bitcoin-Mining-Anlagen und KI-Rechenzentren haben ähnliche technische Anforderungen, was solche Umwidmungen wirtschaftlich attraktiv macht. Anleger, die in KI-Infrastruktur investieren möchten, sollten jedoch die erheblichen Risiken im Blick behalten: Die Kapitalintensität ist hoch, die Finanzierungsrunden sind groß, und kritische Stimmen wie Arthur Hayes warnen vor Überinvestitionen im Sektor.
Die Tatsache, dass SWI 800 Millionen Euro in einem einzigen Finanzierungsschritt aufnehmen konnte, zeigt einerseits das Vertrauen der Kapitalmärkte in das Geschäftsmodell. Andererseits macht es deutlich, wie kapitalintensiv der Aufbau von KI-Infrastruktur ist. Anleger sollten die Verschuldungssituation und die Fähigkeit des Unternehmens, diese Investitionen in Erträge umzuwandeln, genau beobachten.
Ausblick
SWI hat konkrete Pläne kommuniziert: Das frisch aufgenommene Kapital von 800 Millionen Euro soll direkt in die Modernisierung und den Ausbau der bestehenden Rechenzentren fließen. Ziel ist es, die Standorte in Texas, North Carolina, South Carolina und Schweden für Hyperscaler wie Amazon Web Services oder Google Cloud attraktiv zu machen.
Parallel dazu steht der Verkauf der letzten Bitcoin-Mining-Standorte in Kasachstan an. Sobald diese Transaktion abgeschlossen ist, wird SWI vollständig aus dem Krypto-Mining-Geschäft ausgestiegen sein und sich ausschließlich auf KI-Infrastruktur konzentrieren. Wann genau der Verkauf der kasachischen Standorte abgeschlossen sein wird, ließ George offen.
Kurz erklärt
- Hyperscaler: Große Cloud-Computing-Anbieter, die massive Rechenzentren betreiben und ihre Kapazitäten flexibel an Kunden vermieten.
- Bitcoin-Mining: Prozess, bei dem Computerhardware eingesetzt wird, um neue Bitcoin-Einheiten zu erzeugen und Transaktionen zu validieren.
- Marktkapitalisierung: Gesamtwert aller ausgegebenen Aktien eines Unternehmens, berechnet aus Aktienkurs multipliziert mit der Anzahl der Aktien.
