FT-Ranking 2027: Europas langfristige Wachstumssieger und ihre Zahlen
Die Financial Times und Statista küren 300 europäische Unternehmen mit dem höchsten Umsatzwachstum über zehn Jahre – an der Spitze steht Yorkshire Gas and Power.

Die Financial Times hat gemeinsam mit dem Datenunternehmen Statista die dritte Ausgabe ihres Rankings „Europe's Long-Term Growth Champions" veröffentlicht. Die Liste umfasst 300 europäische Unternehmen, die über einen Zeitraum von zehn Jahren bis 2025 das höchste offengelegte jährliche Umsatzwachstum (CAGR) erzielt haben. An der Spitze steht in diesem Jahr das britische Unternehmen Yorkshire Gas and Power mit einer jährlichen Wachstumsrate von fast 99 Prozent.
Der betrachtete Zehnjahreszeitraum war wirtschaftlich alles andere als ruhig. Er umfasste die weit verbreitete Rezession, die durch die Covid-19-Pandemie ausgelöst wurde, sowie den plötzlichen starken Anstieg der Inflation, der auf Russlands Invasion der Ukraine folgte. Wer in dieser Phase konstant wuchs, musste sich also gegen erhebliche konjunkturelle und geopolitische Gegenwinde behaupten.
Das Ranking wird von der Financial Times und Statista erstellt und befindet sich nun im dritten Jahr. Es erhebt ausdrücklich keinen Anspruch auf Vollständigkeit, da viele schnell wachsende Unternehmen privat gehalten sind und keine detaillierten Finanzdaten öffentlich offenlegen. Der strenge Prüfprozess, der unter anderem verlangt, dass leitende Angestellte die eingereichten Zahlen genehmigen, soll dennoch einen aussagekräftigen Einblick in die Gesundheit dieser Unternehmen bieten.
Die Details
Auf den Plätzen zwei und drei des Rankings finden sich Unternehmen aus dem Finanzbereich. Das an zweiter Stelle rangierende Qred ist eine technologiegestützte Bank mit Sitz in Stockholm, die Kleinunternehmen Finanzierungsmöglichkeiten bietet, und verzeichnete eine CAGR von mehr als 88 Prozent. Insgesamt stellen Unternehmen aus dem Fintech-, Finanzdienstleistungs- und Versicherungssektor drei der fünf höchstplatzierten Organisationen und sechs Prozent der Einträge.
Nach Branchen betrachtet bleiben IT- und Softwareunternehmen die größte Kategorie im Ranking. Wie im Vorjahr entfallen auf sie 20 Prozent der Unternehmen in der Liste. Bau- und Ingenieurunternehmen bilden die zweitgrößte Gruppe und machen acht Prozent derjenigen aus, die es in die Auflistung geschafft haben. Energie- und Versorgungsunternehmen kommen auf fünf Prozent der in diesem Jahr gelisteten Unternehmen.
Auch geografisch zeigt sich ein klares Bild. Land mit den meisten Unternehmen auf der Liste ist Italien mit 73. Auf Platz zwei folgt das Vereinigte Königreich mit 46, dann Deutschland mit 45, Frankreich mit 39 und Spanien mit 27. Insgesamt sind 28 Länder vertreten.
Für die Aufnahme in das Ranking mussten die Unternehmen mehrere Kriterien erfüllen. Dazu zählen ein Umsatz von mindestens 100.000 Euro im Jahr 2015 und ein Umsatz von mindestens 10 Millionen Euro im Jahr 2025. Das Unternehmen muss unabhängig sein, also keine Tochtergesellschaft oder Niederlassung jeglicher Art, und seinen Hauptsitz in Europa haben. Zudem musste das Umsatzwachstum zwischen 2015 und 2025 primär organisch, also intern stimuliert, sein.
Die Bewerbungsphase lief von März 2026 bis Juni 2026. Das Projekt wurde online und in Printmedien beworben, sodass sich alle berechtigten Unternehmen über die von Statista und der Financial Times erstellten Websites registrieren konnten. Darüber hinaus identifizierte Statista durch Recherchen in Unternehmensdatenbanken und anderen öffentlichen Quellen Tausende von Unternehmen in Europa als potenzielle Kandidaten und lud diese per E-Mail zur Teilnahme ein. Die eingereichten Umsatzangaben mussten vom CEO, CFO oder einem Mitglied des Exekutivkomitees des Unternehmens zertifiziert werden.
Die Berechnung der jährlichen Wachstumsraten basiert auf den in der jeweiligen Landeswährung eingereichten Umsatzzahlen. Zur besseren Vergleichbarkeit wurden die Umsatzangaben im Ranking in Euro umgerechnet, wobei die jährlichen Wechselkurse für 2015 und 2025 von Exchange Rates UK verwendet wurden. Die Unternehmen werden nach drei Dezimalstellen der berechneten CAGR sortiert. Die Mindestdurchschnittswachstumsrate, die für die Aufnahme in das Ranking erforderlich war, betrug 11,25 Prozent.
Hintergrund: Was bisher geschah
Die Financial Times veröffentlicht regelmäßig vergleichbare Wachstumsrankings für verschiedene Regionen. Bereits am 26.03.2026 berichtete aktien.news über das FT 1000-Ranking für 2026, das die am schnellsten wachsenden Unternehmen Europas beleuchtet. Damals zeigte sich ein breites Spektrum von Finanzdienstleistern in London über Tech-Startups in Frankreich bis hin zu einer Marke für personalisiertes Hundefutter in Italien. Bemerkenswert war, dass viele dieser Unternehmen trotz schwächelnder Konjunktur und geopolitischer Volatilität stark wuchsen, wobei sich London als führender Standort für Banken, Fintechs und Versicherer behauptete.
Am 02.04.2026 folgte das siebte jährliche Ranking der wachstumsstärksten Unternehmen Amerikas. In Zusammenarbeit mit Statista wurden 300 Unternehmen aus der gesamten Region nach ihrer durchschnittlichen jährlichen Umsatzwachstumsrate zwischen 2021 und 2024 bewertet. Spitzenreiter war die US-amerikanische Plattform Grow Therapy mit einer CAGR von 538,8 Prozent.
Nur wenige Tage später, am 24.04.2026, berichtete aktien.news über das Ranking „The Americas' Fastest-Growing Companies 2026", das ebenfalls 300 Unternehmen aus Nord- und Südamerika auflistete. Auch dort zeigte sich eine große Branchenvielfalt von Fintech über die Kreuzfahrtbranche und Lagerrobotik bis zur Strom- und Gasversorgung.
Erst am 01.10.2026 folgte das FT-Ranking der 150 am schnellsten wachsenden Unternehmen Großbritanniens. An der Spitze stand damals Healf, ein Online-Händler für Wellness-Produkte, mit einer CAGR von 669 Prozent; den zweiten Platz belegte Fuse Energy. Der betrachtete Zeitraum 2022 bis 2025 war davon geprägt, dass sich das Land noch von der Covid-19-Pandemie erholte.
Was das für Anleger bedeutet
Das Ranking ist keine Anlageempfehlung, sondern eine Momentaufnahme des Umsatzwachstums. Es zeigt, in welchen Branchen und Ländern über einen langen Zeitraum hinweg konstant hohe Wachstumsraten erzielt wurden. Auffällig ist die starke Rolle Italiens mit 73 gelisteten Unternehmen sowie die Dominanz von IT- und Softwarefirmen mit 20 Prozent der Einträge. Für deutsche Anleger ist relevant, dass Deutschland mit 45 Unternehmen den dritten Platz belegt und damit im europäischen Vergleich stark vertreten ist.
Da viele der gelisteten Firmen privat gehalten sind und nicht an der Börse handelbar sind, lässt sich aus der Liste nicht direkt ein Investment ableiten. Der Wert liegt vielmehr in der Orientierung: Sie zeigt, welche Sektoren und Regionen in einem schwierigen Jahrzehnt mit Pandemie, Inflation und geopolitischen Verwerfungen gewachsen sind. Wer die Liste als Recherchegrundlage nutzt, sollte die strengen Aufnahmekriterien im Blick behalten – insbesondere die Vorgabe, dass das Wachstum primär organisch sein musste.
Ausblick
Die nächste Ausgabe von „Europe's Long-Term Growth Champions" ist bereits angekündigt. Interessierte Unternehmen können sich für die kommende Ausgabe vorregistrieren. Das Ranking „Europe's Long-Term Growth Champions 2027" listet die 300 besten Unternehmen in Europa, die zwischen 2015 und 2025 das höchste prozentuale Wachstum bei den Umsätzen erzielt haben.
Kurz erklärt
- CAGR: Die durchschnittliche jährliche Wachstumsrate, die angibt, wie stark ein Wert pro Jahr über einen bestimmten Zeitraum gewachsen ist.
- Organisches Wachstum: Umsatzwachstum, das aus dem eigenen Geschäft stammt und nicht durch Zukäufe oder Fusionen entsteht.
- Unabhängiges Unternehmen: Ein Betrieb, der keine Tochtergesellschaft oder Niederlassung eines anderen Unternehmens ist.
