Frasers Group steigt mit fast 10 Prozent bei Under Armour ein
Der britische Einzelhändler unter Mike Ashley sichert sich 8,8 Prozent an dem angeschlagenen US-Sportartikelhersteller.

Die Frasers Group hat sich eine Beteiligung von fast 10 Prozent an dem angeschlagenen US-Sportartikelhersteller Under Armour gesichert. Wie aus einem am 1. Oktober bei den US-Börsenaufsichtsbehörden eingereichten Dokument hervorgeht, erwarb der britische Einzelhändler 16,6 Millionen Aktien von Under Armour. Das entspricht 8,8 Prozent des Unternehmens. Frasers steht unter der Kontrolle des Milliardärs Mike Ashley.
Das Unternehmen ist vor allem als Eigentümer von Sports Direct bekannt und hat eine lange Historie darin, Beteiligungen an anderen Einzelhandelsketten zu akquirieren. Zuletzt war der Konzern auf einer M&A-Reise im Ausland unterwegs, um über seinen Heimatmarkt Großbritannien hinaus zu wachsen. Der Schritt bei Under Armour reiht sich damit in eine Serie von Zukäufen und Beteiligungen ein, mit denen Frasers eine internationale Handelsgruppe aufbaut.
Under Armour wurde 1996 vom ehemaligen American-Football-Spieler Kevin Plank gegründet und erlebte ein explosives Wachstum, als das Unternehmen Marktanteile von Nike und Adidas gewann. Doch die Aktien des in Baltimore ansässigen Konzerns sind seit ihrem Höchststand im Jahr 2015 stark gefallen. Hintergrund war eine misslungene Expansion in den Bereich „Athleisure Wear", die das Vertrauen der Anleger erschütterte. Am Dienstag schlossen die Papiere bei 4,88 US-Dollar.
Die Details
Die Transaktion ist in einem Dokument festgehalten, das Frasers am 1. Oktober bei den US-Börsenaufsichtsbehörden einreichte. Darin weist der Konzern 16,6 Millionen erworbene Under-Armour-Aktien aus, was einem Anteil von 8,8 Prozent entspricht. Damit liegt Frasers knapp unter der Marke von 10 Prozent, die in der Meldung genannt wird.
Der Zukauf ist Teil einer breiteren Strategie. Im August erhöhte Frasers seine Beteiligung an der deutschen Modemarke Hugo Boss auf 48 Prozent. Nur eine Woche zuvor hatte der Konzern den angeschlagenen britischen Kaufhauskonzern Harvey Nichols übernommen. Bereits im vergangenen Jahr erwarb Frasers The Webster, einen US-Luxushändler. In Australien baute das Unternehmen eine beträchtliche Beteiligung am Schuhhändler Accent Group auf und startete im Juni einen feindlichen Übernahmeversuch für das Unternehmen. Auch durch Akquisitionen in Südafrika hat Frasers expandiert.
Auf der operativen Seite kämpft Under Armour mit Gegenwind. Im Dreimonatszeitraum bis Ende Juni verzeichnete der Händler einen Umsatzrückgang von 3 Prozent auf 1,1 Milliarden US-Dollar. Belastet wurde das Ergebnis durch eine schwache Performance in Nordamerika. Plank erklärte, die Marke sehe sich mit einer „herausfordernden Konsumnachfrageumgebung" konfrontiert – ein Problem, das auch viele ihrer größeren Wettbewerber betrifft.
Dazu gehört Nike, das in der vergangenen Woche Pläne zum Stellenabbau ankündigte und erwartete, dass der Umsatz im kommenden Jahr zurückgehen wird, da die Verkäufe in Märkten von den USA bis nach China stagnieren. Plank, der versucht, die Marke wiederzubeleben, sagte im August, er konzentriere sich darauf, das Geschäft zu vereinfachen und mehr Premium-Produkte zum vollen Preis zu verkaufen. Diese Produkte weisen typischerweise bessere Gewinnmargen auf als Rabattware.
Hintergrund: Was bisher geschah
Bereits am 11.06.2026 berichtete aktien.news, dass die Frasers Group ein Übernahmeangebot für den deutschen Modekonzern Hugo Boss vorgelegt hat. Der Konzern bot insgesamt 1,98 Milliarden Euro (rund 1,73 Milliarden Britische Pfund) für die verbleibenden Anteile, die Frasers noch nicht besaß. Das Angebot bewertete die Hugo-Boss-Aktie mit 38 Euro – ein Aufschlag gegenüber dem Schlusskurs von 36,50 Euro am Mittwoch. Frasers hielt damals bereits etwas mehr als ein Viertel der Anteile und hatte diese Beteiligung seit 2020 schrittweise aufgebaut.
Am 06.08.2026 berichtete aktien.news, dass Mike Ashley, Gründer von Sports Direct und Chef der Frasers Group, Harvey Nichols öffentlich als ein Unternehmen in einer „Todesspirale" bezeichnete. Gegenüber der Financial Times erklärte er, die Sanierung der britischen Luxuskaufhauskette sei eine „gewaltige Herausforderung". Dennoch befand sich sein Konzern mitten in einem Bieterwettstreit mit dem Modehändler Next um den Kauf des Unternehmens. Verkäufer war der langjährige Eigentümer Sir Dickson Poon, der Harvey Nichols seit 35 Jahren besaß. Im Juni beauftragte Poon die Beratungsfirma FTI Consulting mit der Suche nach einem Käufer – nachdem das Unternehmen mehrere Verlustjahre hinter sich hatte.
Auch zu Under Armour selbst liegt ein früherer Bericht vor. Am 22.01.2026 meldete aktien.news bedeutende Insider-Käufe. Die Zehn-Prozent-Eigentümer Fairfax Financial Holdings LTD/CAN und WATSA V PREM ET AL tätigten umfangreiche Aktienkäufe im Gesamtwert von 49,7 Millionen US-Dollar. Die Transaktionen erstreckten sich über drei Handelstage. Am 16. Januar wurden 1.837.686 Aktien zu Preisen zwischen 5,45 und 5,70 US-Dollar erworben, am 20. Januar folgten weitere 1.769.581 Aktien.
Was das für Anleger bedeutet
Für deutsche Privatanleger ist die Beteiligung vor allem ein Signal über die Strategie der Frasers Group. Der Konzern baut seit Jahren ein internationales Portfolio auf und scheut dabei auch angeschlagene Unternehmen nicht. Der Umsatz der Gruppe stieg im Geschäftsjahr bis zum 26. April um 8,7 Prozent auf 5,3 Milliarden Pfund. Getrieben wurde dieses Wachstum von einem internationalen Umsatzplus von 59,2 Prozent.
Bei Under Armour selbst stehen Anleger vor einem gemischten Bild. Auf der einen Seite ist die Aktie seit dem Höchststand 2015 stark gefallen und notierte zuletzt bei 4,88 US-Dollar. Auf der anderen Seite gab es bereits seit Januar 2026 größere Käufe von Großinvestoren. Der Einstieg von Frasers reiht sich in diese Reihe ein. Ob die Sanierungsbemühungen von Kevin Plank greifen, hängt maßgeblich von der Konsumnachfrage ab, die derzeit als herausfordernd beschrieben wird.
Diese Einordnung ist keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung. Anleger sollten die weitere Entwicklung der Beteiligung und die Quartalszahlen des Unternehmens verfolgen.
Ausblick
Kevin Plank will das Geschäft vereinfachen und den Anteil von Premium-Produkten zum vollen Preis erhöhen. Diese Strategie soll die Gewinnmargen verbessern. Wie schnell sich das in Zahlen niederschlägt, ist offen. Der Umsatz war zuletzt im Dreimonatszeitraum bis Ende Juni um 3 Prozent auf 1,1 Milliarden US-Dollar zurückgegangen.
Im Marktumfeld bleibt der Druck hoch. Nike kündigte Stellenabbau an und erwartet für das kommende Jahr einen Umsatzrückgang, da die Verkäufe von den USA bis nach China stagnieren. Bei Frasers dürfte die Frage im Fokus stehen, ob der Konzern seine Beteiligung an Under Armour weiter ausbaut – ähnlich wie bei Hugo Boss, wo die Beteiligung im August auf 48 Prozent stieg.
Kurz erklärt
- Beteiligung: Der Anteil an Aktien eines Unternehmens, den ein Investor hält.
- Athleisure Wear: Sportliche Kleidung, die auch im Alltag getragen wird.
- Pflichtangebot: Eine gesetzliche Verpflichtung, allen Aktionären ein Übernahmeangebot zu unterbreiten, wenn eine bestimmte Beteiligungsschwelle überschritten wird.
