Frankreich fördert grünen Wasserstoff ohne Strom aus Metallbrennstoff
Novacium-Konsortium sichert RAPID-Förderung von 1,2 Millionen Euro für das Metagene-Projekt.

Ein Konsortium unter der Führung des französischen Unternehmens Novacium hat Fördermittel der französischen Defence Innovation Agency (DIA) und der Generaldirektion für Rüstung (DGA) für das Metagene-Projekt zur grünen Wasserstofferzeugung gesichert. Gemeinsam mit der Open-Innovation-Chemieplattform Axel'One und dem Gasengineering-Unternehmen AD-VENTA will Novacium eine kompakte Hochdruck-Anlage entwickeln, die grünen Wasserstoff auf Basis eines festen und nicht gefährlichen metallischen Brennstoffs erzeugt.
Die Förderung wird im Rahmen des französischen Programms zur Unterstützung dual-use-Innovationen namens RAPID gewährt. Mit einem Budget von 1,2 Millionen Euro wird das Projekt zum maximalen Fördersatz von 80 Prozent unterstützt, der im Rahmen des Programms vorgesehen ist. Das RAPID-Programm wählt aufgrund seiner hohen Anforderungen nur eine begrenzte Anzahl von Projekten jährlich aus – ein Beleg für die hohe Bewertung des Metagene-Vorhabens durch die französischen Behörden.
Das 30-monatige Metagene-Projekt startete am 1. September als innovatives, patentiertes Verfahren zur Erzeugung von grünem Wasserstoff ohne Strom. Der Wasserstoff wird sowohl für zivile als auch militärische Zwecke direkt am Einsatzort aus einem festen metallischen Brennstoff auf Basis von Aluminium und Silizium gewonnen, der bei Kontakt mit Wasser in Gegenwart eines Aktivators Wasserstoff freisetzt.
Technologie ohne Strombedarf und Treibhausgase
Im Gegensatz zur herkömmlichen Elektrolyse benötigt die Reaktion keine Stromquelle und erzeugt keine Treibhausgase; stattdessen entsteht ein inertes festes Nebenprodukt. In fester Schüttform ist der Brennstoff inert und nicht als gefährlicher Stoff eingestuft, was Transport und Lagerung erheblich vereinfacht. Mit einer hohen Energiedichte von etwa 1,25 Kubikmetern Wasserstoff pro Kilogramm Brennstoff bietet Metagene eine Alternative zur herkömmlichen Wasserstofferzeugung und zum Wasserstofftransport.
Die Technologie war bereits Gegenstand zweier industrieller Partnerschaften. Im April 2025 wurde ein Memorandum of Understanding mit dem Recycled-Aluminium-Hersteller GLD Alloys unterzeichnet, um die Versorgung mit kohlenstoffarmem Aluminium für den Brennstoff zu sichern. Im Dezember 2025 folgte ein industrielles Kooperationsabkommen mit AD-VENTA bezüglich der Integration des Metagene-Reaktors in eine Hochdruck-Wasserstoffabgabestation, die täglich bis zu 20 Kilogramm Wasserstoff bereitstellen kann.
Die RAPID-Förderung unterstützt die Entwicklungs- und Validierungsphase dieser Station, wobei die drei Projektpartner komplementäre Expertise im Wasserstoffbereich einbringen. Novacium als Konsortialführer entwickelt den metallischen Brennstoff und den Wasserstofferzeugungsreaktor sowie das Projektmanagement. AD-VENTA, ein Spezialist für Hochdruck-Wasserstoffsysteme, passt seine Kompressions- und Abgabestation an, um diesen Reaktor zu integrieren. Axel'One, eine kollaborative Plattform für Chemie und Umwelt, bringt ihre Fähigkeiten in der Gasanalyse und Charakterisierung sowie ihre Erfahrung mit Reaktoren und Wasserstoffreinigung ein.
Partner bündeln Expertise für Demonstrator
„Wir bündeln die gesamte erforderliche Expertise, von der Brennstoffchemie bis hin zur Hochdruckstation, um Metagene vom Labor in einen betriebsbereiten Demonstrator zu überführen", sagt Dr. Jed Kraiem, COO und Mitgründer von Novacium. AD-VENTA-Geschäftsführer und Präsident Jean-Luc Mussot fügt hinzu, dass Metagene besonders gut für dezentrale Hochdruck-Wasserstofferzeugungen in abgelegenen Umgebungen geeignet sei. Die französische Förderung werde es den Partnern ermöglichen, den Reaktor von Novacium in die Abgabelösung von AD-VENTA zu integrieren und dessen Leistung unter realen Bedingungen zu validieren.
Metagene wird entwickelt, während der globale Markt für grünen Wasserstoff bis 2030 voraussichtlich einen Wert von 500 Milliarden US-Dollar erreichen wird. Allein im Mobilitätssegment wird der Wasserstoffmarkt bis dahin auf etwa 25 Milliarden Euro geschätzt, während autonome Energiesysteme für Verteidigungsanwendungen – wie Drohnen, Fahrzeuge und Basen – einen geschätzten Markt zwischen 5 Milliarden und 10 Milliarden Euro repräsentieren.
Durch die Erzeugung von Wasserstoff am Einsatzort, ohne Strom oder große Infrastruktur, vermeidet die Lösung die Kosten und Einschränkungen, die mit dem Transport und der Speicherung von Druckwasserstoff verbunden sind, die heute oft 50 Euro pro Kilogramm überschreiten. Der Brennstoff nutzt reichlich vorhandene, kostengünstige Metalle, Aluminium und Silizium, mit Rohstoffkosten von etwa 20 Euro bis 30 Euro pro Kilogramm produzierten Wasserstoff vor Ort.
Breites Anwendungsspektrum für dezentrale Erzeugung
Diese Vorteile adressieren praktische Bedürfnisse zahlreicher Sektoren und Anwendungen, darunter netzunabhängige Industriestandorte, saubere Mobilität, autonome Verteidigungsbasen, Kommunikationsstationen und Überwachungsdrohnen. Dies sind alles Anwendungsfälle, in denen dezentrale, sichere und wettbewerbsfähige Wasserstofferzeugung einen entscheidenden Vorteil bietet.
Für deutsche Leser ist die Entwicklung insofern relevant, als sie einen alternativen Ansatz zur Wasserstoffwirtschaft aufzeigt, der ohne die aufwendige Elektrolyse-Infrastruktur und ohne Stromnetz auskommt. Während Deutschland stark auf Elektrolyse und den Aufbau einer Wasserstoff-Pipeline-Infrastruktur setzt, könnte die französische Metallbrennstoff-Technologie insbesondere für abgelegene Standorte und mobile Anwendungen eine Ergänzung darstellen. Ob sich das Verfahren kommerziell durchsetzt, hängt von der erfolgreichen Validierung im Rahmen des nun geförderten Demonstrator-Projekts ab.
