Ferrari-Chef Elkann optimistisch für KI – warnt aber vor Geschäftsmodell-Risiken
John Elkann glaubt nicht an eine KI-Blase, sieht aber ein gefährliches Ungleichgewicht zwischen Investitionen und Umsatzmodellen.

Ferrari-Verwaltungsratsvorsitzender John Elkann hat Warnungen vor einer KI-Blase klar zurückgewiesen. In einem exklusiven Interview mit CNBC am Rande der Technologiekonferenz Wave 2026 in Turin erklärte der milliardenschwere Industrielle, dass selbst eine Marktkorrektur den langfristigen Fortschritt der Künstlichen Intelligenz nicht aufhalten werde. Gleichzeitig räumte er ein, dass ein Ungleichgewicht zwischen rasant steigenden Infrastrukturinvestitionen und unklaren Geschäftsmodellen ein reales Risiko für die Märkte darstelle.
Elkann, der neben seinem Amt als Ferrari-Präsident auch Vorsitzender des Automobilkonzerns Stellantis ist und dem Verwaltungsrat von Meta Platforms angehört, investiert über die Familienholding Exor in Technologieunternehmen. Seine Einschätzungen zur KI-Entwicklung sind damit nicht nur akademischer Natur, sondern spiegeln die Perspektive eines aktiven Investors wider. Das Interview führte CNBC-Moderatorin Carolin Roth am Rande der diesjährigen Wave 2026 – ehemals bekannt als Italian Tech Week.
Die Details
Elkann unterschied in seinem Statement klar zwischen verschiedenen Arten von Blasen. Er beschrieb zum einen rein finanzspekulativ getriebene Blasen und zum anderen solche, die durch einen schnellen Aufbau von Investitionen und Infrastruktur entstehen. Für ihn ist entscheidend, dass Anleger ihren Fokus auf die Entwicklungsrichtung der Technologie richten – unabhängig von kurzfristigen Marktschwankungen.
„Ich gehöre nicht zum Lager derer, die an eine Blase glauben", sagte Elkann gegenüber CNBC. „Ich glaube letztlich nicht, dass Blasen oder das Platzen von Blasen ein Hindernis für den Fortschritt und dessen Verlauf sein werden." Gleichzeitig benannte er präzise, wo er die eigentliche Gefahr sieht: „Weniger sicher ist, welche Mechanismen zur Umsatzgenerierung und welche Geschäftsmodelle aus dieser Technologie entstehen. Genau dort muss man beobachten, wo es zu einem Ungleichgewicht kommen kann."
Der Energie- und Rechenbedarf für KI-gestützte Technologien werde laut Elkann weiterhin hoch bleiben. Die Frage, wie Unternehmen aus dieser Nachfrage tatsächlich Kapital schlagen, bleibt für ihn hingegen offen. Diese Einschätzung ist bemerkenswert, da sie die Investitionslogik vieler KI-Enthusiasten auf den Prüfstand stellt: Infrastruktur allein schafft noch keinen Unternehmenswert.
Zum europäischen Technologiestandort äußerte sich Elkann ebenfalls optimistisch. Angesichts des zunehmend erbitterten Technologiewettbewerbs zwischen den USA und China könnten europäische Unternehmen „unglaubliche technische Fähigkeiten" bieten. Als konkretes Beispiel nannte er das in Mailand ansässige Konglomerat Bending Spoons – Eigentümer von Plattformen wie Vimeo, Eventbrite und AOL. Er bezeichnete das Unternehmen als „perfektes Beispiel dafür, wie ein in Italien entstandenes Unternehmen tatsächlich globale Ambitionen haben und in der Lage sein kann, in vielen verschiedenen Märkten zu wachsen und zu konkurrieren."
Zur Investitionslandschaft in Europa sagte Elkann: „Das Spektrum an Möglichkeiten bestimmt letztlich, wohin die Investoren gehen wollen. Je mehr Möglichkeiten es gibt, desto mehr Kapital wird in diese Gelegenheiten fließen." Und mit Blick auf Unternehmen wie Bending Spoons: „Je mehr solcher Unternehmen wir haben, desto mehr werden am Ende Investoren finden, die sie unterstützen."
Hintergrund: Was bisher geschah
Die Debatte um eine mögliche KI-Blase ist nicht neu – und Elkann positioniert sich damit klar gegen eine wachsende Zahl prominenter Mahner. Bereits am 4. Juni 2026 berichtete aktien.news, dass Hedgefonds-Legende Ray Dalio in einem Interview mit Bloomberg Television vor einer KI-Blase warnte. Dalio, Gründer von Bridgewater Associates, sagte damals unmissverständlich: „Alle großen technologischen Umbrüche erzeugen Blasen."
Am 17. August 2026 schlug auch die Europäische Zentralbank in einem Blogbeitrag Alarm. Die EZB-Autoren warnten vor einer wahrscheinlichen Marktkorrektur bei US-Technologieaktien und stellten fest, dass der Überschwang rund um Künstliche Intelligenz die Bewertungen führender Technologieunternehmen weit über den historischen Durchschnitt getrieben habe. Der Beitrag stellte ausdrücklich klar, nicht die offizielle Meinung der EZB widerzuspiegeln.
Am 19. September 2026 erneuerte Ray Dalio seine Warnung: Der KI-Boom zeige „klassische Anzeichen" einer Blase, mit verblüffenden Parallelen zu den Jahren 1929 und 2000. Als zentralen Beleg führte er das zyklisch angepasste Kurs-Gewinn-Verhältnis des S&P 500 an. Bereits am 12. Juni 2026 hatte aktien.news berichtet, dass Experten Europa als Schutz vor US-Marktrisiken empfehlen – ein Argument, das Elkanns Plädoyer für europäische Technologieunternehmen indirekt stützt.
Was das für Anleger bedeutet
Für deutsche Privatanleger liefert Elkanns Einschätzung eine differenzierte Perspektive auf den KI-Sektor. Einerseits signalisiert ein erfahrener Technologieinvestor mit direktem Zugang zu Unternehmen wie Meta, dass er den strukturellen KI-Trend für intakt hält. Andererseits benennt er klar das zentrale Risiko: Die Lücke zwischen Infrastrukturaufbau und tatsächlich funktionierenden Geschäftsmodellen.
Anleger sollten daher zwischen zwei Ebenen unterscheiden: dem langfristigen technologischen Fortschritt, den Elkann für unaufhaltsam hält, und der kurzfristigen Frage, welche Unternehmen aus KI tatsächlich Umsätze und Gewinne generieren können. Wer in KI-Infrastruktur investiert – etwa in Rechenzentren oder Energieversorgung –, setzt auf die erste Ebene. Wer auf KI-Anwendungsunternehmen setzt, trägt das Risiko unklarer Monetarisierung, das Elkann explizit anspricht.
Elkanns Hinweis auf europäische Technologieunternehmen wie Bending Spoons könnte zudem als Impuls verstanden werden, den Blick über den US-dominierten KI-Markt hinaus zu richten – ohne dass dies eine konkrete Anlageempfehlung darstellt.
Ausblick
Elkann äußerte sich grundsätzlich optimistisch für den KI-Ausbau im kommenden Jahrzehnt. Er erwartet, dass der Energie- und Rechenbedarf für KI-gestützte Technologien weiterhin hoch bleiben wird. Die entscheidende offene Frage bleibt für ihn, welche Geschäftsmodelle und Umsatzmechanismen sich aus der Technologie herausbilden werden – eine Antwort, die der Markt in den kommenden Jahren liefern muss.
Kurz erklärt
- KI-Infrastruktur: Bezeichnet die physische und technische Grundlage für KI-Anwendungen, etwa Rechenzentren, Chips und Energieversorgung.
- Geschäftsmodell: Beschreibt, wie ein Unternehmen mit seinem Angebot Einnahmen erzielt und langfristig profitabel wird.
- Marktkorrektur: Bezeichnet einen deutlichen, aber vorübergehenden Rückgang von Kursen nach einer Phase überdurchschnittlicher Bewertungen.
