Kalshi-Händler: 75 Prozent Chance auf über 5.100 KI-Rechenzentren bis 2027
Trotz wachsendem öffentlichen Widerstand steigt die Marktwahrscheinlichkeit für einen massiven Ausbau der KI-Rechenzentren in den USA deutlich an.

Die Prognoseplattform Kalshi zeigt derzeit eine Wahrscheinlichkeit von 75 Prozent, dass es vor 2027 mehr als 5.100 geplante und aktive Rechenzentren in den USA geben wird. Noch vor zwei Wochen lag diese Wahrscheinlichkeit bei lediglich 60 Prozent – ein bemerkenswerter Sprung innerhalb kurzer Zeit. Dieser Anstieg vollzieht sich ausgerechnet in einer Phase, in der der öffentliche Widerstand gegen neue Rechenzentrumsprojekte spürbar zunimmt.
Kommunen und Aktivisten äußern wachsende Bedenken gegenüber den Bauprojekten. Im Mittelpunkt der Kritik stehen steigende Energiekosten für Anwohner sowie ein erheblicher Wasserverbrauch, den solche Anlagen mit sich bringen. Dennoch signalisieren die Kalshi-Märkte, dass Händler den weiteren Ausbau der KI-Infrastruktur für sehr wahrscheinlich halten.
Die Details
Die Kontrakte auf Kalshi werden durch die Daten von Data Center Map abgerechnet und verifiziert – einer Website, die geplante und laufende Rechenzentren kartografiert. Laut Data Center Map gibt es derzeit bereits mehr als 4.700 in Betrieb befindliche und geplante Rechenzentren in den USA.
Unter den einzelnen Bundesstaaten nimmt Virginia eine klare Spitzenposition ein: Mit mehr als 670 geplanten und aktiven Anlagen führt der Staat die Rangliste an. Texas folgt mit 537 Rechenzentren auf dem zweiten Platz, während Kalifornien mit mehr als 200 Anlagen den dritten Rang belegt. Technologieunternehmen haben ihre Präsenz insbesondere in Bundesstaaten wie Texas, New Mexico und Arizona kontinuierlich ausgebaut.
Der Widerstand gegen diese Expansion wächst jedoch. Gemeinden und Aktivisten argumentieren, dass Rechenzentrumsprojekte die Versorgungskosten für die lokale Bevölkerung in die Höhe treiben und erhebliche Wassermengen verbrauchen. Dieses Spannungsfeld zwischen technologischem Ausbaubedarf und lokalem Widerstand prägt zunehmend die Debatte rund um die KI-Infrastruktur in den USA.
Hintergrund: Was bisher geschah
Bereits am 24.09.2026 berichtete aktien.news, dass Oracle Corp. dem Entwickler seines Rechenzentrumsprojekts in New Mexico – einer Abteilung von Blue Owl Capital Inc. – eine Mitteilung wegen höherer Gewalt („Force Majeure") zugesandt hat. Damit versuchte Oracle, sich vor den Kosten des Projekts zu schützen, ohne als Hauptmieter vollständig vom Standort abzurücken.
Ebenfalls am 24.09.2026 meldete aktien.news, dass die Oracle-Aktie infolge dieser Berichterstattung um 4 Prozent fiel. Bloomberg hatte zuvor berichtet, dass Oracle plant, Zahlungen für den als „Project Jupiter" bekannten Campus zu verschieben, falls dieser nicht wie erwartet im Jahr 2028 in Betrieb genommen wird.
Am 27.09.2026 berichtete aktien.news unter Berufung auf die Financial Times, dass Oracle Investoren des Rechenzentrums in New Mexico Auszahlungen garantiert hat – selbst dann, wenn der Konzern keine elektrische Versorgung sicherstellen kann, bevor das Projekt planmäßig ans Netz geht. Nach den Vertragsbedingungen bleibt Oracle demnach weiterhin verpflichtet, bis zu drei Jahre lang Zahlungen zu leisten. Hintergrund sind Genehmigungsverzögerungen, nachdem der lokale Widerstand gegen das Vorhaben gewachsen ist.
Bereits am 25.07.2026 hatte aktien.news berichtet, dass Oracle zu den führenden Anbietern von KI-Rechenleistung gehört und bis zum Geschäftsjahr 2027 mehr als 90 Milliarden Dollar in KI-Infrastruktur investieren will. Rund 40 Milliarden Dollar dieser Ausgaben sollen durch neue Schulden und die Ausgabe von Eigenkapital finanziert werden – ein Ausmaß, das Anleger weltweit beunruhigt.
Das von Oracle geplante Rechenzentrum in New Mexico stieß zudem auf regulatorische Hindernisse, nachdem die Behörden des Bundesstaates Anträge für ein Gaspipeline-Projekt zur Energieversorgung des Standorts abgelehnt hatten.
Was das für Anleger bedeutet
Für deutsche Privatanleger, die in den Bereich KI-Infrastruktur investiert sind oder dies erwägen, liefern die Kalshi-Marktdaten ein interessantes Stimmungsbild. Die Prognosemärkte gelten als Aggregator kollektiver Erwartungen – der deutliche Anstieg der Wahrscheinlichkeit von 60 auf 75 Prozent innerhalb von zwei Wochen zeigt, dass Marktteilnehmer den Ausbau der Rechenzentrumskapazitäten trotz aller Widerstände für sehr wahrscheinlich halten.
Gleichzeitig verdeutlichen die Entwicklungen rund um Oracle, dass der Weg zu neuen Rechenzentren mit erheblichen regulatorischen und lokalen Risiken verbunden ist. Force-Majeure-Klauseln, abgelehnte Pipeline-Genehmigungen und öffentlicher Widerstand können Projekte verzögern und Kosten in die Höhe treiben. Anleger sollten diese Risikofaktoren bei der Bewertung von Unternehmen mit großen Rechenzentrumsambitionen im Blick behalten.
Hinweis: CNBC und Kalshi unterhalten eine Geschäftsbeziehung, die die Kundenakquise und eine Minderheitsbeteiligung umfasst. Dies ist bei der Einordnung der Kalshi-Daten zu berücksichtigen.
Ausblick
Das Oracle-Rechenzentrum in New Mexico, bekannt als „Project Jupiter", soll planmäßig im Jahr 2028 in Betrieb gehen. Ob dieser Zeitplan angesichts der regulatorischen Hürden und des lokalen Widerstands eingehalten werden kann, bleibt offen. Oracle hat sich mit der Force-Majeure-Erklärung eine vertragliche Absicherung für den Fall geschaffen, dass das Projekt nicht termingerecht ans Netz geht.
Die Kalshi-Kontrakte zur Gesamtzahl der US-Rechenzentren werden anhand der Daten von Data Center Map abgerechnet. Ob die Marke von 5.100 geplanten oder aktiven Rechenzentren vor 2027 erreicht wird, hängt vom weiteren Ausbautempo der Technologieunternehmen ab – und davon, wie erfolgreich lokale Widerstände und Regulierungsbehörden neue Projekte bremsen können.
Kurz erklärt
- Force Majeure: Eine Vertragsklausel, die eine Partei von ihren Verpflichtungen befreit oder schützt, wenn außergewöhnliche, nicht vorhersehbare Ereignisse eintreten.
- Prognosemarkt: Eine Handelsplattform, auf der Teilnehmer Kontrakte auf den Ausgang zukünftiger Ereignisse kaufen und verkaufen, wobei der Preis die kollektive Wahrscheinlichkeitseinschätzung widerspiegelt.
- Data Center Map: Eine Datenbank und Kartierungsplattform, die geplante und in Betrieb befindliche Rechenzentren weltweit erfasst und als Referenzquelle für Marktkontrakte dient.
