Blockchain.com beantragt CFTC-Lizenzen für Prognosemärkte und Kryptoderivate
Das Krypto-Unternehmen will in den USA Ereigniskontrakte und Perpetual Futures für Privat- und Institutionalkunden anbieten.

Blockchain.com drängt in den boomenden US-Markt für Prognosemärkte und Kryptoderivate. Das Unternehmen hat bei der Commodity Futures Trading Commission (CFTC) zwei Lizenzen beantragt, um sowohl Privatkunden als auch institutionellen Kunden in den USA Ereigniskontrakte sowie Kryptoderivate anzubieten. Das teilte Blockchain.com dem US-Sender CNBC mit.
Konkret strebt Blockchain.com eine DCM-Lizenz (Designated Contract Market) an, die das Unternehmen offiziell als Terminbörse einstufen würde. Gleichzeitig wird die Registrierung als Futures Commission Merchant (FCM) beantragt – eine Zulassung, die Brokern für Derivatekontrakte entspricht. Beide Lizenzen zusammen würden Blockchain.com erlauben, ein vollständiges Angebot an regulierten Derivate- und Prognosemarktprodukten in den USA aufzubauen.
CEO und Mitbegründer Peter Smith begründete den Schritt mit dem Ziel einer integrierten Nutzererfahrung: „Nutzer sollten in der Lage sein, ihre digitalen Vermögenswerte zu verwalten, Derivate zu handeln und Positionen auf reale Ereignisse einfach einzugehen, ohne zwischen verschiedenen Apps wechseln zu müssen." Smith ergänzte: „Unsere DCM- und FCM-Anträge zielen darauf ab, diese Zukunft in den USA über die entsprechenden regulatorischen Rahmenbedingungen zu gestalten."
Die Details
Blockchain.com ist kein Neuling im Bereich Prognosemärkte. Das Unternehmen bietet bereits für einen Teil seiner internationalen Kunden Prognosemärkte über eine Partnerschaft mit Polymarket sowie Perpetual Futures auf Basis von Hyperliquid an – beides seit Anfang dieses Jahres. Mit den CFTC-Anträgen soll dieses Angebot nun auf den regulierten US-Markt ausgeweitet werden.
Blockchain.com reiht sich damit in eine wachsende Gruppe von Bewerbern ein. Allein in diesem Jahr haben elf weitere Unternehmen Anträge auf DCM-Lizenzen gestellt. Die CFTC hat im Jahr 2026 bislang sechs neue DCMs genehmigt. Der Wettbewerb um regulierte Zulassungen im Bereich Prognosemärkte und Kryptoderivate ist damit erheblich.
Der Markt für Ereigniskontrakte ist bereits von mehreren etablierten Akteuren besetzt. Die Kryptobörsen Crypto.com und Gemini Space Station betreiben eigene Marktplätze für Ereigniskontrakte. Coinbase bietet diese primär über eine Partnerschaft mit Kalshi an. Gleichzeitig drängen Prognosemarkt-Plattformen in den Kryptobereich: Kalshi hat Perpetual Futures für US-Kunden eingeführt, Polymarket für internationale Kunden.
Neben den Lizenzanträgen befindet sich Blockchain.com mitten in einem Börsengang. Im Mai reichte das Unternehmen vertraulich Unterlagen für einen IPO bei der US-Börsenaufsicht Securities and Exchange Commission (SEC) ein. Bloomberg berichtete im vergangenen Monat, dass Blockchain.com noch in diesem Jahr an die Börse gehen wolle und dabei eine Bewertung zwischen 4 Milliarden und 6 Milliarden US-Dollar anstrebe.
Hintergrund: Was bisher geschah
Die regulatorische Entwicklung rund um Prognosemärkte in den USA hat in den vergangenen Monaten erheblich an Fahrt aufgenommen. Bereits am 13. März 2026 berichtete aktien.news, dass die CFTC einen regulatorischen Hinweis zur Notierung von Ereigniskontrakten herausgegeben hatte. Die Behörde erinnerte zugelassene Börsen an ihre Verpflichtungen und betonte gleichzeitig, Wachstum und Innovation in diesem Segment fördern zu wollen.
Ebenfalls am 13. März 2026 leitete die CFTC ein formelles Konsultationsverfahren ein, um öffentliche Stellungnahmen zu möglichen neuen Regeln für Ereigniskontrakte zu sammeln. CFTC-Vorsitzender Michael S. Selig bezeichnete den Schritt als Teil der Bemühungen, verantwortungsvolle Innovationen an den Derivatemärkten zu fördern.
Am 10. Juni 2026 veröffentlichte die CFTC dann konkrete Regulierungsentwürfe für die Branche der Prognosemärkte. Vorsitzender Michael Selig erklärte, die vorgeschlagenen Regeln böten „ein Mittel zum Schutz der Marktintegrität, ohne verantwortungsvoller Innovation im Wege zu stehen." Ziel war es, die bundesstaatliche Kontrolle über Unternehmen zu festigen, die in den Bereichen Politik- und Sportwetten stark gewachsen sind.
Zuletzt berichtete aktien.news am 22. September 2026, dass die Prognosemarkt-Plattform Kalshi bei der CFTC einen Antrag auf Margin-Handel für Event-Verträge gestellt hatte. Kalshi Klear, die interne Clearingstelle des Unternehmens, reichte den Antrag ein – ein weiterer Schritt im Wettlauf um institutionelle Liquidität an Prognosemärkten.
Was das für Anleger bedeutet
Für deutsche Privatanleger ist Blockchain.com vor allem als Plattform für digitale Vermögenswerte bekannt. Die Lizenzanträge in den USA sind ein Signal, dass das Unternehmen sein Geschäftsmodell erheblich ausweiten will – weg vom reinen Krypto-Wallet-Anbieter, hin zu einer regulierten Handelsplattform für Derivate und Ereigniskontrakte.
Der geplante Börsengang macht Blockchain.com für Anleger potenziell direkt investierbar. Eine angestrebte Bewertung zwischen 4 und 6 Milliarden US-Dollar würde das Unternehmen in eine Reihe mit anderen börsennotierten Krypto-Unternehmen stellen. Allerdings sind weder der Zeitpunkt des IPO noch die endgültige Bewertung bislang offiziell bestätigt.
Die zunehmende Regulierung des Prognosemarkt-Sektors durch die CFTC schafft einerseits Rechtssicherheit für Anbieter, andererseits erhöht sie die Eintrittsbarrieren für neue Wettbewerber. Unternehmen mit genehmigten DCM-Lizenzen könnten dadurch einen strukturellen Vorteil gegenüber nicht lizenzierten Plattformen erlangen.
Ausblick
Blockchain.com hat angekündigt, noch in diesem Jahr den Börsengang vollziehen zu wollen. Die vertraulich eingereichten IPO-Unterlagen bei der SEC sind ein erster formeller Schritt in diese Richtung. Über den genauen Zeitplan und die endgültige Bewertung gibt es bislang keine offiziellen Angaben des Unternehmens.
Die CFTC-Lizenzanträge für DCM und FCM befinden sich im Prüfverfahren. Ein konkreter Zeitrahmen für eine Entscheidung der Behörde wurde nicht genannt. Angesichts der Tatsache, dass die CFTC im Jahr 2026 bereits sechs neue DCMs genehmigt hat, zeigt die Behörde grundsätzliche Offenheit gegenüber neuen Marktteilnehmern.
Kurz erklärt
- DCM (Designated Contract Market): Eine von der CFTC zugelassene Terminbörse, die regulierten Handel mit Futures und Optionskontrakten anbieten darf.
- FCM (Futures Commission Merchant): Ein bei der CFTC registrierter Broker, der Kundenaufträge für Derivatekontrakte entgegennehmen und ausführen darf.
- Ereigniskontrakte (Event Contracts): Finanzinstrumente, bei denen der Auszahlungsbetrag vom Ausgang eines realen Ereignisses abhängt, etwa eines Wahlergebnisses oder einer wirtschaftlichen Kennzahl.
- Perpetual Futures: Unbefristete Terminkontrakte ohne festes Ablaufdatum, die vor allem im Kryptobereich weit verbreitet sind.
