Fed-Unabhängigkeit in Gefahr: DOJ ermittelt gegen Powell
Der Konflikt zwischen Fed-Chef Jerome Powell und Präsident Trump eskaliert. Das Justizministerium hat Vorladungen gegen Powell erlassen – Analysten warnen vor steigenden Zinsen.

Die Spannungen zwischen der US-Notenbank Federal Reserve und dem Weißen Haus haben eine neue Dimension erreicht. Das Justizministerium (DOJ) hat Vorladungen gegen Fed-Vorsitzenden Jerome Powell erlassen, offiziell wegen Aussagen zu einem Gebäuderenovierungsprojekt. Powell selbst sieht darin jedoch einen Angriff auf die Unabhängigkeit der Zentralbank.
Hintergrund der Ermittlungen
Auslöser der DOJ-Ermittlungen sind Äußerungen Powells vom vergangenen Sommer zur 2,5 Milliarden Dollar teuren Renovierung des Fed-Hauptquartiers in Washington. Das Justizministerium droht mit der Veröffentlichung einer Strafanzeige wegen angeblicher Kostenüberschreitungen bei dem Bauprojekt.
Powell wies die Vorwürfe in einer auf der Fed-Website veröffentlichten Stellungnahme entschieden zurück: "Das sind Vorwände. Hier geht es darum, ob die Fed in der Lage sein wird, die Zinssätze weiterhin auf der Grundlage von Daten und wirtschaftlichen Bedingungen festzulegen – oder ob die Geldpolitik stattdessen durch politischen Druck oder Einschüchterung gesteuert wird."
Analysten warnen vor höheren Zinsen
Die Analysten von TD Cowen, darunter Jaret Seiberg, sehen in dem eskalierenden Streit erhebliche Risiken für die Finanzmärkte. In einer Kundenmitteilung warnten sie: "Unsere Sorge ist, dass dies zu höheren Zinssätzen führen wird, da der Markt die Fähigkeit der Fed infrage stellt, auf Anzeichen von Inflation zu reagieren."
Die Auseinandersetzung könnte Powell dazu zwingen, auch nach Ende seiner Amtszeit als Vorsitzender im Mai im Fed-Board zu bleiben, um die Unabhängigkeit der Institution zu verteidigen. Dies würde den Konflikt mit Präsident Trump, der Powell 2018 selbst zum Fed-Chef ernannte, weiter verschärfen.
Auswirkungen auf Trumps Wirtschaftspolitik
Besonders problematisch könnte der Konflikt für Trumps Bemühungen zur Senkung der Hypothekenzinsen werden. Die Regierung hat die staatlich kontrollierten Hypothekenfinanzierer Fannie Mae und Freddie Mac angewiesen, Hypothekenanleihen im Wert von 200 Milliarden Dollar zu kaufen.
Laut TD Cowen könnten steigende Zinsen aufgrund der Fed-Kontroverse diese Maßnahmen "negativ aufwiegen". Auch geplante Deregulierungen im Bankensektor, etwa eine Senkung der Eigenkapitalanforderungen, könnten beeinträchtigt werden, da solche Änderungen dem Fed-Vorstand vorgelegt werden müssen.
Trump dementiert Kenntnis
Kurz nach Powells öffentlicher Stellungnahme erklärte Präsident Trump gegenüber NBC News, er habe keine Kenntnis von den DOJ-Ermittlungen gegen den Fed-Vorsitzenden. Die Aussage steht im Kontrast zu Trumps wiederholter öffentlicher Kritik an Powell und dessen Zinspolitik.
Die Fed betonte, sie habe den Kongress durch Aussagen und öffentliche Offenlegungen stets über das Renovierungsprojekt auf dem Laufenden gehalten. Die Zentralbank sieht in den Ermittlungen einen Versuch, ihre Unabhängigkeit zu untergraben – ein Grundpfeiler des US-Finanzsystems seit ihrer Gründung.
