Zentralbanker unter Anklage: Globale Korruptionsfälle
Von Angola bis Deutschland: Weltweit geraten Zentralbankchefs wegen Korruptionsvorwürfen ins Visier der Justiz. Die Fälle reichen von Veruntreuung bis zu fragwürdigen Hotelrechnungen.

Zentralbanker genießen normalerweise hohes Ansehen und Vertrauen. Doch in zahlreichen Ländern mussten sich die obersten Währungshüter in den vergangenen Jahren strafrechtlichen Ermittlungen stellen. Die Vorwürfe reichen von millionenschwerer Veruntreuung bis zu ethischen Verstößen.
Schwere Fälle in Afrika
In Angola wurde der ehemalige Zentralbankgouverneur Valter Filipe da Silva 2020 verurteilt. Er hatte versucht, 500 Millionen US-Dollar von der Nationalbank abzuzweigen. Auch der Sohn des ehemaligen Präsidenten war in den Fall verwickelt.
Noch dramatischer verlief der Fall in Nigeria: Godwin Emefiele wurde 2023 als Zentralbankgouverneur suspendiert und anschließend wegen Betrugs in Höhe von 6,2 Millionen US-Dollar angeklagt. Emefiele bestreitet die Vorwürfe bis heute.
Auch Europa betroffen
Selbst in Deutschland blieb die Bundesbank nicht verschont. Ernst Welteke trat 2004 als Bundesbankpräsident zurück, nachdem bekannt wurde, dass eine Privatbank rund 7.700 Euro für den Aufenthalt seiner Familie in einem Berliner Luxushotel bezahlt hatte. Obwohl keine strafrechtliche Anklage erfolgte, zahlte Welteke eine Geldbuße von 25.000 Euro.
Im Libanon wurde der ehemalige Zentralbankgouverneur Riad Salameh 2024 wegen Veruntreuung festgenommen. Der frühere Merrill-Lynch-Banker wird von vielen Libanesen für die Finanzkrise 2019 verantwortlich gemacht, die zu einem Wirtschaftskollaps führte. Er wurde gegen Kaution freigelassen und bestreitet die Vorwürfe.
Malta und Türkei im Fokus
Auf Malta muss sich Edward Scicluna vor Gericht verantworten. Dem damaligen Zentralbankgouverneur wird im Zusammenhang mit einem Krankenhausprivatisierungsgeschäft Korruption vorgeworfen. Er bezeichnet die Anschuldigungen als politisch motiviert.
In der Türkei nahmen die Behörden 2023 den ehemaligen stellvertretenden Zentralbankgouverneur Emrah Sener wegen Korruptionsvorwürfen fest. Auch er bestreitet die Anschuldigungen. Seine Festnahme erfolgte im Rahmen einer von Präsident Erdogan initiierten Umstrukturierung.
Russland nach Finanzkrise
Nach der Finanzkrise von 1998 geriet die russische Zentralbank wegen angeblicher Unregelmäßigkeiten bei einem IWF-Rettungsdarlehen über 4,8 Milliarden US-Dollar unter Beobachtung. Der damalige Zentralbankchef bestritt die Veruntreuung von Geldern.
Auch die Fed nicht immun
Selbst in den USA blieb die Federal Reserve nicht von Kontroversen verschont. 2021 traten zwei Präsidenten regionaler Fed-Banken zurück, nachdem sie für private Handelsgeschäfte während ihrer Amtszeit kritisiert wurden. Der Generalinspektor der Fed sprach sie 2024 zwar vom Vorwurf des Gesetzesverstoßes frei, stellte jedoch fest, dass sie ihre Offenlegungspflichten nicht ordnungsgemäß erfüllt hatten.
Die Fälle zeigen: Auch die mächtigsten Währungshüter stehen nicht über dem Gesetz. Die Unabhängigkeit von Zentralbanken ist ein hohes Gut – doch sie entbindet nicht von ethischen Standards und rechtlicher Verantwortung.
