Fed-Unabhängigkeit unter Druck: Goldman Sachs warnt vor Folgen
Die drohende Untersuchung gegen Fed-Chef Jerome Powell sorgt für Unruhe an den Märkten. Goldman Sachs verschiebt seine Zinsprognosen und warnt vor politischer Einflussnahme auf die Notenbank.

Die Unabhängigkeit der US-Notenbank Federal Reserve gerät zunehmend unter Druck. Jan Hatzius, Chefökonom von Goldman Sachs, äußerte sich am Montag besorgt über eine mögliche strafrechtliche Untersuchung gegen Fed-Vorsitzenden Jerome Powell. Die Entwicklung könnte weitreichende Folgen für die Geldpolitik und die Finanzmärkte haben.
Goldman Sachs verteidigt Fed-Unabhängigkeit
Hatzius, der auch dem Managementkomitee von Goldman Sachs angehört, betonte, dass die Nachricht über die drohende Untersuchung die Sorgen um die Unabhängigkeit der Notenbank "wirklich verstärkt" habe. Er zeigte sich jedoch überzeugt, dass Powell seine Entscheidungen weiterhin ausschließlich auf Basis wirtschaftlicher Daten treffen werde. Der Chefökonom ist der erste hochrangige Wall-Street-Manager, der sich öffentlich zu dem Thema äußert.
Die Trump-Regierung hatte den Druck auf die Fed zuletzt erhöht und Powell mit einer Anklage gedroht. Der Fed-Chef selbst bezeichnete dies als "Vorwand", um mehr Einfluss auf die Zinspolitik zu gewinnen. Präsident Trump drängt auf drastische Zinssenkungen, um die Wirtschaft anzukurbeln.
Weiße Haus dementiert Einflussnahme
Kevin Hassett, Wirtschaftsberater des Weißen Hauses, dementierte seine Beteiligung an Gesprächen mit dem Justizministerium bezüglich der Untersuchung. Gegenüber CNBC erklärte er, er respektiere die Unabhängigkeit sowohl der Fed als auch des Justizministeriums. Hassett räumte jedoch "dramatische Kostenüberschreitungen" bei der Renovierung der Fed-Gebäude ein.
Trotz der laufenden Untersuchung bestätigte Hassett sein anhaltendes Interesse an einer Position bei der Notenbank. Auf die Frage, ob Trump die Untersuchung genehmigt habe, äußerte sich Hassett nicht eindeutig. Er betonte lediglich, dass die Wirtschaft "nicht wegen der Fed boomt".
Goldman passt Zinsprognosen an
Infolge der jüngsten Entwicklungen hat Goldman Sachs seine Erwartungen für Zinssenkungen der Fed angepasst. Die Investmentbank rechnet nun mit zwei Zinssenkungen um jeweils 25 Basispunkte im Juni und September 2026. Ursprünglich hatte Goldman Schritte im März und Juni erwartet.
Die Verschiebung begründet Hatzius mit schwächeren Arbeitsmarktdaten und Anzeichen einer allmählichen Abschwächung. Trotz eines stärker als erwarteten BIP-Wachstums sieht der Chefökonom die Risiken für die Zinsprognosen eher nach unten tendieren. Er erwartet zudem einen möglichen Rückgang der Zölle vor den Midterm-Wahlen im November.
Oberster Gerichtshof könnte eingreifen
Eine weitere Unsicherheit ergibt sich aus möglichen Urteilen des Obersten Gerichtshofs zu den weitreichenden globalen Zöllen von Präsident Trump. Sollte das Gericht die Gültigkeit der Zölle aufheben, könnte dies erhebliche Auswirkungen auf die Wirtschaftspolitik haben. Erste Entscheidungen in mehreren wichtigen anhängigen Fällen werden voraussichtlich am Mittwoch erwartet.
Für deutsche Anleger bedeutet die Unsicherheit um die Fed-Unabhängigkeit erhöhte Volatilität an den Märkten. Die Entwicklung könnte auch Auswirkungen auf die Europäische Zentralbank haben, da eine politisierte US-Notenbank die globalen Finanzmärkte beeinflussen würde.
