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Fed-Bericht entlastet Jerome Powell im Streit um Baukosten-Skandal

Der Generalinspekteur der US-Notenbank findet keine Beweise für Fehlverhalten, kritisiert aber scharf die Kostenexplosion beim Fed-Hauptquartier.

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Fed-Bericht entlastet Jerome Powell im Streit um Baukosten-Skandal

Der unabhängige Generalinspekteur der US-Notenbank Federal Reserve (Fed) hat in einem umfassenden Bericht festgestellt, dass es keine Beweise für kriminelles Fehlverhalten oder administrative Verfehlungen im Zusammenhang mit der milliardenschweren Renovierung des Fed-Hauptquartiers gibt. Der 120-seitige Bericht entkräftet damit die Vorwürfe, die während der Amtszeit des ehemaligen Fed-Chefs Jerome Powell erhoben wurden. Für den ehemaligen Notenbankchef bedeutet das Dokument eine späte rechtliche Entlastung.

Dennoch übt der Bericht scharfe Kritik an der Projektsteuerung. Die Kosten für die Sanierung der beiden historischen Gebäude am National Mall in Washington sind von ursprünglich geschätzten 1,3 Milliarden US-Dollar im Jahr 2020 auf mittlerweile rund 2,4 Milliarden US-Dollar gestiegen – nahezu eine Verdopplung binnen weniger Jahre. Der Bericht identifizierte erhebliche Mängel in der Aufsicht. Insbesondere wurde versäumt, eine verbindliche Preisobergrenze („guaranteed maximum price“) durchzusetzen, was dazu führte, dass Subunternehmer die Kosten und Zeitpläne kontinuierlich nach oben korrigierten. So stiegen etwa die Ausgaben für Sanitär- und Klimaanlagen um 223 Prozent auf 346 Millionen US-Dollar.

Politisches Tauziehen um die Notenbank

Die Renovierung war zum zentralen Streitpunkt zwischen Präsident Donald Trump und Jerome Powell geworden. Trump hatte die Kostenexplosion wiederholt genutzt, um Powell unter Druck zu setzen und ihn zu einer Senkung der Zinssätze zu bewegen. Im Januar 2026 hatte die US-Staatsanwaltschaft unter Jeanine Pirro sogar strafrechtliche Ermittlungen gegen Powell eingeleitet, die dieser als politisch motiviertes Einschüchterungsmanöver bezeichnete. Ein Bundesrichter stoppte die Ermittlungen im März mit der Begründung, die Vorladungen dienten lediglich dazu, Powell politisch zu untergraben. Die Ermittlungen wurden im April eingestellt, um den Weg für die Nominierung von Kevin Warsh als Powells Nachfolger freizumachen.

Trotz des Berichts forderte Präsident Trump auf „Truth Social“, dass Powell „zumindest“ von seinem verbleibenden Sitz im Board of Governors zurücktreten müsse. Er wies Generalstaatsanwalt Todd Blanche an, den Bericht zu prüfen. Die Reaktion zeigt, dass der politische Druck auf den ehemaligen Fed-Chef auch nach der formellen Entlastung nicht vollständig abreißt. Powell, der nach seinem Ausscheiden als Vorsitzender im April als Gouverneur im Board verblieben ist, hatte stets betont, er werde sein Amt erst niederlegen, wenn die Untersuchung mit Transparenz und Endgültigkeit abgeschlossen sei.

Neuer Vorsitzender kündigt Konsequenzen an

Der neue Fed-Vorsitzende Kevin Warsh kündigte an, die Empfehlungen des Generalinspekteurs umzusetzen und einen unabhängigen Wirtschaftsprüfer zu beauftragen, um die Kosten zu verifizieren. Zudem soll die General Services Administration (GSA) künftig die Projektleitung übernehmen – eine strukturelle Änderung, die künftig mehr Kontrolle über öffentliche Bauprojekte der Notenbank gewährleisten soll.

Während Kritiker wie Senator Tim Scott die mangelnde Haushaltsdisziplin bemängelten, betonten Unterstützer wie Senatorin Elizabeth Warren, dass der Bericht jede Grundlage für eine Fortsetzung der „Hexenjagd“ gegen Powell entziehe. Der Bericht des Generalinspekteurs, Michael Horowitz, räumt nun die letzten formellen rechtlichen Drohungen gegen den ehemaligen Notenbankchef aus. Damit dürfte sich der Fokus wieder stärker auf die geldpolitische Ausrichtung der Fed verschieben – und weniger auf die Baustelle am National Mall.

Für deutsche Anleger ist die Entwicklung in Washington von Bedeutung: Die Fed bestimmt mit ihrer Zinspolitik maßgeblich die globalen Finanzmärkte, den Dollar-Kurs und die Bewertung von US-Anleihen. Ein dauerhafter politischer Streit um die Führung der Notenbank birgt Risiken für die Erwartung einer unabhängigen Geldpolitik – ein Faktor, der auch die Europäische Zentralbank und die Kapitalmärkte in Europa indirekt betrifft. Der Bericht dürfte zumindest kurzfristig für etwas mehr Ruhe an dieser Front sorgen. Ob die Debatte um Powells Vermächtnis und die milliardenschwere Renovierung damit endgültig beendet ist, bleibt jedoch offen.

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