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EZB-Ratsmitglied Kazaks: Zinserhöhung im April noch nicht ausgeschlossen

Lettlands Zentralbankchef Kazaks hält eine EZB-Zinserhöhung am 30. April für möglich – trotz ausbleibender großer Zweitrundeneffekte.

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EZB-Ratsmitglied Kazaks: Zinserhöhung im April noch nicht ausgeschlossen

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat eine Zinserhöhung auf ihrer Sitzung am 30. April noch nicht vollständig vom Tisch. Das machte EZB-Ratsmitglied Martins Kazaks am Rande der IWF-Tagung in Washington deutlich. Der lettische Zentralbankchef betonte gegenüber Reuters, dass jede Sitzung ergebnisoffen sei – auch wenn bis dahin noch zwei Wochen Zeit bleiben.

Hintergrund der Debatte ist die schnell steigende Inflation, die durch den Anstieg der Energiekosten infolge des Krieges im Iran angeheizt wird. Die EZB diskutiert derzeit intensiv, wann und wie stark sie ihren Leitzins von aktuell 2 % anheben soll. Die Frage lautet: bereits im April oder erst später?

Märkte rechnen kaum mit April-Schritt

Trotz der offenen Formulierungen von Kazaks zeigen die Finanzmärkte wenig Erwartung an eine sofortige Reaktion. Investoren preisen derzeit lediglich eine Chance von eins zu fünf für eine Zinserhöhung im April ein. Mehrere Währungshüter hatten sich in den vergangenen Tagen sowohl offiziell als auch inoffiziell geäußert und die Märkte dabei von einem April-Schritt wegzuleiten versucht.

Kazaks selbst spielte die Bedeutung der April-Sitzung teilweise herunter. Er argumentierte, dass die sechs Wochen zwischen den Sitzungen im April und Juni keinen großen Unterschied machen würden. Die Bank verfüge über alle notwendigen Flexibilitäten, um zu handeln, wenn es nötig sei.

Bis Juli ist eine Zinserhöhung laut Markterwartungen hingegen vollständig eingepreist, ein zweiter Schritt bis Dezember wird ebenfalls erwartet. „Ich halte diese Erwartungen für angemessen", sagte Kazaks. „Ein Schritt von 25 Basispunkten wäre kaum mehr als ein Signal."

Zweitrundeneffekte bisher ausgeblieben – aber Risiken bleiben

Ein zentrales Thema in der EZB-Debatte sind sogenannte Zweitrundeneffekte: Gemeint ist damit die Gefahr, dass steigende Energiepreise zu höheren Löhnen und in der Folge zu einer breit angelegten Inflation führen. Kazaks bestätigte, dass die EZB bisher noch keine größeren solcher Effekte beobachtet habe. „Es stimmt, dass wir bisher keine großen Zweitrundeneffekte festgestellt haben", sagte er. „Aber das bedeutet nicht, dass dies nicht geschehen wird, und wenn es soweit ist, müssen wir bereit sein zu handeln."

Besondere Sorge bereitet dem EZB-Ratsmitglied die Möglichkeit einer Preis-Lohn-Spirale. Unternehmen könnten angesichts der jüngsten Inflationserfahrungen schneller als in der Vergangenheit mit Preisanpassungen reagieren, Arbeitnehmer dürften rascher Lohnerhöhungen fordern. „Dies könnte dazu führen, dass sich der gesamte Inflationszyklus schneller entzündet", warnte Kazaks.

Energiepreise volatil, Ausblick unsicher

Die Energiepreise liegen laut Kazaks zwar nicht weit von der eigenen Basisprognose der EZB entfernt, sind jedoch weiterhin stark volatil. Der gesamtwirtschaftliche Ausblick sei zu unsicher, als dass die Notenbank die Hände in den Schoß legen könne. Die EZB müsse wachsam bleiben und flexibel auf neue Entwicklungen reagieren können.

Für deutsche Privatanleger und Sparer ist die Zinsentscheidung der EZB von unmittelbarer Bedeutung: Steigende Leitzinsen wirken sich auf Hypothekenzinsen, Tagesgeldkonten und Anleiherenditen aus. Die kommenden Wochen bis zur April-Sitzung dürften daher mit Spannung verfolgt werden.

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