EZB prüft Zinserhöhungen wegen Iran-Krieg und Energiepreisen
EZB-Vizepräsident De Guindos kündigt an, Zweitrundeneffekte des Konflikts auf Inflation genau zu beobachten.

EZB-Vizepräsident Luis de Guindos hat am Montag, dem 13. April, klargestellt, dass die Europäische Zentralbank mögliche Zinserhöhungen in Betracht ziehen wird – abhängig davon, ob der US-israelische Krieg gegen den Iran inflationäre Zweitrundeneffekte auslöst. Der Fokus der EZB liegt dabei insbesondere auf den Auswirkungen des Konflikts auf die Energiemärkte. De Guindos äußerte sich damit zu einem der drängendsten geldpolitischen Fragen, die Investoren und Märkte derzeit beschäftigen.
Der EZB-Vizepräsident betonte dabei eine wichtige Unterscheidung: Die Zentralbank könne den unmittelbaren, ersten Auswirkungen des Krieges nicht mit geldpolitischen Maßnahmen entgegenwirken. Direkte Preisschocks durch den Konflikt liegen damit zunächst außerhalb des Reaktionsrahmens der EZB. Anders verhält es sich jedoch mit den sogenannten Zweitrundeneffekten – also jenen indirekten Folgen, bei denen steigende Energiepreise zu breiteren Lohnerhöhungen und einer allgemeinen Teuerung führen.
Ölpreis über 100 Dollar – Hormus-Blockade als Auslöser
Der Hintergrund der Aussagen von De Guindos ist die eskalierende Lage im Nahen Osten. Berichten zufolge haben die USA eine Blockade der Straße von Hormus begonnen, nachdem US-Präsident Trump entsprechende Anordnungen erteilt haben soll. Die Straße von Hormus gilt als eine der strategisch wichtigsten Wasserstraßen der Welt, da ein erheblicher Teil des globalen Ölhandels durch sie abgewickelt wird. Als Reaktion auf diese Entwicklungen sind die Ölpreise auf über 100 US-Dollar pro Barrel gestiegen.
Für die Eurozone und insbesondere für Deutschland als stark energieabhängige Volkswirtschaft sind solche Preissteigerungen bei Rohöl von besonderer Bedeutung. Höhere Energiekosten verteuern nicht nur Kraftstoffe und Heizung für Verbraucher, sondern belasten auch die Produktionskosten der Industrie. Genau diese Weitergabe von Kosten an Verbraucher und Arbeitnehmer – in Form höherer Löhne und Preise – sind die Zweitrundeneffekte, die die EZB nun genau im Blick behält.
Was bedeutet das für die europäische Geldpolitik?
Die Aussagen von De Guindos verdeutlichen das Dilemma, vor dem die EZB steht: Einerseits kann sie geopolitisch bedingte Energiepreisschocks nicht direkt bekämpfen, ohne die Konjunktur unnötig zu bremsen. Andererseits darf sie nicht tatenlos zusehen, wenn sich Inflation durch Zweitrundeneffekte in der Breite der Wirtschaft festsetzt. Die EZB wird die Entwicklungen daher sorgfältig beobachten, bevor sie geldpolitische Konsequenzen zieht.
Für Anleger und Märkte bedeutet dies eine Phase erhöhter Unsicherheit. Die Frage, ob und wann die EZB auf die Folgen des Iran-Kriegs mit Zinserhöhungen reagiert, dürfte in den kommenden Wochen ein zentrales Thema bleiben. Goldman Sachs und andere große Finanzinstitute legen in diesem Umfeld ebenfalls ihre Zahlen vor, was die Marktvolatilität zusätzlich beeinflussen könnte.
