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Nahostkrieg überschattet IWF- und Weltbank-Jahrestagung mit Wachstumsschock

Der Krieg im Nahen Osten zwingt IWF und Weltbank, globale Wachstumsprognosen zu senken und Notfallhilfe von bis zu 70 Milliarden Dollar bereitzustellen.

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Nahostkrieg überschattet IWF- und Weltbank-Jahrestagung mit Wachstumsschock

Der Krieg im Nahen Osten hat die Jahrestagung von Internationalem Währungsfonds (IWF) und Weltbank in dieser Woche dominiert. Beide Institutionen kündigten an, ihre globalen Wachstumsprognosen zu senken und ihre Inflationserwartungen anzuheben. Besonders hart treffen die Folgen des Konflikts Schwellenländer und Entwicklungsländer, die mit steigenden Energiepreisen und gestörten Lieferketten kämpfen.

Vor dem Ausbruch des Iran-Krieges am 28. Februar hatten IWF und Weltbank noch mit einer Anhebung ihrer Wachstumsprognosen gerechnet. Die Weltwirtschaft hatte sich trotz der massiven Zölle, die US-Präsident Donald Trump ab dem vergangenen Jahr verhängt hatte, als widerstandsfähig erwiesen. Doch der Krieg hat eine Reihe von Schocks ausgelöst, die sowohl die Wachstumserholung als auch die Inflationsbekämpfung bremsen.

Drastisch revidierte Prognosen für Schwellenländer

Das Basisszenario der Weltbank sieht für Schwellenländer und Entwicklungswirtschaften nun ein Wachstum von 3,65 Prozent im Jahr 2026 vor – gegenüber noch 4 Prozent im Oktober. Sollte der Krieg länger andauern, könnte dieser Wert auf bis zu 2,6 Prozent sinken. Auch die Inflationserwartungen wurden deutlich nach oben korrigiert: Statt der zuvor prognostizierten 3 Prozent rechnet die Weltbank nun mit 4,9 Prozent Inflation in diesen Ländern im Jahr 2026 – im schlimmsten Fall sogar mit bis zu 6,7 Prozent.

Der IWF warnte zudem, dass rund 45 Millionen zusätzliche Menschen von akuter Ernährungsunsicherheit bedroht sein könnten, falls der Krieg anhält und die Düngemittellieferungen weiter gestört werden. Dies verdeutlicht die humanitäre Dimension des wirtschaftlichen Schocks, der weit über die Finanzmärkte hinausreicht.

Milliardenschwere Notfallpakete angekündigt

Angesichts der Krise mobilisieren beide Institutionen erhebliche Mittel. Der IWF erwartet einen kurzfristigen Notfallbedarf von 20 bis 50 Milliarden US-Dollar für einkommensschwache und energieimportierende Länder. Die Weltbank erklärte, sie könne kurzfristig rund 25 Milliarden US-Dollar über Krisenreaktionsinstrumente bereitstellen und bei Bedarf innerhalb von sechs Monaten bis zu 70 Milliarden US-Dollar mobilisieren.

Weltbank-Präsident Ajay Banga betonte gegenüber Reuters die Handlungsfähigkeit der Institutionen: „Führung ist entscheidend, und wir haben in der Vergangenheit Krisen bewältigt." Gleichzeitig räumte er ein: „Aber dies ist ein Schock für das System." Ökonomen mahnen die Regierungen unterdessen, bei der Entlastung ihrer Bürger nur gezielte und befristete Maßnahmen zu ergreifen, da breit angelegte Subventionen die Inflation weiter anheizen könnten.

Geopolitische Lähmung erschwert koordinierte Antwort

IWF und Weltbank agieren in einem schwierigen geopolitischen Umfeld. Die Spannungen zwischen den USA und China sind hoch, und die G20 – eigentlich das wichtigste Forum für koordinierte globale Wirtschaftspolitik – ist in ihrer Handlungsfähigkeit eingeschränkt. Die USA, die derzeit den rotierenden G20-Vorsitz innehaben, haben Südafrika von der Teilnahme ausgeschlossen, was die Konsensfindung zusätzlich erschwert.

Josh Lipsky, Leiter der Abteilung für internationale Wirtschaft am Atlantic Council, brachte das Dilemma auf den Punkt: „Man versucht, auf Basis eines Konsenses zu agieren, während es in der Welt derzeit über fast nichts einen Konsens gibt." Lipsky wertete die Signale von IWF und Weltbank dennoch als wichtiges Zeichen an private Gläubiger: „Dies ist nicht der Zeitpunkt, um aus Ländern zu fliehen, die sich in schwierigem Fahrwasser befinden."

Strukturelle Schwächen verschärfen die Lage

Experten weisen darauf hin, dass viele Schwellen- und Entwicklungsländer schlechter in diese Krise gestartet sind als bei früheren Schocks. Mary Svenstrup vom Center for Global Development, ehemalige hochrangige Beamtin des US-Finanzministeriums, betonte: „Diese Krise muss ein Katalysator für die IWF-Stakeholder sein, um wirklich darüber nachzudenken, wie der Fonds gefährdete Länder unterstützt." Die Länder verfügten über geringere Puffer, höhere Schuldenanfälligkeit und niedrigere Reserven als noch vor wenigen Jahren.

Hinzu kommt eine langfristige strukturelle Herausforderung: Bis 2035 werden in den Entwicklungsländern rund 1,2 Milliarden Menschen das erwerbsfähige Alter erreichen. Die betroffenen Volkswirtschaften müssen also gleichzeitig die Inflation eindämmen, das Wachstum stabilisieren und ausreichend Arbeitsplätze für eine wachsende Bevölkerung schaffen – eine Aufgabe, die durch den Krieg erheblich schwieriger geworden ist.

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