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Zinsängste kehren an die Wall Street zurück

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Zinsängste kehren an die Wall Street zurück

Die Wall Street startete nach der Feiertagspause holprig in die neue Woche. Besonders überraschend kehrten gestern die Zinsängste massiv zurück und belasteten die großen US-Indizes. Der Dow Jones kämpfte zwischenzeitlich mit der Marke von 34.000 Punkten und schloss letztendlich bei 34.053 Punkten, was einem Rückgang von 0,72 Prozent entspricht. In der Vorwoche konnte der Leitindex noch einen Zuwachs von rund 1,3 Prozent verzeichnen.

Die Technologiebörse Nasdaq hielt sich etwas besser und verzeichnete lediglich einen moderaten Rückgang von 0,16 Prozent. Der marktbreite S&P-500-Index schloss bei 4388 Punkten, was einem Rückgang von 0,47 Prozent entspricht. Insgesamt fiel es dem Markt schwer, nach der gestrigen Feiertagspause wieder in Schwung zu kommen.

Die Zentralbanken stehen weiterhin im Fokus der Anleger und die Frage, ob das Ende des Straffungszyklus näher ist als gedacht. US-Notenbanker haben aufgrund der nur langsam zurückgehenden Inflation weitere Zinserhöhungen angedeutet. Investoren warten gespannt auf die halbjährliche Anhörung von US-Notenbankchef Jerome Powell vor einem Ausschuss des Kongresses am Mittwoch. Powell wird voraussichtlich vorsichtig mit Aussagen zur geldpolitischen Stimmung sein, da bis zur nächsten Sitzung im Juli noch viele Konjunkturdaten veröffentlicht werden.

Die Zinserhöhungsspekulationen wurden zusätzlich durch den stärksten Anstieg der US-Hausbaubeginne seit rund drei Jahrzehnten genährt. Trotz Rezessionswarnungen zeigt sich die Konjunktur robuster als erwartet.

Die Geldpolitik der chinesischen Notenbank drückte ebenfalls auf die Gesamtstimmung. Obwohl die People's Bank of China die Zinsen senkte, fiel der Schritt mit 0,1 Prozentpunkten geringer aus als erwartet. Investoren betrachteten dies als unzureichend, um die erwartete Erholung der chinesischen Konjunktur zu unterstützen. Aus diesem Grund warfen einige Investoren US-Aktien chinesischer Firmen aus ihren Depots, was zu Kursverlusten bei ETFs von KraneShares und iShares führte. Titel chinesischer Konzerne wie Alibaba oder JD.com verzeichneten Kursrückgänge von bis zu 7,5 Prozent.

Auf der Paris Air Show standen die Aktien von Boeing im Fokus der Anleger. Obwohl der US-Flugzeughersteller erste Aufträge vermeldete, blieb er weit hinter den Bestellungen des Konkurrenten Airbus zurück. Die Boeing-Aktien verloren 3,4 Prozent.

Am deutschen Aktienmarkt verzeichnete der DAX den zweiten Tag in Folge Verluste und entfernte sich weiter von seinem erst am Freitag erreichten Rekordhoch von 16.427 Punkten. Der Xetra-Handel endete bei 16.111 Zählern, was einem Tagesverlust von 0,55 Prozent entspricht. Der DAX behauptete jedoch die wichtige psychologische Unterstützungsmarke von 16.000 Punkten.

Im Chemiesektor verursachte Lanxess einen Stimmungsdämpfer, nachdem das Unternehmen eine Gewinnwarnung bekannt gab. Der Spezialchemiekonzern senkte sein Jahresziel für das bereinigte operative Ergebnis aufgrund eines schwächer als erwartet laufenden zweiten Quartals.

Die Börsenteilnehmer verarbeiteten derzeit die jüngste Konsolidierung des deutschen Leitindex nach dem Rekordhoch am vergangenen Freitag. Es werden Gewinnmitnahmen erwartet, während die jüngsten Schwierigkeiten im Chemiesektor eher die Bären in ihrer Meinung bestärken, dass die Gewinndynamik im Jahresverlauf nachlassen wird.

Die Preisauftriebsrate auf Herstellerebene in Deutschland hat sich weiter abgeschwächt. Im Mai stiegen die Produzentenpreise im Jahresvergleich um 1,0 Prozent, der niedrigste Zuwachs seit Januar 2021. Die Erzeugerpreise sind ein wichtiger Indikator für den Trend bei den Verbraucherpreisen, die wiederum den geldpolitischen Kurs der Europäischen Zentralbank maßgeblich beeinflussen.

Der US-Finanzinvestor Silver Lake hat den Weg zur Übernahme der Software AG frei. Der Konkurrent Bain Capital, der ein höheres Angebot für das Darmstädter Unternehmen in Aussicht gestellt hatte, gab seine Ambitionen auf. Die Umbenennung der Deutsche Post DHL Group steht kurz bevor. Ab dem 1. Juli wird der Konzern nur noch DHL Group heißen, da bereits jetzt 90 Prozent des Umsatzes unter der Marke DHL generiert werden.

Der französische Pharmakonzern Sanofi verzeichnete einen positiven Schiedsspruch in Bezug auf eine Klage von Boehringer Ingelheim in den USA. Das Schiedsgericht hat die Klage auf Entschädigung im Zusammenhang mit dem Medikament Zantac abgewiesen, was von Analysten als sehr positiv bewertet wird.

Der Autobauer Renault plant deutliche Kostensenkungen für seine abzuspaltenende Elektrosparte Ampere. Die Kosten auf Fahrzeugbasis sollen um 40 Prozent sinken, und es ist geplant, die Teilevielfalt um 30 Prozent zu reduzieren.

Alibaba, der chinesische Rivale von Amazon, bekommt einen neuen Vorstandschef. Eddie Yongming Wu wird Daniel Zhang ablösen und die Führungsumbildung des Unternehmens leiten. Der Post-Konkurrent Fedex verzeichnete im vierten Geschäftsquartal einen Gewinnrückgang aufgrund einer schwächeren Nachfrage und steigender Kosten. Die Ergebnisse konnten nur teilweise durch Einsparungen ausgeglichen werden.

Der Euro verzeichnete im späten US-Devisenhandel kaum noch Bewegung und hielt sich etwa auf dem Niveau des späten Währungsgeschäfts in Europa. Der Handel verlief ruhig, während der Dollar durch robuste Daten aus der US-Bauwirtschaft gestützt wurde. Der Preis für eine Feinunze Gold sank um rund 0,7 Prozent auf 1937 Dollar.

Die Weltwirtschaft erlebt derzeit turbulente Ereignisse, die sich auf die Finanzmärkte auswirken. Die Anleger beobachten gespannt die Entwicklungen an der Wall Street, an den europäischen Börsen und in China. Die Zinsängste, die Geldpolitik der Zentralbanken und die Unternehmensnachrichten haben einen erheblichen Einfluss auf die Stimmung der Anleger und die Kursbewegungen an den Märkten. Es bleibt abzuwarten, wie sich die Situation weiterentwickeln wird und welche Auswirkungen dies auf die globalen Finanzmärkte haben wird.

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