Wall Street und DAX geben nach - Zinswarnungen belasten die Märkte
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Die jüngsten Äußerungen des Notenbankchefs Jerome Powell haben sowohl die Wall Street als auch den deutschen Aktienindex DAX belastet. Anleger haben aufgrund der Aussicht auf weitere Zinserhöhungen der US-Notenbank Fed am Ende der Woche die Bremse gezogen. Der Dow-Jones-Index fiel um 0,65 Prozent auf 33.727 Punkte, während der breiter gefasste S&P 500 um 0,77 Prozent auf 4.348 Zähler sank. Der Technologieindex Nasdaq und der Auswahlindex Nasdaq 100 verloren jeweils ein Prozent. Technologiewerte wie Salesforce, CiscoSystems, IBM und Microsoft gehörten zu den größten Verlierern im Dow. In Europa hatte bereits der DAX unter den Aussichten auf weitere Zinserhöhungen gelitten und verzeichnete einen Verlust von 3,2 Prozent.
Die schlechte Stimmung an den Märkten wurde hauptsächlich durch die Aussicht auf weitere Zinserhöhungen der Fed verursacht, was wiederum Rezessionssorgen schürte. Powell signalisierte vor einem Ausschuss im Senat, dass es trotz bereits zehn Zinserhöhungen in den USA noch Spielraum nach oben gebe. Investoren befürchten, dass eine zu aggressive Zinspolitik langfristige Auswirkungen auf die Wirtschaft haben könnte und verstärkt die Angst vor einer möglichen Rezession. Die Strategen der Deutschen Bank fassten zusammen, dass die jüngsten Daten die Risikobereitschaft weiter gedämpft hätten und die Angst vor einer Rezession verstärkt hätten.
Die Fed hat jedoch betont, dass sie die Bekämpfung der Inflation priorisiert, selbst wenn dies zu einer Abschwächung der Konjunktur führt. Powells Aussagen waren daher nicht wirklich überraschend, insbesondere angesichts der Inflationsrate von 4,0 Prozent, die deutlich über dem Ziel der Fed von 2,0 Prozent liegt. Laut der Währungshüterin Mary Daly kann die Fed trotz der jüngsten Pause noch weitere Zinsschritte unternehmen. In einem Interview betonte sie, dass zwei weitere Zinserhöhungen in diesem Jahr von jeweils einem viertel Prozentpunkt derzeit eine "sehr vernünftige Projektion" seien, jedoch noch keine endgültige Entscheidung getroffen wurde.
Die schlechte Stimmung an den Märkten wurde auch durch den angekündigten Streik von 3.500 Mitarbeitern bei Starbucks verstärkt. Die Aktien des Unternehmens fielen um 2,5 Prozent, nachdem die Gewerkschaften zu einer Arbeitsniederlegung aufgerufen hatten. Der Vorwurf, dass der Konzern im Rahmen des Pride Month Dekorationen in seinen Cafés untersagt habe, führte zu Unzufriedenheit und Unsicherheit.
Auch der deutsche Aktienindex DAX verzeichnete Verluste und schloss mit einem Tagesverlust von 0,99 Prozent bei 15.829 Punkten. Im Wochenvergleich betrug der Verlust 3,2 Prozent. Neue Zinsängste und der Einbruch der Aktie von Siemens Energy haben die Anleger dazu veranlasst, ihre Anteile zu verkaufen. Der DAX gab die Marke von 16.000 Punkten auf und notiert nun etwas oberhalb von 15.800 Punkten.
Der MDAX, der Index der mittelgroßen Werte, hielt sich im Vergleich zum DAX besser und verzeichnete Verluste von nur 0,4 Prozent auf 26.789 Punkte. In den letzten Handelstagen hatte der MDAX bessere Ergebnisse erzielt als der DAX.
Der DAX befindet sich technisch gesehen an einem Scheideweg. Mit den Tagestiefs der letzten Tage bei 15.810/15.811 Punkten hat er ein Doppel-Tief markiert, das durch wichtige Schlusskurse bestätigt wurde. Dies gibt zumindest etwas Hoffnung, dass kurzfristig ein Boden gefunden werden könnte. Dennoch ist der DAX technisch angeschlagen, seit er sein Rekordhoch von 16.427 Punkten überschritten und die Marke von 16.000 Punkten unterschritten hat.
Die schwache Börsentendenz ist auf die Erkenntnis der Investoren zurückzuführen, dass die großen Notenbanken mit ihrem aggressiven Zinserhöhungszyklus noch lange nicht am Ende sind. Die Hoffnung auf Zinssenkungen, die von den Käufern bevorzugt wurden, ist angesichts der anhaltend hohen Inflationsraten und robusterer Konjunkturdaten in den USA unwahrscheinlich geworden. Die Enttäuschung der Anleger spiegelte sich auch in der Entwicklung des Eurokurses wider, der deutlich gefallen ist. Der Euro wurde zuletzt im US-Handel bei 1,0892 Dollar gehandelt, was einem Rückgang von rund drei Viertel Cent gegenüber dem Vorabend entspricht.
Die Anleger zeigten sich besorgt über die Eintrübung der Unternehmensstimmung im Euroraum im Juni. Der Einkaufsmanagerindex von S&P Global fiel aufgrund eines schwachen Wachstums auf 50,3 Punkte im Vergleich zu 52,8 Punkten im Mai. Dies war nur knapp über der Wachstumsschwelle von 50 Punkten. Experten interpretieren dies als Anzeichen für eine mögliche Rezession im Euroraum.
Die Digitalwährung Bitcoin erreichte am Freitag den höchsten Stand seit einem Jahr. Der Kurs stieg kurzzeitig auf 31.411 US-Dollar, den höchsten Stand seit Juni 2022. Dieser Anstieg wurde mit der Hoffnung auf die Zulassung von physisch besicherten Bitcoin-ETFs in den USA in Verbindung gebracht.
Die zunehmende Inversion der Renditekurve lässt immer mehr Anleger auf eine umfassende Rezession sowohl in Deutschland als auch in den USA wetten. Die Renditen von zweijährigen Bundesanleihen liegen bei etwa 3,3 Prozent, während zehnjährige Anleihen nur etwa 2,4 Prozent abwerfen. Eine inverse Renditekurve wird an den Märkten als zuverlässiger Indikator für eine bevorstehende Rezession betrachtet.
Insgesamt bleibt die Stimmung an den Märkten gedämpft, da die Zentralbanken weiterhin bereit sind, die Zinsen anzuheben, um möglichen wirtschaftlichen Schäden entgegenzuwirken. Die US-Notenbank Fed hat bereits angekündigt, dass weitere Zinserhöhungen zu erwarten sind, während auch die Bank of England und die Europäische Zentralbank eine Straffung der Geldpolitik in Erwägung ziehen. Die Konjunktur- und Zinssorgen belasten auch die Kauflaune der Investoren am Ölmarkt, und der Preis für Nordseeöl Brent ist leicht gesunken.
