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EZB befragt Banken zu Risiken von Anthropics neuem KI-Modell

Regulatoren weltweit schlagen Alarm: Anthropics KI-Modell „Mythos" bedroht veraltete Banken-IT mit beispiellosen Cybersicherheitsrisiken.

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EZB befragt Banken zu Risiken von Anthropics neuem KI-Modell

Die Europäische Zentralbank (EZB) geht aktiv auf die von ihr beaufsichtigten Banken zu, um deren Vorbereitung auf die Risiken des neuen KI-Modells „Mythos" von Anthropic zu prüfen. Dies berichtet Reuters unter Berufung auf eine mit der Angelegenheit vertraute Person, die anonym bleiben wollte. Die Aufsichtsbehörden der EZB sammeln derzeit Informationen über das Modell, bevor sie die Banken gezielt befragen.

Anders als in den USA findet dieses Vorhaben im Rahmen des regulären Dialogs der EZB mit Bankmitarbeitern statt. Ein Ad-hoc-Treffen mit dem Top-Management wurde bisher nicht anberaumt. Ein Sprecher der EZB lehnte eine Stellungnahme ab. Die EZB hatte Technologierisiken bereits als eine ihrer obersten Prioritäten für den Zeitraum 2026 bis 2028 eingestuft.

Was macht „Mythos" so gefährlich?

Experten zufolge verleihen die Fähigkeiten des Modells zur Programmierung auf hohem Niveau ihm eine potenziell beispiellose Kapazität, Cybersicherheitslücken zu identifizieren und Wege zu deren Ausnutzung zu entwickeln. Genau dieser Aspekt hat Anthropic dazu veranlasst, die aktuelle Iteration – „Claude Mythos Preview" – nicht allgemein zugänglich zu machen. Stattdessen kündigte das Unternehmen das „Project Glasswing" an.

Im Rahmen von „Project Glasswing" hat Anthropic führende Technologieunternehmen, Cybersicherheitsanbieter sowie JPMorgan Chase und mehrere Dutzend weitere Organisationen eingeladen, das Modell privat zu evaluieren und entsprechende Abwehrmaßnahmen vorzubereiten. Dieser kontrollierte Ansatz soll sicherstellen, dass potenzielle Angriffsvektoren erkannt und abgesichert werden, bevor das Modell breiteren Kreisen zugänglich gemacht wird.

Alarm auf höchster Ebene in den USA und Großbritannien

In den USA beriefen US-Finanzminister Scott Bessent und Fed-Chef Jerome Powell in der vergangenen Woche ein dringendes Treffen mit den Vorstandsvorsitzenden der Banken ein, um sie vor den Risiken zu warnen. Präsident Donald Trump bestätigte dies am Mittwoch und sprach sich zudem für staatliche Schutzmaßnahmen aus.

Alberto Musalem, Präsident der Fed von St. Louis, erklärte gegenüber Reuters, die Entwicklung unterstreiche die Notwendigkeit, „unsere Denkweise über Cybersicherheit zu überdenken" und bei den Banken deren eigene „Resilienz und Robustheit gegenüber Cyberrisiken in dieser neuen Welt" zu überprüfen. „Unsere Cyber-Teams befassen sich mit der Substanz der Sache, nicht nur mit den Nachrichten darüber, sondern mit der tatsächlichen Substanz. Und wir evaluieren dies", sagte Musalem in einem Interview am Mittwoch.

Auch Großbritannien reagierte mit deutlichen Warnungen. Die britische Technologieministerin Liz Kendall und Sicherheitsminister Dan Jarvis erklärten am Mittwoch, Mythos sei bei „Cyber-Offensiven wesentlich leistungsfähiger" als jedes Modell, das zuvor vom staatlichen AI Security Institute getestet wurde. In einem offenen Brief an Unternehmen warnten sie, eine neue Generation von KI-Modellen sei „in der Lage, Aufgaben zu übernehmen, die zuvor seltene Fachkenntnisse erforderten: das Finden von Schwachstellen in Software, das Schreiben von Code zu deren Ausnutzung, und dies in einer Geschwindigkeit und einem Umfang, die noch vor einem Jahr unmöglich gewesen wären".

Internationale Reaktionen und Kanada

Andrew Bailey, Gouverneur der Bank of England, betonte diese Woche, dass Zentralbanken und Finanzaufsichtsbehörden die Auswirkungen des neuen Modells rasch verstehen müssten. In Kanada wurde Mythos am vergangenen Freitag bei einem Treffen zur Cybersicherheit erörtert, an dem Vertreter des Finanzministeriums und der Bank of Canada sowie Bankmanager teilnahmen.

Die koordinierte internationale Reaktion der Regulatoren verdeutlicht das Ausmaß der wahrgenommenen Bedrohung. Für den europäischen Bankensektor, der vielerorts noch auf veraltete IT-Infrastrukturen setzt, stellt die Kombination aus hochentwickelter KI und potenziell ausnutzbaren Sicherheitslücken eine besondere Herausforderung dar. Die EZB-Aufsicht dürfte das Thema in den kommenden Monaten weiter intensiv verfolgen.

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