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Exus erwirbt 715 Megawatt Solarprojekte in US-Rechenzentrum-Hotspots

Der US-Entwickler Exus Renewables North America kauft vier Solarprojekte in Louisiana und Wisconsin und verhandelt mit Rechenzentrums-Kunden über Stromabnahmeverträge.

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Exus erwirbt 715 Megawatt Solarprojekte in US-Rechenzentrum-Hotspots

Der US-Stromentwickler Exus Renewables North America hat vier große Solarprojekte in Louisiana und Wisconsin von ibV Energy Partners erworben. Wie Exus-Chef Jim Spencer gegenüber Reuters erklärte, führt das Unternehmen zugleich Gespräche mit potenziellen Rechenzentrums-Kunden, die den Strom aus diesen Standorten abnehmen wollen. Finanzdetails des Transaktionsvolumens wurden nicht offengelegt.

Die Projekte umfassen zusammen rund 715 Megawatt Solarkapazität. Damit verdoppelt sich das Portfolio von Exus nahezu. Zum Vergleich: 715 Megawatt reichen aus, um mehr als eine halbe Million Haushalte mit Strom zu versorgen. Das in Pittsburgh, Pennsylvania, ansässige Unternehmen besitzt, entwickelt und betreibt eigenständig erneuerbare Energieprojekte im Utility-Maßstab landesweit.

Hintergrund der Transaktion ist eine Stromnachfrage in den USA, die in diesem Jahr Rekordhöhen erreicht hat und voraussichtlich weiter steigen wird. Getrieben wird diese Entwicklung durch die rasante Ausbreitung von Rechenzentren und die umfassendere Elektrifizierung. Das befeuert Akquisitionen im Stromsektor und erhöht die Nachfrage nach Versorgungsquellen, die schnell bereitgestellt werden können. „Wenn erneuerbare Energie für Rechenzentren verfügbar ist, wird sie vertraglich gesichert“, sagte Spencer.

Die Details

Zu den erworbenen Anlagen gehört Maple Grove Solar 1 und 2, ein zweiphasiges Projekt mit 310 Megawatt Kapazität im Barron County im Bundesstaat Wisconsin. Hinzu kommt das 125-Megawatt-Projekt Bayou Teche Solar in St. Mary Parish in Louisiana. Das dritte Vorhaben ist das 280-Megawatt-Projekt Bayou Chicot Solar in Evangeline Parish, ebenfalls in Louisiana. Exus wird die Solaranlagen errichten und betreiben.

Laut Exus waren die Projekte insbesondere deshalb attraktiv, weil sie in Regionen liegen, in denen die Nachfrage das verfügbare Angebot an Erzeugungskapazitäten übersteigt und sie deshalb relativ schnell an das Netz angebunden werden konnten. Wisconsin und Louisiana zählen zu den am schnellsten wachsenden US-Bundesstaaten für die Entwicklung von Rechenzentren. Diese expandieren dort schneller, als viele der Versorgungsunternehmen und Netzbetreiber des Landes bewältigen können.

Der Entwickler von Solar- und Batteriespeicherprojekten ibV hatte vor etwa viereinhalb Jahren mit den Arbeiten zur Sicherung der Netzanschlüsse beim Independent System Operator Midcontinent begonnen, sagte Chris McKissack, CEO von ibV Energy Partners. „Projekte, die baureif sind, gut entwickelt wurden, technisch solide konzipiert sind und sich in die Gemeinschaft integrieren lassen, werden zu einem Premiumpreis gehandelt und realisiert“, so McKissack.

Hintergrund: Was bisher geschah

Die Transaktion fügt sich in eine Reihe von Großprojekten ein, über die aktien.news in den vergangenen Monaten berichtet hat. Bereits am 28.03.2026 meldete aktien.news, dass der US-Energieversorger Entergy eine überarbeitete Vereinbarung mit Meta bekannt gegeben hat, die Kunden über einen Zeitraum von 20 Jahren Einsparungen von fast 2 Milliarden Dollar bringen soll. Hinzu kommen die bereits im Vorjahr angekündigten 650 Millionen Dollar an Einsparungen. Die Entergy-Aktie legte im frühen Freitagshandel um 4,8 Prozent zu. Im Mittelpunkt steht ein gigantisches Rechenzentrum-Projekt von Meta in Richland Parish im Nordosten von Louisiana; der Facebook-Mutterkonzern hatte Ende 2024 Investitionen von rund 10 Milliarden Dollar in ein Hyperscale-Rechenzentrum angekündigt.

Am 30.07.2026 berichtete aktien.news, dass Brookfield Asset Management und NextEra Energy gemeinsam einen KI-Campus auf dem Gelände einer ehemaligen Urananreicherungsanlage in Paducah, Kentucky, errichten wollen. Das Projekt hat ein Gesamtvolumen von 100 Milliarden US-Dollar und soll eines der größten Rechenzentrumscluster der Vereinigten Staaten werden. Das US-Energieministerium hat zugestimmt, Pachtverträge für das über 3.500 Acre große staatliche Gelände bereitzustellen, auf dem die Urananreicherung im Jahr 2013 eingestellt wurde. Das Vorhaben umfasst Erdgaskraftwerke mit einer Leistung von 2 Gigawatt sowie Batteriespeicherkapazitäten von 2,6 Gigawatt.

Ebenfalls relevant ist der Bericht vom 23.02.2026: Dominion Energy hat seinen Fünfjahres-Investitionsplan deutlich ausgeweitet und plant nun Sachinvestitionen von 64,7 Milliarden Dollar im Zeitraum 2026 bis 2030. Das entspricht einem Anstieg von rund 14,6 Milliarden Dollar gegenüber dem bisherigen Budget von 50,1 Milliarden Dollar bis 2029. Treiber dieser Expansion ist die rasant wachsende Nachfrage durch Rechenzentren für Künstliche Intelligenz und Kryptowährungen. Das in Richmond, Virginia, ansässige Unternehmen bedient mit seinen Stromnetzen den weltweit größten Rechenzentrumsmarkt und hatte bis Dezember fast 48,5 Gigawatt an Rechenzentrumskapazität vertraglich gesichert – ein Zuwachs von 1,4 Gigawatt gegenüber September.

Und am 19.02.2026 berichtete aktien.news über eine Analyse von Morgan Stanley: Der rasante Ausbau von KI-gesteuerten Rechenzentren wird den Strombedarf in Schlüsselregionen massiv erhöhen. Die Investmentbank prognostiziert, dass die Entwicklung von KI-Rechenzentren bis 2030 zu einer zusätzlichen US-Gasnachfrage von etwa 4,8 Milliarden Kubikfuß pro Tag führen könnte. Für ihre Prognose hatten die Analysten 1.272 angekündigte Rechenzentrumsprojekte kartiert, die einen zusätzlichen Strombedarf von rund 80 Gigawatt aufweisen.

Was das für Anleger bedeutet

Die Transaktion von Exus ist ein weiteres Beispiel dafür, wie stark die Nachfrage nach Strom die Investitionsentscheidungen im US-Energiesektor prägt. Wer in den USA Strom erzeugen kann und dabei über einen bereits gesicherten Netzanschluss verfügt, hat in der aktuellen Marktlage offenbar eine starke Verhandlungsposition – darauf deuten sowohl die Aussage von ibV-Chef McKissack zum „Premiumpreis“ als auch die Einschätzung von Exus hin, dass die Projekte wegen ihrer schnellen Anbindungsfähigkeit attraktiv waren.

Für deutsche Privatanleger ist dabei interessant, dass sich die Nachfrageseite verändert: Nicht mehr nur klassische Versorgungsunternehmen treten als Abnehmer auf, sondern zunehmend auch große Technologiekonzerne. Exus verhandelt laut Spencer sowohl mit Hyperscalern als auch mit Versorgungsunternehmen, die den Strombedarf von Rechenzentren decken. Diese Nachfragekonkurrenz kann die Preise für verfügbare Erzeugungskapazität und für Stromlieferverträge beeinflussen. Eine Kauf- oder Verkaufsempfehlung lässt sich daraus nicht ableiten; die Zahlen zum Transaktionsvolumen wurden nicht veröffentlicht.

Ausblick

Spencer gab an, dass er damit rechnet, innerhalb von vier bis sechs Wochen Of-take-Vereinbarungen abzuschließen. Verhandelt werde sowohl mit großen Technologiekonzernen als auch mit Versorgungsunternehmen, die den Strombedarf von Rechenzentren decken. Exus wird die vier Solaranlagen in Wisconsin und Louisiana errichten und betreiben. Weitere Angaben zu Zeitplan, Baukosten oder endgültigen Abnehmern machte das Unternehmen nicht.

Kurz erklärt

  • Megawatt: Einheit für elektrische Leistung, die angibt, wie viel Strom eine Anlage gleichzeitig liefern kann.
  • Offtake-Vereinbarung: Langfristiger Vertrag, mit dem ein Abnehmer den erzeugten Strom einer Anlage abnimmt.
  • Hyperscaler: Große Technologiekonzerne, die weltweit umfangreiche Rechenzentrumskapazitäten betreiben.
  • Netzanschluss: Anbindung einer Erzeugungsanlage an das öffentliche Stromnetz.
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