Ex-Strenesse-Chef Luca Strehle steigt in Longevity-Markt ein
Der frühere Modemanager übernimmt die Bewei GmbH und setzt auf den boomenden Markt für Langlebigkeit und ästhetische Wellness.

Luca Strehle, einst geschäftsführender Gesellschafter der Modemarke Strenesse, wagt einen Neustart – diesmal fernab der Fashionwelt. Der frühere Modemanager hat die Bewei GmbH übernommen, ein am Bodensee ansässiges Unternehmen, das Geräte zur Hautpflege und Gewebeverjüngung entwickelt, produziert und vertreibt. Mit dem Schritt positioniert sich Strehle im wachsenden Longevity-Segment, das auf Langlebigkeit und ästhetisches Wohlbefinden setzt.
Neben Strehle ist auch Patagonia Capital aus München als neuer Anteilseigner an Bord. Hinter der Beteiligungsgesellschaft steht Philipp Manchot, Partner des Vermögensverwalters Hartz Regehr. Strehle übernimmt zugleich die Geschäftsführung des Unternehmens.
Radiofrequenztherapie als Kerntechnologie
Die Bewei-Geräte werden in Italien gefertigt und basieren auf der sogenannten Radiofrequenztherapie. Dabei werden elektromagnetische Wellen im Radiofrequenzbereich gezielt ins Körpergewebe geleitet. Ursprünglich wurde diese Methode zur Linderung von Arthrose-Beschwerden entwickelt – die ästhetischen Effekte wie die Reduktion von Altersflecken, die Verjüngung von Zellgewebe und die Straffung des Bindegewebes entdeckte man erst im Nachgang.
Das wirtschaftliche Potenzial dieser Technologie erkannten die Bewei-Gründer Marion Jörgens und André Krantzen früh. Laut einem Bericht des Magazins „Icon" reiste die frühere Textil- und Reisebranchen-Managerin Jörgens ab 2004 eigens nach Genua, um den italienischen Arzt und Patentinhaber zu überzeugen, die Geräte für kommerzielle Zwecke nutzen und produzieren zu dürfen. 2008 gründeten Krantzen und Jörgens schließlich die Bewei GmbH im baden-württembergischen Langenargen – der Name steht für Beauty, Wellness und Innovation.
Luxussegment mit 180 Standorten in Europa
Heute ist Bewei in rund 180 Lounges vertreten, überwiegend in Europa. Das Unternehmen hat sich klar im Luxussegment positioniert: Die Behandlungen sind vor allem in Fünfsternehotels wie dem Hotel Bachmair am Tegernsee oder dem Lanserhof Sylt sowie auf Luxuskreuzfahrtschiffen wie der MS Europa zu finden. Das Produktportfolio reicht vom kompakten Handgerät bis zur Ganzkörperliege. Eine 30-minütige Gesichtsbehandlung kostet je nach Standort bis zu 340 Euro – die Zielgruppe ist klar die Oberschicht.
Gegenüber der WirtschaftsWoche kündigte Strehle an, das Vertriebsteam bis Ende des Jahres auf 15 Mitarbeiter aufzustocken. Der Longevity-Markt gilt international als einer der dynamischsten Wachstumsbereiche im Gesundheits- und Wellnesssektor – ein Umfeld, das zunehmend auch Investoren und Privatanleger anzieht.
Strenesse-Vergangenheit und Blick nach vorn
Strehles Karriere verlief nicht ohne Rückschläge. 2012 übernahm er von seinem Vater Gerd die Führung der Münchner Modemarke Strenesse. Bereits im April 2014 musste das Unternehmen wegen zu hoher Schulden erstmals Insolvenz in Eigenverwaltung anmelden. 2015 schied Strehle aus dem Unternehmen aus, 2019 folgte die zweite Insolvenz. Erst 2023 übernahm Modemanager Noro Hoferer mithilfe zweier Geldgeber die Markenrechte und revitalisierte die Marke.
Nach seinem Abgang bei Strenesse orientierte sich Strehle stärker in Richtung Finanzberatung. Mit Bewei kehrt er nun in unternehmerisches Fahrwasser zurück. Die Modebranche will er dabei nicht vollständig hinter sich lassen: Er plane eine Kooperation mit einer noch nicht namentlich genannten „Fashionfirma", in deren Geschäften er die kleineren Bewei-Geräte platzieren möchte. Die Begründung klingt pragmatisch: „Weil die Kundschaften sich überschneiden und beides gut zusammenpasst."
