Eurozone: Wachstum hält an, doch Inflation steigt wieder
Die Wirtschaft der Eurozone zeigt sich zu Jahresbeginn robust, doch steigende Preise bereiten Sorgen. Der PMI-Index signalisiert anhaltendes Wachstum, während sich der Inflationsdruck verstärkt.

Die Wirtschaft der Eurozone hat ihre Wachstumsdynamik zu Beginn des Jahres 2026 fortgesetzt, sieht sich jedoch mit zunehmendem Preisdruck konfrontiert. Der HCOB Flash Eurozone Composite PMI verharrte im Januar bei 51,5 Punkten und markierte damit den 13. Monat in Folge über der Wachstumsschwelle von 50 Punkten. Allerdings verfehlte der Wert die Analystenschätzung von 51,8 Punkten.
Gemischte Signale aus der Wirtschaft
Trotz der grundsätzlich positiven Entwicklung zeigen sich Schwächen in wichtigen Bereichen. Die Auftragseingänge stiegen so schwach wie seit September nicht mehr, während das Exportgeschäft den stärksten Rückgang seit vier Monaten verzeichnete. Besonders besorgniserregend: Unternehmen bauten erstmals seit September Arbeitsplätze ab.
Claus Vistesen, Chefvolkswirt für die Eurozone bei Pantheon Macroeconomics, kommentiert: "Insgesamt sind dies ordentliche Daten, die die Ansicht einer relativ widerstandsfähigen Eurozonenwirtschaft angesichts multipler Schocks und anhaltender politischer Unsicherheit stützen. Allerdings liegt die Messlatte, um offizielle Prognosen und Konsensschätzungen zu erfüllen, nun höher."
Dienstleistungen schwächer, Industrie erholt sich leicht
Der Dienstleistungs-PMI fiel auf ein Viermonatstief von 51,9 Punkten, nach 52,4 im Dezember. Dies lag deutlich unter der Erwartung von 52,6 Punkten. Die Industrieproduktion schrumpfte zwar weiterhin, jedoch in einem langsameren Tempo als zuvor. Ein positives Signal: Der Produktionsindex kehrte knapp in den Expansionsbereich zurück.
Deutschland und Frankreich entwickeln sich gegensätzlich
Innerhalb der Eurozone zeigt sich ein heterogenes Bild. In Deutschland wuchs die Geschäftsaktivität im Januar so schnell wie seit drei Monaten nicht mehr. Jedoch sank die Beschäftigung so stark wie seit November 2009 nicht mehr – ein alarmierendes Signal für den Arbeitsmarkt.
Frankreich hingegen enttäuschte mit unerwartet schrumpfender Aktivität, nachdem die Wirtschaft in den beiden Vormonaten nur mageres Wachstum gezeigt hatte. Großbritannien meldete derweil das schnellste Wachstum seit April 2024, allerdings bei steigender Inflation und Arbeitslosigkeit.
Inflationsdruck nimmt wieder zu
Besondere Aufmerksamkeit verdient die Entwicklung der Preise. Die Inputkosten stiegen so schnell wie seit Februar nicht mehr, während die Verkaufspreise den stärksten Anstieg seit fast zwei Jahren verzeichneten. Diese Entwicklung dürfte die Europäische Zentralbank in ihrer Haltung bestärken, die Zinsen vorerst stabil zu halten.
Bert Colijn von ING warnt: "Auch wenn die Inflation in den letzten Monaten trotz aller wirtschaftlichen Turbulenzen bemerkenswert harmlos geblieben ist, deutet der PMI wieder auf steigenden Preisdruck hin." Er betont jedoch, dass die Bewegungen nicht ausreichen, um die EZB von ihren Erwartungen abzubringen, die Zinsen auf absehbare Zeit stabil zu halten.
Optimismus für die Zukunft wächst
Trotz der gemischten Signale zeigt sich ein positiver Trend: Der Optimismus hinsichtlich der zukünftigen Aktivität stieg auf den höchsten Stand seit Mai 2024. Die Stimmung verbesserte sich insbesondere seit Mittwoch, nachdem US-Präsident Donald Trump von zusätzlichen Zöllen gegen acht europäische Länder Abstand nahm, die er im Zusammenhang mit Grönland angedroht hatte.
Für Anleger bedeutet dies: Die Eurozone bleibt auf Wachstumskurs, doch die Kombination aus schwacher Nachfrage, Stellenabbau und steigenden Preisen erfordert erhöhte Aufmerksamkeit. Die weitere Entwicklung der Zinspolitik der EZB wird entscheidend für die Märkte sein.
