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Europas Hitzewellen decken massive Versicherungslücke für Unternehmen auf

Extreme Hitze kostet Europas Wirtschaft Milliarden – doch der Versicherungsschutz für betroffene Unternehmen bleibt erschreckend gering.

• 2 Min
Europas Hitzewellen decken massive Versicherungslücke für Unternehmen auf

Europas Unternehmen leiden unter immer häufigeren und intensiveren Hitzewellen – doch der finanzielle Schutz durch Versicherungen bleibt weit hinter den tatsächlichen Verlusten zurück. Das zeigt sich besonders deutlich in der Gastronomie: In der norditalienischen Stadt Padua, wo das abendliche Aperitivo-Ritual seit über einem Jahrhundert zur Kultur gehört, bleiben Außenbereiche und Terrassen während der Hitzewellen zunehmend leer. Die Menschen weichen in klimatisierte Innenräume aus – mit spürbaren Folgen für die Umsätze.

Laut einer Umfrage unter rund 600 Gastronomiebetrieben in Padua und der umliegenden Provinz meldeten mehr als 80 Prozent der Betriebe Umsatzrückgänge von etwa 20 Prozent während der jüngsten Hitzewelle. „Ein Rückgang von 20% vernichtet Ihre Marge", sagte Federica Luni, Präsidentin des Gastgewerbeverbandes APPE Padova. Der traditionelle Aperitivo-Zeitraum von 18 bis 19 Uhr sei nahezu verschwunden, was bedeute, dass Außenbereiche „ungenutzt und leer bleiben".

Milliarden an Verlusten, kaum versicherte Leistungen

Die Dimension des Problems verdeutlichen Zahlen des Ratinghauses Moody's: Die europäischen Hitzewellen des vergangenen Sommers kosteten die Wirtschaft rund 43 Milliarden Euro an wirtschaftlicher Leistung. Dem gegenüber stehen lediglich etwa 500 Millionen Euro an tatsächlich ausgezahlten Versicherungsleistungen. Diese enorme Diskrepanz macht das Ausmaß der Absicherungslücke deutlich – und sie wächst weiter.

Europa erlebt in diesem Jahr bereits die fünfte Hitzewelle. Die wirtschaftlichen Folgen sind vielfältig: Züge verspäten sich, landwirtschaftliche Erträge sinken, die Kühlung von Fabriken wird teurer, und Arbeitnehmer kämpfen mit sinkender Produktivität bei anhaltend extremen Temperaturen. Hitzewellen belasten damit nicht nur einzelne Branchen, sondern die gesamte europäische Wirtschaft – sie verringern die Produktivität, drosseln die Konsumausgaben und erhöhen die Betriebskosten gleichermaßen.

Warum Hitze kaum versicherbar ist

Das grundlegende Problem liegt in der Natur des Risikos selbst. „Hitze an sich ist kein traditionell versichertes Risiko", erklärte Swenja Surminski, Geschäftsführerin für Klima und Nachhaltigkeit beim Versicherungsmakler Marsh. „Extreme Hitze verursacht selten katastrophale Sachschäden wie eine Überschwemmung oder ein Sturm, aber die finanziellen Betriebsunterbrechungen, die sie auslöst, können ebenso schwerwiegend sein."

Herkömmliche Betriebsunterbrechungsversicherungen sind in der Regel an Sachschäden geknüpft – also etwa an einen Brand oder eine Überschwemmung, die ein Gebäude beschädigt. Hitzebedingter Umsatzausfall ohne direkten Sachschaden fällt durch dieses Raster. Eine Umfrage aus dem Jahr 2023 unter 9.000 kleinen und mittleren Unternehmen für die europäische Versicherungsaufsicht ergab, dass lediglich 28 Prozent eine Betriebsunterbrechungsversicherung als Teil ihrer Sachversicherung abgeschlossen hatten. Nur 17 Prozent verfügten über einen Schutz gegen Betriebsunterbrechungen ohne Sachschäden – der etwa Ereignisse wie Streiks abdeckt.

Unternehmen warnen vor wachsenden Klimafolgen

Die Auswirkungen extremer Hitze auf Unternehmensgewinne werden auch in Quartalsberichten zunehmend sichtbar. Zu den Unternehmen, die bei der Bekanntgabe ihrer Ergebnisse für das zweite Quartal auf Beeinträchtigungen durch heißes Wetter hinwiesen oder vor künftigen Auswirkungen warnten, gehörte unter anderem der schwedische Ladenausstatter ITAB Group sowie ein italienisches Unternehmen.

Für deutsche Privatanleger und Unternehmer ist die Entwicklung ein wichtiges Signal: Der Klimawandel schafft neue wirtschaftliche Risiken, die durch bestehende Versicherungsprodukte kaum abgedeckt werden. Die Versicherungsbranche steht vor der Herausforderung, neue Produkte zu entwickeln, die hitzebedingten Umsatzausfall abdecken – doch bislang klafft zwischen wirtschaftlichem Schaden und versicherter Leistung eine gewaltige Lücke, die mit jeder weiteren Hitzewelle größer zu werden droht.

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