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Euro fällt unter 1,12 Dollar: Talfahrt setzt sich weiter fort

Die Gemeinschaftswährung rutscht zeitweise auf 1,1161 Dollar – belastet von US-Renditen und politischen Risiken in Europa.

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Euro fällt unter 1,12 Dollar: Talfahrt setzt sich weiter fort

Der Euro setzt seine Talfahrt fort und hat eine viel beachtete Marke nach unten durchbrochen. Die Gemeinschaftswährung fiel zeitweise bis auf 1,1161 Dollar und notierte damit erstmals seit Mai 2025 unter der Schwelle von 1,12 Dollar. Seit Mitte August summiert sich der Kursverlust auf mehr als fünf Cent. Noch im Januar hatte der Euro zeitweise über 1,20 Dollar gestanden – von diesem Niveau ist derzeit wenig übrig geblieben.

Als wichtigster Treiber gilt die stark gestiegene Verzinsung von US-Staatsanleihen. Sie lenkt Kapitalströme wieder verstärkt in die Vereinigten Staaten und stützt dort den Dollar. Hinzu kommt eine Mischung aus Energiepreisen und politischen Risiken in Europa, die den Druck auf die Einheitswährung kurzfristig zusätzlich erhöht.

Der deutsche Leitindex DAX zeigt sich davon bislang kaum beeindruckt und legt zur Stunde rund 0,3 Prozent auf 25.318 Punkte zu. Für Anleger stellt sich damit die Frage, ob die Euro-Schwäche ein kurzes Zwischenspiel bleibt oder sich zu einem längerfristigen Trend auswächst.

Die Details

Im Zentrum der Euro-Schwäche steht der Zinsmarkt. Die Renditen zehnjähriger US-Treasuries liegen aktuell rund 1,8 Prozentpunkte über denen vergleichbarer deutscher Bundesanleihen. Diese Renditedifferenz macht Anlagen in Dollar attraktiv: Europäische Anleger tauschen Euro in Dollar, um in US-Papiere zu investieren, und verstärken damit die Abwärtsbewegung des Euro. Die Renditen steigen zwar auch in Europa, in den USA aber deutlich stärker.

Dazu kommt der Abstand bei den Leitzinsen. Die US-Notenbank Federal Reserve hält ihren Leitzins bei 3,75 bis 4,00 Prozent, während die Europäische Zentralbank (EZB) für den Euroraum 2,5 Prozent veranschlagt. Beide Notenbanken werden weitere Zinsschritte gegen die hohe Inflation erwartet – doch die aktuellen Leitzinserwartungen sprechen derzeit eher für den Dollar als für den Euro. Beobachter trauen der Fed trotz Drucks aus dem Weißen Haus die gleiche Entschlossenheit zu wie den Europäern.

Auch der Ölmarkt spielt eine Rolle. Rohöl wird überwiegend in Dollar bezahlt; steigende Ölpreise erhöhen daher die Nachfrage nach der US-Währung. Da die USA zugleich ein großer Ölproduzent sind, stärken höhere Öleinnahmen die US-Wirtschaft und das Vertrauen in den Dollar zusätzlich.

Kurzfristig belasten außerdem politische Unsicherheiten in Europa. In Frankreich regiert Premierminister Sebastien Lecornu ohne eigene Parlamentsmehrheit; das Haushaltsdefizit liegt bei 5,4 Prozent der Wirtschaftsleistung, das Defizitziel von fünf Prozent soll bis zum Wahljahr 2027 erreicht werden. In Spanien hat Ministerpräsident Pedro Sánchez vorgezogene Neuwahlen angesetzt. Hinzu kommen die Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt und Berlin, die den verhaltenen Wochenstart an den europäischen Aktienmärkten mit erklären.

Hintergrund: Was bisher geschah

Die aktuelle Schwächephase ist Teil einer längeren Entwicklung. Bereits am 16.01.2026 berichtete aktien.news, dass die UBS für die erste Jahreshälfte mit einem schwächeren US-Dollar rechnete und den EUR/USD-Kurs bei 1,20 erwartete – eine Prognose, die sich bislang nicht bestätigt hat.

Am 22.05.2026 berichtete aktien.news über eine Warnung der britischen Großbank Barclays. Sie sah den Euro durch die wachsende wirtschaftliche Divergenz zwischen den USA und Europa sowie durch die Spannungen in der Straße von Hormus weiter unter Abwärtsdruck. Die US-Wirtschaftsdaten überraschten laut Barclays weiterhin deutlich positiv, während europäische Daten hinter den Erwartungen zurückblieben.

Am 10.06.2026 meldete aktien.news, dass die Bank of America (BofA) ihre pessimistische Haltung gegenüber dem Euro bekräftigte und an einer Short-Position im EUR/USD-Paar festhielt. Als Gründe nannte die US-Großbank eine sich vergrößernde Wachstumskluft zwischen den USA und der Eurozone sowie das Risiko einer restriktiveren US-Notenbank.

Am 29.09.2026 schließlich berichtete aktien.news unter Berufung auf eine Reuters-Analyse, dass der Euro nahe seiner Jahrestiefststände notierte. Bestimmend seien ein globaler Energieschock und wachsende politische Risiken in Europa gewesen. Im August sei der Euro noch auf 1,20 unterwegs gewesen, im laufenden Monat sei er um rund 2 Prozent gefallen und habe Zwei-Monats-Tiefs knapp unterhalb von 1,14 erreicht.

Was das für Anleger bedeutet

Für deutsche Privatanleger hat die Euro-Schwäche ganz konkrete Folgen. Reisen in die USA werden deutlich teurer, weil für jeden Dollar mehr Euro gezahlt werden muss. Wer in Dollar notierte Werte hält, profitiert dagegen vom Währungseffekt, weil die Erträge bei der Umrechnung in Euro an Wert gewinnen.

Gleichzeitig verbessert der schwache Euro die Exportaussichten europäischer Unternehmen, weil ihre Produkte außerhalb des Euroraums günstiger werden. Dem steht gegenüber, dass das Vertrauen in den europäischen Wirtschaftsraum leidet – ein Faktor, der sich mittelfristig auch in den Bewertungen niederschlagen kann.

Anleger sollten beachten, dass Währungsbewegungen kurzfristig sehr volatil sind. Die Helaba sieht Raum für einen weiteren Rückgang bis 1,10 Dollar. Das ist eine Einschätzung, keine Garantie. Wer sein Portfolio stärker international ausrichtet, sollte Wechselkursrisiken bewusst einplanen und nicht allein auf Basis kurzfristiger Kursbewegungen entscheiden.

Ausblick

Beide Notenbanken werden weitere Zinsschritte gegen die hohe Inflation erwartet. Kurzfristig bleibt die Sorge um Frankreichs Staatsfinanzen ein Belastungsfaktor für den Euro, ebenso die anstehenden Wahlen in Sachsen-Anhalt und Berlin sowie die vorgezogenen Neuwahlen in Spanien. Am Devisenmarkt wird die Marke von 1,10 Dollar damit zum nächsten viel beachteten Niveau. Die weitere Richtung dürfte maßgeblich davon abhängen, wie sich die Renditedifferenz zwischen US-Treasuries und Bundesanleihen entwickelt.

Kurz erklärt

  • Leitzins: Der Zinssatz, zu dem sich Geschäftsbanken bei der Notenbank Geld leihen können und der die Zinsen in der gesamten Wirtschaft beeinflusst.
  • Renditedifferenz: Der Abstand zwischen den Erträgen zweier Anleihen unterschiedlicher Länder und damit ein Maß für deren relative Attraktivität.
  • US-Treasuries: Von der US-Regierung ausgegebene Staatsanleihen, die als besonders sichere Anlage gelten.
Euro Dollar KursEur/UsdUs-AnleiherenditenUs-TreasuriesBundesanleihenLeitzins FedEZBDAX

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