Pfund rutscht leicht ab, Euro fällt auf Fünf-Wochen-Tief
Der starke Dollar drückt Euro und Pfund – ING sieht weitere Aufwärtspotenziale für den Greenback.

Das Pfund Sterling notierte am Montag leicht im Minus, während der Euro auf Fünf-Wochen-Tiefs abrutschte. Hintergrund ist ein erstarkender US-Dollar, dessen Gewinne die Anleger weiter ausbauen. Marktteilnehmer rechnen damit, dass die US-Zinsen länger hoch bleiben als die der anderen großen Zentralbanken.
Konkret stand das Pfund um 04:31 Uhr ET (08:31 Uhr GMT) mit einem Verlust von 0,04 Prozent bei 1,3235 US-Dollar. Der Euro gab deutlicher nach und fiel um 0,43 Prozent auf 1,1204 US-Dollar. Der Dollar-Index bewegt sich damit in Richtung neuer Jahreshöchststände.
"Der Dollar-Index drängt smart nach neuen Jahreshöchstständen", sagte Chris Turner, globaler Leiter der Märkte bei der ING. Der Verkauf des Euro treibe diese Entwicklung maßgeblich voran. Der Euro macht 58 Prozent des Indexkorbs aus – entsprechend stark schlägt die Schwäche der Gemeinschaftswährung auf den Dollar-Index durch. Als nächstes Aufwärtsziel nannte Turner die Marke von 102,85.
Euro-Schwäche treibt den Dollar an
Die fundamentale Unterstützung für den Dollar dürfte laut Turner weiterhin daraus resultieren, dass die Erwartungen an den geldpolitischen Verschärfungszyklus der US-Notenbank Fed weitaus widerstandsfähiger sind als bei ausländischen Zentralbanken – insbesondere der EZB. Seit Ende September wurden 30 Basispunkte von den erwarteten EZB-Verschärfungen abgezogen, während es bei der Fed lediglich 13 Basispunkte waren. Diese Divergenz stützt den Greenback.
Auch der sogenannte "weiche" US-Arbeitsmarktbericht vom Freitag hat den Dollar nach Einschätzung von ING nicht geschwächt. Die Märkte preisen eine unveränderte Fed-Rate bei der Sitzung Ende Oktober sowie eine Anhebung im Dezember ein. Diese Ausrichtung bezeichnete ING als hawkisch.
Die Händler wenden sich nun den ISM-Dienstleistungsdaten am Montag sowie den Protokollen der FOMC-Sitzung am Mittwochabend zu. Beide Termine werden von ING als dollarpositiv eingestuft. Die Protokolle könnten Aufschluss darüber geben, warum viele Fed-Beamte in ihren Dot-Plots eine zweite Anhebung in diesem Jahr prognostizierten.
Pfund-Bewegung als Nebenprodukt der Dollar-Stärke
Die Bewegung des Pfunds wird laut ING nicht durch britische Fundamentaldaten getrieben. Sie ist größtenteils ein Nebenprodukt der Dollar-Stärke und der Euro-Schwäche. Gegenüber der Gemeinschaftswährung konnte das Pfund dagegen zulegen.
Turner wies darauf hin, dass "die starken Rückgänge bei EUR/CHF und EUR/GBP auf ein höheres Risikoprämien-Risiko hinweisen, das in den Euro eingeht". Der Euro steht demnach unter Druck wegen französischer Fiskalbedenken, die nach dem jüngsten Verkaufsdruck bei französischen Staatsanleihen aufgekommen sind. "Für den Moment sieht es so aus, als würden Anleger französische Staatsanleihen meiden", sagte Turner.
Das Augenmerk der Anleger liegt nun darauf, ob die Vorlage des französischen Haushaltsplans in einem gespaltenen Parlament Fortschritte erzielt. Zusätzlich richtet sich der Blick auf Kommentare der EZB von einer Konferenz in Frankfurt am Montag. Die EZB müsse hart über die Inflation sprechen, während erwartet werde, dass sie einschreite, falls der französische Verkaufsdruck außer Kontrolle gerät, so Turner.
ING hält an Zielkurs für EUR/USD fest
Die ING bleibt bei ihrem Zielkurs von 1,1100 bis 1,1120 für das Währungspaar EUR/USD. Turner sieht dabei das Risiko einer Ausweitung in Richtung der Marke von 1,10. "Die zyklische Geschichte sieht für die kommenden Monate negativ aus", sagte er.
Als einzige positive Überraschung nennt Turner die Ergebnisse der Midterm-Wahlen in den USA. Diese könnten eine politische Reaktion des Weißen Hauses hervorrufen. Eine solche Reaktion würde "eine Kaufseite, die jetzt übergewichtet in Dollars ist, verunsichern" – und damit potenziell für Bewegung im Devisenmarkt sorgen.
Für deutsche Anleger bedeutet die aktuelle Entwicklung, dass der Dollar gegenüber Euro und Pfund an Stärke gewinnt. Der Fokus richtet sich damit auf die geldpolitischen Signale aus den USA sowie auf die fiskalischen Entwicklungen in Frankreich, die den Euro zusätzlich belasten.
