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EssilorLuxottica-Aktie im freien Fall: Familienfehde belastet Ray-Ban-Konzern

Nach dem Tod von Leonardo Del Vecchio zerbricht die Einheit der Erben – der Aktienkurs halbiert sich.

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EssilorLuxottica-Aktie im freien Fall: Familienfehde belastet Ray-Ban-Konzern

Als der italienische Unternehmer Leonardo Del Vecchio Ende Juni 2022 starb, schien die Aktie des von ihm geführten Augenoptik-Konzerns EssilorLuxottica zunächst unbeeindruckt. Der Konzern, zu dem ikonische Marken wie Ray-Ban, Oakley, Oliver Peoples und Costa gehören, deckt die gesamte Wertschöpfungskette ab – von der optischen Grundlagenforschung bis zum Fachhandel. Doch gut drei Jahre später ist die Stimmung gekippt.

Über Jahre hinweg hatte EssilorLuxottica seine Dividende kontinuierlich gesteigert. Für das Geschäftsjahr 2025 zahlte das Unternehmen vier Euro pro Aktie aus, was einer Rendite von rund 2,5 Prozent entspricht. Wer jedoch auf Kursgewinne setzte, erlebte eine herbe Enttäuschung: Vom Rekordhoch bei 320,70 Euro am 12. November 2025 ist der Kurs inzwischen auf unter 150 Euro eingebrochen.

Nachfolge als Sprengsatz

Leonardo Del Vecchio trägt an diesem Kursverfall posthum eine Mitschuld. Bei der Regelung seiner Nachfolge fehlte offenbar die gewohnte unternehmerische Weitsicht. Seine Stimmrechte sind nun auf acht Personen verteilt – eine Konstellation, die bei strategischen Entscheidungen Einstimmigkeit erzwingt.

Zum Kreis der Erben zählen sechs leibliche Kinder Del Vecchios von drei verschiedenen Frauen, seine letzte Ehefrau sowie ein Stiefsohn. Dass diese Gruppe eine einheitliche strategische Linie verfolgt, wäre aus Sicht von Beobachtern ein kleines Wunder. Lange Zeit fiel diese Sprengkraft nicht ins Gewicht, weil der Konzern operativ exzellent aufgestellt war. Das änderte sich schlagartig im November 2025.

Smart-Glass-Hype und die Folgen

Kurz vor dem Rekordhoch war der Kurs noch einmal rasant gestiegen. Christian W. Röhl, Chefvolkswirt von Scalable Capital, führt dies im Podcast „Leben mit Aktien“ nicht nur auf starke Quartalszahlen zurück. Er nennt den „Smart-Glass-Hype“ als wesentlichen Treiber. Gemeinsam mit Meta, der Muttergesellschaft von Facebook, entwickelte EssilorLuxottica eine KI-gestützte Brille, die sich 2025 erstmals richtig gut verkaufte und signifikant zum Umsatzwachstum beitrug.

Doch die Begeisterung schlug schnell in Ernüchterung um. „Valuation does not matter until it matters“, kommentiert Röhl die Kehrtwende der Anleger. Hatte der Markt zuvor auf den Umsatzbeitrag der KI-Brille geschaut, rückte nun die Marge in den Fokus – und die lag unter der des traditionellen Geschäfts. Eine Margenverwässerung bestraft der Kapitalmarkt hart.

Katalysator Erbenstruktur

Wenn Anleger erst einmal genauer hinschauen, finden sie rasch weitere Kritikpunkte. Der erste negative Impuls wirkt dann als „Katalysator“, so Röhl. So geriet auch die zerrüttete Erbenstruktur in den Blickpunkt – und EssilorLuxottica wurde an der Börse massiv abgestraft.

Dabei profitiert der Markt für Augenoptik von einem starken globalen Trend: Immer mehr Menschen leiden unter Fehlsichtigkeit. Laut Weltgesundheitsorganisation könnte bis 2050 die Hälfte der Weltbevölkerung kurzsichtig sein. Die zunehmende Bildschirmzeit und die alternde Gesellschaft treiben die Nachfrage nach Brillen.

Blick auf die Konkurrenz

Wer langfristig in Brillenaktien investieren möchte, sollte jedoch genau hinschauen. Mister Spex, einst ein vielversprechender Börsenstar aus Berlin, ist inzwischen zum Sanierungsfall geworden und steht an der Schwelle zum Pennystock. Dass EssilorLuxottica als elfprozentiger Anteilseigner den Kursverfall nicht für eine Übernahme nutzt, werten Analysten als Warnsignal.

Als interessanterer Kandidat für eine Watchlist gilt Fielmann. Der bekannteste deutsche Optikkonzern hat eine ähnlich holprige Stabübergabe hinter sich. Gründer-Nachfolger Marc Fielmann setzte jedoch bereits Akzente, etwa mit der Expansion in die USA. Die Börse honoriert das bislang nicht – der Kurs tendiert seitwärts.

Röhl hebt hervor, dass Fielmann – abgesehen von der Corona-Zäsur – jedes Jahr den Umsatz gesteigert hat. 2025 erzielte das Unternehmen ein Umsatzplus von sieben Prozent und einen Rekordgewinn von fast 205 Millionen Euro. Bei einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 16 und einer gesunden Bilanz sei eine fortgesetzte Beobachtung lohnenswert. Die aktuelle Dividendenrendite liegt bei 3,6 Prozent. Marc Fielmann habe strategisches Talent, so Röhl – das werde sich „irgendwann auch an der Börse widerspiegeln“.

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