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Equity-Risk-Prämie fällt auf Niveau von 2002 – Folgen für Aktien

JPMorgan warnt: Die Risikoprämie für Aktien ist so niedrig wie zuletzt vor über 20 Jahren.

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Equity-Risk-Prämie fällt auf Niveau von 2002 – Folgen für Aktien

Die Equity-Risk-Prämie (ERP), also die zusätzliche erwartete Rendite, die Anleger für das Halten von Aktien im Vergleich zu Anleihen verlangen, ist auf den niedrigsten Stand seit dem Jahr 2002 gefallen. Das hat weitreichende Konsequenzen für die Aktienmärkte, wie JPMorgan in einer aktuellen Analyse warnt.

Der Chefstratege Nikolaos Panigirtzoglou beziffert die Equity-Risk-Prämie des S&P 500 auf rund 2,1 Prozent. Damit liegt sie etwa 100 Basispunkte unter dem historischen Durchschnitt und hat sogar den bisherigen Zyklus-Tiefststand von 2,4 Prozent aus dem Jahr 2007 unterschritten.

Drei Schlussfolgerungen der JPMorgan-Strategen

Panigirtzoglou zieht aus dieser Entwicklung drei zentrale Schlussfolgerungen für die Märkte. Erstens dürften Aktien künftig empfindlicher auf Bewegungen bei den Anleiherenditen reagieren. Dies erinnere an die Periode von 1974 bis 1998, in der ebenfalls niedrige Risikoaufschläge herrschten. „In Zukunft könnten die Aktienmärkte eine höhere Sensitivität gegenüber Anleiherenditen aufweisen als in den vergangenen zwei Jahrzehnten“, schreibt der Experte.

Zweitens stärkt die schrumpfende Prämie die Argumentation für Anleihen gegenüber Aktien in der langfristigen Asset-Allokation. Laut den Kennzahlen von JPMorgan sind nicht-bankische Investoren sowie Pensionsfonds und Versicherer der G4-Länder im Verhältnis zu Anleihen so stark in Aktien übergewichtet wie seit 2002 nicht mehr. Sollten die Realzinsen weiter steigen, könnte dies zu einer ausgeprägteren Umstrukturierung hin zu Anleihen führen.

Auswirkungen auf Anlagestrategien

Drittens werde sich die Verschiebung voraussichtlich auf die positive Korrelation zwischen Anleihen und Aktien verstärken, die sich nach dem Inflationsschock im Jahr 2022 herausgebildet hatte. Dies stelle einen anhaltenden Gegenwind für die sogenannte „Risk-Parity-Strategie“ dar, die darauf abzielt, Aktienrisiken durch Anleihen abzusichern.

Als Folge könnte die Nachfrage nach direkten Absicherungsinstrumenten für Aktien, wie etwa Put-Optionen, steigen. Die Entwicklung der Equity-Risk-Prämie wird von der Bank als ein zentraler Indikator für die künftige Marktdynamik gesehen.

Hintergrund: Was ist die Equity-Risk-Prämie?

Die Equity-Risk-Prämie ist ein fundamentales Konzept der Kapitalmarkttheorie. Sie gibt an, wie viel Mehrrendite Anleger erwarten, wenn sie statt vermeintlich sicherer Staatsanleihen in risikoreichere Aktien investieren. Eine sinkende Prämie bedeutet, dass Aktien im Vergleich zu Anleihen weniger attraktiv erscheinen – oder dass Anleihen relativ teurer geworden sind.

Getrieben wurde der Rückgang der Prämie nach Angaben von JPMorgan durch zwei Faktoren: die Aktienerholung in diesem Jahr und einen steilen Anstieg der realen Anleiherenditen. Für deutsche Anleger ist die Entwicklung besonders relevant, da die Renditen deutscher Bundesanleihen ebenfalls gestiegen sind und die relative Attraktivität von Aktien damit abnimmt.

Die Analysten von JPMorgan raten Anlegern, die veränderte Risikolandschaft im Blick zu behalten. Die niedrige Equity-Risk-Prämie sei ein Signal, dass die Zeiten, in denen Aktien quasi automatisch die bessere Wahl waren, vorerst vorbei sein könnten.

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