Ebel startet Comeback-Plan mit Chanel und F.P. Journe
Die Schweizer Uhrenmarke Ebel bekommt neue Eigentümer und einen neuen Chef — der Neustart setzt auf Sport und Damenuhren.

Die Schweizer Uhrenmarke Ebel bekommt einen neuen Mehrheitseigentümer. Eine Gruppe um den Uhrmacher François-Paul Journe übernimmt 95 Prozent des Unternehmens. Die Bewertung liegt bei rund 70 Millionen Dollar und damit kaum höher als beim Verkauf an die Movado Group, die Ebel Ende 2003 für 62,2 Millionen Dollar gekauft hatte. An Montres Journe ist der Luxuskonzern Chanel seit 2018 mit rund 20 Prozent beteiligt.
Den Neustart verantwortet Pierre Jacques, der zuvor 15 Jahre lang die Marke De Bethune geführt hat. Ebel blickt auf eine lange Geschichte zurück: 1972 übernahm Pierre-Alain Blum das Unternehmen, 1977 lancierte er die Sport Classic. 1986 feierte die Marke ihren 75. Geburtstag, inzwischen steht der 115. Geburtstag an. Der Umsatz stieg in dieser Phase von 3 auf 250 Millionen Franken.
Ebel prägte das Tennis-Sponsoring wie kaum eine zweite Marke
Der Aufstieg war eng mit dem Sport verbunden. Am 7. Juli 1985 gewann Boris Becker in Wimbledon — am Handgelenk eine Ebel. Der Vertrag mit Becker hatte 100.000 Mark gekostet. Ebel war Zeitnehmer beim Davis Cup, in Monte Carlo, Rom, Paris-Bercy und am Rothenbaum. Auch im Fernsehen war die Marke präsent: Don Johnson trug in „Miami Vice" einen goldenen Chronographen mit Zenith-El-Primero-Werk.
Die Quarzkrise meisterte Ebel mit eigenen Quarzwerken und Auftragsfertigung für Cartier. Später verlor das Unternehmen jedoch die Richtung: Blum diversifizierte zu weit, die Banken verloren die Geduld. 1994 übernahm Investcorp, 1999 LVMH, 2003 schließlich Movado. Die neuen Eigentümer verwalteten Ebel, entwickelten die Marke aber kaum weiter.
Der neue Sport Classic Chronograph kostet mehr als TAG Heuer und Omega
Mit dem neuen Sport Classic Chronograph will Ebel wieder angreifen. Die Uhr misst 40 Millimeter, es gibt vier Referenzen mit je 115 Stück. Im Inneren arbeitet das Kaliber DD2222 von Dubois Dépraz — ein Sellita-Basiswerk mit Chronographenmodul und 42 Stunden Gangreserve. Der Preis liegt bei 5.900 Euro in Stahl und 8.900 Euro in Bicolor.
Damit positioniert sich Ebel teils über der Konkurrenz. Die TAG Heuer Carrera mit 39 Millimetern und 80 Stunden Gangreserve kostet 7.900 Euro, die Omega Speedmaster Moonwatch mit 42 Millimetern 8.700 Euro. In der Bicolor-Variante verlangt Ebel also mehr als beide Wettbewerber, obwohl das Werk einfacher konstruiert ist. Neben dem Chronographen gibt es die Sport Classic Gemstones in 24, 29 und 33 Millimetern. Rund 80 Prozent der Ebel-Kundschaft sind Frauen.
Chanel entwickelt seine Beteiligungen eher behutsam
Chanel hält Anteile an Kenissi, MB&F, Bell & Ross und Romain Gauthier. Diese Beteiligungen entwickelt der Konzern eher behutsam. Für Ebel könnte geduldiges Familienkapital wertvoller sein als ein schneller Relaunch. Auch das Markenerbe passt zum Zeitgeist: Integrierte Bänder, Bicolor und Achtziger-Stil sind gefragt. Die Villa Turque in La Chaux-de-Fonds, bis 1916 von Le Corbusier für den Uhrenfabrikanten Anatole Schwob gebaut und später von Andrée Putman restauriert, nutzte Ebel als Empfangssalon. Der Markenclaim lautete: „Die Architekten der Zeit". In der Region ist mit G&F Châtelain ein Hersteller von Gehäusen und Bändern ansässig.
Der Rückzug von Rolex schafft Platz im Schaufenster
Der Markt bleibt schwierig. In Deutschland gab es 2024 noch 6235 Uhren- und Schmuckhändler — rund 1800 weniger als zehn Jahre zuvor. Rolex hat binnen fünf Jahren ein Fünftel seiner Verkaufspunkte gestrichen und ist offizieller Zeitnehmer aller vier Grand Slams. Bei Konzessionären steht die Marke für bis zu 50 Prozent des Umsatzes. Der Rückzug schafft Platz im Schaufenster, aber nur für margenstarke Marken. Nischenmarken drängen im Tennis nach vorn.
Was Ebel fehlt, ist ein Superstar, der die Marke zurückbringt. Als möglicher Kandidat wird Alexander Zverev vorgeschlagen, der erste Deutsche seit Becker 1989 mit einem US-Open-Sieg. Wie wichtig solche Gesichter sind, zeigt die Branchengeschichte: Rolex verpflichtete 1978 mit Chris Evert ihre erste Tennis-Testimonial, Omega holte 1996 Michael Schumacher als ersten Sportbotschafter, Becker war ab 1997 für TAG Heuer unterwegs. Ebel braucht vor allem Kompetenz in Stückzahlen, Skalierung und Kampagnen.
Für Privatanleger ist die Transaktion vor allem ein Signal zur Marktstruktur. Uhrenmarken mit Sport-Erbe und Damen-Sortiment treffen derzeit auf eine geschrumpfte Händlerlandschaft, in der sich der Wettbewerb um Schaufensterfläche verschärft. Ob Ebel davon profitiert, hängt weniger vom Eigentümerwechsel als von der Umsetzung ab: Stückzahlen, Skalierung und Kampagnen entscheiden darüber, ob aus dem Traditionsnamen wieder ein margenstarkes Geschäft wird.
