Dollar erreicht Drei-Monats-Hoch dank steigender US-Renditen
Der US-Dollar klettert auf ein Drei-Monats-Hoch, weil steigende Renditen und Inflationssorgen die US-Währung stützen.

Der US-Dollar hat am Donnerstag den höchsten Stand seit mehr als drei Monaten erreicht. Als wichtigste Stütze nennt die Nachrichtenagentur Reuters den anhaltenden Anstieg der Renditen US-amerikanischer Staatsanleihen. Ein Teil dieses Renditeanstiegs geht auf Bedenken zurück, dass sich der globale Preisdruck weiter verfestigt – ausgelöst durch den US-israelischen Krieg gegen den Iran.
Für die US-Währung spielten dabei die Daten zur amerikanischen Inflation im August eine wichtige Rolle. Diese fiel schwächer aus als erwartet, zusätzlich wurden die Werte für Juli nach unten revidiert. Damit sanken die Markterwartungen an eine Zinserhöhung der Federal Reserve noch in diesem Monat. Ein starker Anstieg der Inflation in der Eurozone unterstrich zugleich die Gefahr, die höhere Energiepreise weiterhin für die Weltwirtschaft darstellen.
Die Details
Gegenüber dem Euro gab der Dollar in Asien nach – der Euro fiel um 0,11 Prozent auf 1,1317 US-Dollar. Auf Monatssicht verlor die Gemeinschaftswährung im September fast 2,5 Prozent, der stärkste Rückgang seit Juli 2025. Als Belastung nennt Reuters Schulden- und Energielasten in Europa.
Das britische Pfund Sterling sank leicht um 0,1 Prozent auf 1,32495 US-Dollar. Im Vormonat hatte es bereits 2,1 Prozent verloren, ebenfalls gedrückt durch den stärkeren Greenback.
Der Dollar-Index, der die US-Währung gegenüber einem Währungskorb misst, erreichte ein Hoch von 101,66. Das war der höchste Stand seit dem 25. Juni. Im September setzte der Index damit seinen Anstieg um 2 Prozent fort.
Gegenüber dem japanischen Yen notierte der Dollar bei 158,29 – ein Plus von 0,54 Prozent. Im Vormonat war er gegenüber der japanischen Währung noch um 1,4 Prozent gefallen. Kit Juckes, Chief FX-Stratege bei der Societe Generale, ordnet diese Entwicklung so ein: „Der Yen war im September die stärkste Währung der G10-Nationen, und die Zurückhaltung des Marktes, sich durch Interventionen überraschen zu lassen, hat eindeutig Auswirkungen.“
Der australische Dollar fiel am Donnerstag auf ein Zwei-Monats-Tief von 0,6940 US-Dollar. Hintergrund: Investoren erhöhten die Wahrscheinlichkeit eines weiteren kurzfristigen Zinsanstiegs durch die Reserve Bank of Australia, nachdem die heimische Inflation leicht unter den Prognosen gelegen hatte. Der neuseeländische Dollar sank ebenfalls auf sein niedrigstes Niveau seit November 2025, auf 0,5618 US-Dollar.
Ein zentraler Treiber der Dollar-Stärke bleibt der Anleihemarkt. Globale Anleihen verzeichneten im September ihren stärksten monatlichen Rückgang seit Jahren, was die Renditen in die Höhe trieb. Reuters beschreibt die Ursache als giftige Mischung aus verschlechterten Staatsfinanzen, einem Überangebot an Emissionen und steigender Inflation. Die Zurückhaltung bei den Erwartungen für eine Fed-Zinserhöhung in diesem Monat führte zu einem leichten Rückgang der kurzfristigen US-Staatsanleiherenditen. Die Renditen für 10- und 30-jährige Anleihen erreichten in der vorherigen Sitzung dennoch neue Höchststände und bewegten sich am Donnerstag nahe diesen Niveaus.
Ray Attrill, Leiter der FX-Strategie bei der National Australia Bank, beschreibt die aktuelle Mechanik so: „Der US-Dollar zeigt derzeit eine größere Sensibilität gegenüber Entwicklungen bei beispielsweise zehnjährigen US-Staatsanleihen als gegenüber den Markterwartungen für den Zeitpunkt der nächsten Zinserhöhung der Fed.“ Und weiter: „Solange die Renditen weiter steigen, unterstützt dies den Dollar. Sollte es zu einem Wendepunkt kommen, an dem die Aktienmärkte tatsächlich darunter leiden, kann der Dollar davon profitieren.“
Hintergrund: Was bisher geschah
Die aktuelle Dollar-Stärke ist Teil einer Entwicklung, die aktien.news in den vergangenen Monaten mehrfach beschrieben hat. Bereits am 12.03.2026 berichtete aktien.news, dass der US-Dollar nahe seinem Jahreshöchststand notierte, weil stark steigende Rohölpreise die Inflationsrisiken verschärften und Spekulationen über eine restriktivere Geldpolitik der Notenbanken befeuerten. Damals legte der Dollar gegenüber Euro, Yen, Pfund und Neuseeland-Dollar den dritten Handelstag in Folge zu.
Am 18.05.2026 meldete aktien.news, dass der Dollar gegenüber den meisten wichtigen Währungen zulegte. Neue Spannungen im Nahen Osten trieben die Ölpreise, während ein weltweiter Ausverkauf an den Anleihemärkten die Risikobereitschaft der Investoren dämpfte. Der Euro notierte damals bei 1,1609 US-Dollar, das Pfund bei 1,3305 US-Dollar.
Nur zwei Tage später, am 20.05.2026, berichtete aktien.news von einem Sechswochenhoch des Dollars. Die Unsicherheit über den Verlauf des Konflikts im Nahen Osten schürte Inflationsängste und löste einen globalen Ausverkauf von Anleihen aus. Die Rendite der 30-jährigen US-Staatsanleihe erreichte damals den höchsten Stand seit 2007.
Zuletzt, am 25.09.2026, berichtete aktien.news, dass der Dollar sich nahe einem Zweimonatshoch hielt, gestützt durch steigende Renditen für US-Staatsanleihen und die wachsende Erwartung weiterer Zinserhöhungen der Federal Reserve. Der Dollar-Index notierte damals bei rund 101,28, nachdem er an vier Tagen in Folge zugelegt hatte.
Was das für Anleger bedeutet
Für deutsche Privatanleger ist die Entwicklung vor allem über den Wechselkurs spürbar. Ein stärkerer Dollar verteuert US-Investitionen für Euro-Anleger, während europäische Werte in Dollar gerechnet an Attraktivität verlieren. Der Euro hat im September fast 2,5 Prozent gegenüber dem Dollar verloren – der stärkste Monatsverlust seit Juli 2025.
Bemerkenswert ist die Verschiebung der Treiber. Nicht mehr allein die Erwartungen an den nächsten Fed-Zinsschritt bestimmen die Richtung des Dollars, sondern zunehmend die Bewegung am langen Ende der US-Zinskurve. Steigende Renditen zehnjähriger Staatsanleihen wirken derzeit als Stütze für den Greenback. Gleichzeitig belasten Schulden- und Energielasten in Europa den Euro, während das Pfund unter dem stärkeren Dollar leidet.
Ein zweiter Faktor kommt aus Japan hinzu. Eine Zusammenfassung der Meinungen aus der September-Sitzung zeigte am Donnerstag, dass einige Entscheidungsträger der Bank of Japan die Notwendigkeit sahen, das Tempo der Zinserhöhungen zu beschleunigen oder diese bald näher an das „Ziel“ der Zentralbank heranzuführen. Für Anleger mit Yen-Exposure ist das ein wichtiger Hinweis auf die künftige Geldpolitik Japans.
Ausblick
Die unmittelbar nächsten Impulse dürften von der Federal Reserve kommen. Nach den schwächer als erwartet ausgefallenen US-Inflationsdaten für August und den nach unten revidierten Juli-Werten sind die Erwartungen an eine Zinserhöhung in diesem Monat gedämpft. Ob sich dieser Trend bestätigt, hängt aus Sicht der Marktbeobachter maßgeblich davon ab, wie sich die Renditen der langlaufenden US-Staatsanleihen weiterentwickeln.
In Japan bleibt die Frage offen, ob die Bank of Japan das Tempo ihrer Zinserhöhungen beschleunigt. In Australien haben Investoren die Wahrscheinlichkeit eines weiteren kurzfristigen Zinsanstiegs durch die Reserve Bank of Australia bereits erhöht, nachdem die heimische Inflation leicht unter den Prognosen lag. In der Eurozone wiederum bleibt der starke Inflationsanstieg ein Risikofaktor, der die Weltwirtschaft über höhere Energiepreise belasten kann.
Kurz erklärt
- Rendite: die effektive Verzinsung einer Anleihe im Verhältnis zu ihrem aktuellen Kurs.
- Dollar-Index: ein Maßstab, der den Wert des US-Dollar gegenüber einem Korb wichtiger Fremdwährungen abbildet.
- Zinserhöhung: eine Anhebung des Leitzinses durch eine Notenbank, die Kredite verteuert.
