Deutsche Wirtschaft in der Krise
Möbelindustrie, Handwerk und Spielwarenmarkt vor neuen Herausforderungen

Die wirtschaftliche Lage in Deutschland bleibt angespannt, und zahlreiche Unternehmen kämpfen mit erheblichen Herausforderungen. Eine aktuelle Umfrage des Ifo-Instituts verdeutlicht, dass deutsche Firmen zunehmend Schwierigkeiten haben, sich im internationalen Wettbewerb zu behaupten. Laut Klaus Wohlrabe, dem Leiter der Ifo-Umfragen, habe es bislang keinen derart schnellen Einbruch in der Wettbewerbsfähigkeit gegeben. Die Zahl der Insolvenzen steigt seit eineinhalb Jahren kontinuierlich an, wobei das Statistische Bundesamt für Januar 2025 eine Zunahme von 14,1 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat meldet. Bereits seit Mitte 2023 bewegen sich die monatlichen Wachstumsraten der Insolvenzen im zweistelligen Bereich.
Bisher stand insbesondere die Automobilbranche im Mittelpunkt der wirtschaftlichen Turbulenzen. Zahlreiche Zulieferer mussten Tausende Arbeitsplätze abbauen, und auch die Anzahl der Insolvenzen in diesem Bereich war besonders hoch. Eine aktuelle Datenanalyse des Unternehmens Hase+Igel legt jedoch nahe, dass in naher Zukunft weitere Wirtschaftszweige betroffen sein könnten. Das Unternehmen aus Oldenburg wertet Daten zum Suchverhalten im Internet aus und identifiziert mithilfe künstlicher Intelligenz potenzielle wirtschaftliche Entwicklungen. Der Geschäftsführer Jan Schoenmakers erwartet eine weiter abkühlende Konjunktur. Seinen Analysen zufolge werden die typischen Verbraucherbranchen in diesem Jahr einen fast doppelt so starken Rückgang wie im Vorjahr erleben.
Ein besonders betroffenes Segment ist die Möbelindustrie. Während der Corona-Pandemie profitierten Hersteller und Händler noch von steigenden Umsätzen, da Verbraucher verstärkt in ihre eigenen vier Wände investierten. Inzwischen hat sich dieser Trend jedoch umgekehrt. Die Branche verzeichnete 2024 einen Umsatzrückgang von über sieben Prozent und setzte insgesamt 16,4 Milliarden Euro um. Insbesondere der Rückgang im Wohnungsbau setzt der Möbelindustrie zu. Die Nachfrage nach Wohn-, Ess- und Schlafzimmermöbeln sank im Vergleich zum Vorjahr um elf Prozent. Die Datenanalysen von Hase+Igel zeigen zudem einen massiven Einbruch der Online-Suchanfragen für Möbel. Während der Begriff „Kleiderschrank“ im Januar 2024 noch über 34 Millionen Mal gesucht wurde, waren es ein Jahr später lediglich 1,8 Millionen Anfragen – ein Rückgang um 93 Prozent.
Auch das Handwerk bleibt von den wirtschaftlichen Problemen nicht verschont. Während in Zeiten des Baubooms Fachkräfte kaum verfügbar waren, kämpfen die Betriebe nun mit sinkenden Umsätzen und Auftragsbeständen. Der Zentralverband des Deutschen Handwerks warnt vor einem anhaltenden Negativtrend. René Rimpler, Referatsleiter des Verbands, sieht insbesondere die schwache Baukonjunktur als Belastungsfaktor. Gleichzeitig deuten die Analysen von Hase+Igel auf eine Verlagerung des Konsumverhaltens hin. Immer weniger Menschen suchen online nach Handwerkern, Elektrikern oder Malern. Die Suchanfragen nach dem Begriff „Handwerker“ gingen von vier Millionen im Januar 2024 auf 180.000 im Januar 2025 zurück. Ähnlich drastisch ist der Rückgang bei „Elektriker“ von 2,4 Millionen auf 160.000. Jan Schoenmakers zufolge setzen Verbraucher vermehrt auf Heimwerken, um Kosten zu sparen.
Auch der Spielwarenmarkt spürt die Auswirkungen der wirtschaftlichen Flaute. Nachdem die Branche während der Lockdowns einen Boom erlebte, geht der Umsatz seit 2021 kontinuierlich zurück. Im vergangenen Jahr betrug das Marktvolumen 4,5 Milliarden Euro, was einem Rückgang gegenüber dem Höchststand von 4,9 Milliarden Euro entspricht. Der Durchschnittspreis pro verkauftem Produkt sank ebenfalls auf 14,56 Euro. Besonders betroffen ist das Segment der teuren Gaming-Hardware. Die Suchanfragen nach „Playstation“, „X-Box“ und „Spielzeug“ nahmen in den vergangenen Monaten spürbar ab. Selbst etablierte Marken wie Lego sehen sich einem Umsatzrückgang ausgesetzt. Während es im November 2024 noch über acht Millionen Google-Suchanfragen zu Lego gab, sank die Zahl bis Januar 2025 auf 1,3 Millionen.
